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CSR in Europa: EU-Parlament stimmt ab

In Form von zwei Initiativberichten hat sich das Europäische Parlament im Februar mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Hintergrund ist die Umsetzung der europäischen CSR-Strategie, die 2011 von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Der Abstimmung über die Berichte von Richard Howitt und Raffaele Baldassarre gingen intensive Debatten voraus. Wie so oft ging es dabei vor allem um Transparenz und die Freiwilligkeit von CSR.

Straßburg (csr-news) > In Form von zwei Initiativberichten hat sich das Europäische Parlament im Februar mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Hintergrund ist die Umsetzung der europäischen CSR-Strategie, die 2011 von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Der Abstimmung über die Berichte von Richard Howitt und Raffaele Baldassarre gingen intensive Debatten voraus. Wie so oft ging es dabei vor allem um Transparenz und die Freiwilligkeit von CSR.

Eine zentrale Frage des Berichts von Richard Howitt ist, wie die Wirtschaft das durch die Krise verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen kann. „Ohne nachhaltige Unternehmen wird es keine nachhaltige wirtschaftliche Erholung geben“, so Howitt. Der britische Europaparlamentarier, der auch international die europäischen Interessen zum Thema Unternehmensverantwortung vertritt, ist der Auffassung, dass Unternehmen im verantwortlichen Handeln mehr die Chancen sehen sollten und nicht immer nur eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit. Howitt fordert die Unternehmen auf, ihr aktives Engagement für die Milderung der sozialen Auswirkungen der Krise zu demonstrieren, etwa indem sie sich für existenzsichernde Löhne einsetzen und ausbeuterische Beschäftigungspraktiken in der Lieferkette bekämpfen. Zudem erwartet er ein wesentlich intensiveres Bekenntnis der Europäischen Kommission zu den OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen. Der Bericht verteidigt außerdem die Bedeutung von Transparenz und integrierter Nachhaltigkeitsberichterstattung als zentrale Triebkraft für die soziale Verantwortung von Unternehmen und nennt hier ausdrücklich auch den GRI-Standard als weltweit führende Methode für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Howitt plädiert für einen Mix aus freiwilligen Maßnahmen und Regierungskonzepten. „Wenn, wie die Kommission richtig definiert, CSR ‚die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft‘ ist, dann sollten sich Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam ganz besonders um Ergebnisse bemühen“, so Howitt.

Einen besonderen Wert auf Transparenz ebenso wie auf die Offenlegung von Informationen legt dagegen der Bericht von Baldassarre. Er plädiert zwar dafür, den Unternehmen einen möglichst hohen Handlungsspielraum einzuräumen, gleichzeitig aber auch für die Annahme eines wahrscheinlichen Legislativvorschlags aus Brüssel. Vor allem die kleineren und mittleren Unternehmen müssen stärker mit eingebunden werden. Baldassarre verweist darauf, dass 90 Prozent der Unternehmen zu den KMUs zählen. Diese denken im Zusammenhang mit CSR eher an die Kosten und weniger an die wirtschaftlichen Potenziale. Dennoch gelte: „Vorfahrt für KMUs“. Balsassare will die KMUs nicht mit finanziellen und verwaltungstechnischen Anforderungen überlasten.

Der hessische CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann hat gegen die Annahme der Berichte gestimmt, die ansonsten mehrheitlich angenommen wurden, und begründet damit, dass seine „Hauptforderung, das Prinzip der Freiwilligkeit wieder in die CSR-Definition der EU aufzunehmen, keine Mehrheit fand“. Dennoch zeigte sich Mann mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden: „Wohltätiges Handeln von Unternehmen nach innen und außen darf in einer freien Gesellschaft nicht befohlen werden! Daher bin ich zufrieden, dass wir einen Bericht angenommen haben, der nicht mehr die Verpflichtung fordert und zusätzlich festschreibt, dass wohltätiges Handeln niemals verpflichtend sein darf“.

Berichterstatter Richard Howitt:

Bericht über soziale Verantwortung der Unternehmen: Förderung der Interessen der Gesellschaft und ein Weg zu einem nachhaltigen und integrativen Wiederaufschwung.

Berichterstatter Raffaele Baldassarre

Bericht zur sozialen Verantwortung der Unternehmen: Rechenschaftspflichtiges, transparentes und verantwortungsvolles Geschäftsgebaren und nachhaltiges Wachstum.

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