Nachrichten

CSR in Bangladesch braucht Investitionen in die Qualifizierung der Gewerkschaften

Die Versammlungsfreiheit der Arbeitnehmer ist in einem Land ohne funktionierende Gewerkschaften nicht leicht zu gewährleisten. In Bangladesch sind die Gewerkschaften politisiert, ihre Vertreter selten demokratisch legitimiert und sie sind unerfahren. „Investitionen in die Entwicklung der Gewerkschaften würden die Corporate Social Responsibility in Bangladesch deutlich nach vorne bringen“, sagt Rodney Reed, CSR-Consultant in Dhaka.

Dhaka (csr-news) – Die Versammlungsfreiheit der Arbeitnehmer ist in einem Land ohne funktionierende Gewerkschaften nicht leicht zu gewährleisten. In Bangladesch sind die Gewerkschaften politisiert, ihre Vertreter selten demokratisch legitimiert und sie sind unerfahren. Unternehmen lassen sie möglichst nicht rein und bilden stattdessen „Participation Committees“. Aber auch diese Arbeitnehmervertretungen werden häufig nicht durch die Belegschaft gewählt, sondern vom Arbeitgeber benannt. „Investitionen in die Entwicklung der Gewerkschaften würden die Corporate Social Responsibility in Bangladesch deutlich nach vorne bringen“, sagt Rodney Reed, CSR-Consultant in Dhaka.

So etwas wie ein „Trade Union Training College“, initiiert von amerikanischen oder europäischen Gewerkschaften und von den Unternehmen gefördert, würde Bangladesch guttun, meint Reed. Derzeit sind es häufig NGOs wie die Awaj Foundation, die Arbeitnehmerpositionen in den Dialog mit Unternehmen einbringen. Rodney Reed und seine Mitarbeiter von der Agentur Reed Consulting BD sind überwiegend für westliche Unternehmen tätig. Bei ihren Fabrikbesuchen in der Textilindustrie beschäftigt sie das Thema Brandschutz derzeit besonders.

Brandschutz: In manchen Bauten geht nichts

In Dhaka ist eine effektive fabrikeigene Brandbekämpfung unerlässlich: Angesichts chaotischer Verkehrsverhältnisse und enger Straßen kann bis zum Eintreffen der Feuerwehr eine Stunde vergehen. Ohne Investitionen ist ein effektiver Brandschutz aber nicht zu haben. Für Reed sind besonders Sprinkleranlagen wichtig, mit denen Brandherde gezielt und schnell bekämpft werden können. „Das ist gar nicht so teuer“, sagt er. Es braucht eine Wasserquelle am Boden oder auf dem Dach, eine Pumpe mit unabhängiger Energieversorgung und dann müssen Leitungen und Sprinklerköpfe verlegt werden. Eine weitere Investition sind Branddetektoren und -melder, die nicht nur ein Feuer anzeigen, sondern es zugleich lokalisieren. Manche Unternehmer schrecken vor solchen Investitionen zurück, weil sie die Gebäude nur gemietet haben oder zuerst die Automatisierung ihres Maschinenparks voranbringen wollen. Zudem befinden sich diese Unternehmen häufig in Familienbesitz und es fehlt ihnen an Kapital. Reed wünscht sich deshalb ein Kreditprogramm, das für Investitionen in den Brandschutz günstigere Zinsen gewährt.

Allerdings lässt sich nicht in allen Gebäuden ein effektiver Brandschutz installieren. Manche Unternehmen haben für ihre Textilproduktion Baukomplexe angemietet, die dafür nicht errichtet wurden – und die dazu selbst durch Umbaumaßnahmen nicht fit gemacht werden können. Oder sie haben die baulichen Möglichkeiten durch die Errichtung zusätzlicher Stockwerke überreizt.

Mit ihren Brandschutzmaßnahmen müssen die Betriebe jedenfalls nicht nur ihre Kunden und lokale Kontrolleure überzeugen, sondern vor allem die eigene Mitarbeiterschaft. Reed: „Solange die Mitarbeiter nicht davon überzeugt sind, dass sie den Ausbruch eines Feuers überleben und das Gebäude geordnet verlassen können, wird im Brandfall eine Panik ausbrechen.“

Von effektiven Brandschutzkontrollen im Land selbst darf kein westlicher Einkäufer ausgehen. Den kommunalen Aufsichtsbehörden fehlt es an Mitarbeitern. Überprüft werden Brandschutzkonzepte anhand eingereichter Unterlagen, Besuche vor Ort unterbleiben in der Regel. Und selbst wenn die Aufseher eine Fabrikanlage schließen wollten, so kann deren Eigentümer dies durch eine Klage vor Gericht um Jahre verzögern. Korruption ist in den Verwaltungen ebenso ein Problem wie in der Justiz.

Wenn es um die Verbesserung des Brandschutzes und der Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken von Dhaka geht, sieht Reed deshalb die internationalen Brands und deren Einkaufsorganisationen in der Verantwortung. Das gelinge nur über langfristige Lieferbeziehungen, in denen Kontrollen und Schulungen gleichermaßen wichtig seien, so Reed.

Lesen Sie mehr zur Textilindustrie in Bangladesch in der März-Ausgabe des CSR MAGAZIN mit dem Titelthema “Verantwortung auf fremden Märkten”. Hier erhalten Sie das CSR MAGAZIN: www.csr-magazin.net

Weitere Meldungen zum Thema: