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Fischereiminister einigen sich auf Zeitplan für Rückwurf-Verbot

Die EU-Fischereiminister haben sich auf einen Zeitplan für das Verbot des Rückwurfs von Beifang geeinigt. Zwischen 2014 und 2019 soll die Praxis, ungewollt gefangene Meerestiere oft halbtot zurück ins Meer zu kippen, stufenweise weitgehend verboten werden, wie der irische Ratsvorsitz am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Der Deutsche Fischerei-Verband warnte, das Verbot könnte kontraproduktiv wirken.

Brüssel (afp) – Die EU-Fischereiminister haben sich auf einen Zeitplan für das Verbot des Rückwurfs von Beifang geeinigt. Zwischen 2014 und 2019 soll die Praxis, ungewollt gefangene Meerestiere oft halbtot zurück ins Meer zu kippen, stufenweise weitgehend verboten werden, wie der irische Ratsvorsitz am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Der Deutsche Fischerei-Verband warnte, das Verbot könnte kontraproduktiv wirken.

Den Plänen zufolge müssten die Fischer auch die Fische an Land bringen, die ihnen ungewünscht ins Netz gehen. Schon ab Anfang kommenden Jahres gälte das für die auf hoher See gefangenen Fische, die sogenannten pelagischen Arten. Nach Diplomatenangaben ist damit die gesamte Hochseefischerei gemeint, egal ob in der Nordsee oder im Mittelmeer.

Die Fanggründe in Küstennähe sind demnach bei der Ostsee ab 2015 dran, bei der Nordsee ab 2016. Bis 2019 soll das Verbot flächendeckend sein – es gibt aber Ausnahmen. Zunächst bis zu neun Prozent und zuletzt bis zu sieben Prozent des Fangs werden als Ausnahme zugestanden und dürfen weiter zurück ins Meer geworfen werden.

Bislang wird der Beifang meist wieder zurück ins Meer gekippt. Umweltschützern zufolge verenden so jedes Jahr hunderttausende Tonnen Meerestiere. Die Chancen auf Überleben oder Tod sind aber unterschiedlich – abhängig etwa nach Art und nach der Dauer, die sie an Bord der Schiffe und Kutter liegen.

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nannte die Beschlüsse eine „überfällige Richtungsentscheidung“. Sie sei zwar enttäuscht, dass Deutschland sich nicht durchsetzen konnte, vor allem bei den Ausnahmen. Immerhin seien aber Forderungen anderer EU-Staaten, die die Beschlüsse geschwächt hätten, abgewehrt worden, erklärte Aigner in Brüssel. Damit meinte sie unter anderem Bestrebungen, bestimmte Arten vom Verbot ganz auszunehmen oder noch großzügigere Ausnahmen zu gewähren.

Der Deutsche Fischerei-Verband (DFV) in Hamburg äußerte sich zurückhaltend. „Die Frage, ob Sinn oder Unsinn herauskommt, hängt von der Detailregelung ab“, sagte DFV-Generalsekretär Peter Breckling der Nachrichtenagentur AFP. Breckling warnte, dass das Verbot kontraproduktiv wirken könnte: So könne bislang ein Krabbenfischer zu kleine Exemplare wieder über Bord werfen, „die überleben zu 95 Prozent“. Wenn er diese künftig anlanden müsste, seien sie tot.

Auch die Frage, was denn mit dem ungewollten Fisch an Land passiere, müsse gelöst werden, sagte Breckling. In der Erklärung der Ratspräsidentschaft hieß es, ein Teil des Beifangs solle für wohltätige Zwecke verwendet werden dürfen.

Umweltschützer kritisierten die Beschlüsse als zu lasch. Die geplanten Ausnahmen seien „ein Schlag ins Gesicht für verantwortungsvolle Fischer, die ihre Rückwurfquote bereits jetzt unter ein Prozent gesenkt haben“, erklärte der WWF Deutschland. Greenpeace kommentierte in Brüssel: „Es ist kein Verbot, wenn man erlaubt, Tausende von Tonnen Fisch zu verschwenden.“

Für die anstehenden Verhandlungen mit dem Europaparlament kündigte deren Verhandlungsführerin Ulrike Rodust (SPD) eine harte Linie an. Sie verwies auf die Entscheidung des Parlaments für ein ausnahmsloses Rückwurfverbot.