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Treibhausgasausstoß in Deutschland geht spürbar nach oben

Berlin (afp) – Der Treibhausgasausstoß in Deutschland geht nach Jahren des Rückgangs wieder spürbar nach oben. Nach vorläufigen Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) für 2012 stiegen die CO2-Emissionen im Jahrsvergleich um zwei Prozent, wie Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und UBA-Chef Jochen Flasbarth am Montag in Berlin bekanntgaben. Eine wesentliche Ursache ist demnach die zunehmende Verstromung von Braun- und Steinkohle.

„Das ist ein Ausreißer in einer bisher positiven Entwicklung“, sagte Altmaier. Vor diesem Hintergrund müsse geprüft werden, „ob einige Entwicklungen in die richtige Richtung gehen“. Wegen des niedrigen Kohlepreises sei der Bau hocheffizienter, moderner Gaskraftwerke derzeit weniger rentabel, während vor allem ältere, bereits abgeschriebene Kohlekraftwerke „sehr gut ausgelastet sind“. Zudem seien im vergangenen Jahr neue Braunkohlekraftwerke ans Netz gegangen. Die Verstromung von Braunkohle gilt als besonders umweltschädlich.

Von „wenig erfreulichen Zahlen“ sprach auch Flasbarth. Er wertete ebenfalls die verstärkte Kohleverstromung als „besorgniserregend“. Dagegen werde der Rückgang beim Atomstrom durch den Ausbau erneuerbarer Energien aufgefangen. Die Treibhausgasemissionen insgesamt, also unter Einbeziehung von Methan, Lachgas und weiteren Gasen, waren den UBA-Zahlen zufolge 2012 um 1,6 Prozent höher als im Vorjahr. Als weitere Ursache neben der Kohleverstromung nannte die Behörde auch einen witterungsbedingt höheren Gasverbrauch für die Gebäudeheizung.

Übereinstimmend stellten sich Altmaier und Flasbarth hinter die Pläne der EU-Kommission, dem Preisverfall bei CO2-Zertifikaten durch deren Verknappung entgegenzuwirken und so dem EU-Emissionshandel wieder mehr Wirksamkeit zu geben. Dagegen sperrt sich allerdings unter anderem Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Der Abstimmungsprozess im Kabinett sei im Gange, sagte Altmaier mit Blick auf zu den Zertifikaten anstehende Entscheidungen auf EU-Ebene.

Vergangene Woche hatte sich der Umweltausschuss des EU-Parlaments dafür ausgesprochen, 900 Millionen Zertifikate vorläufig vom Markt zu nehmen. Flasbarth wies allerdings darauf hin, angesichts von mehr als 1,5 Milliarden überschüssigen Zertifikaten wäre auch dies nur „ein erster Schritt“. Mindestens müssten die Emissionsrechte dauerhaft gestrichen werden. Der Zertifikatepreis war statt erwarteter 20 bis 30 Euro im Januar zeitweise auf unter drei Euro gesunken.

Ungeachtet des Emissionsanstiegs hat Deutschland aber seine Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll deutlich übererfüllt. Statt bis Ende 2012 vorgeschriebener minus 21 Prozent Treibhausgasausstoß verglichen mit 1990 betrug der Rückgang laut Umweltbundesamt 25,5 Prozent. Kein vergleichbares Industrieland könne eine derartige Leistung vorweisen, sagte Flasbarth.