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Geschäftsreisen: schnell statt umweltverträglich

Mehr als 160 Millionen Geschäftsreisen werden jedes unternommen, durch die Kosten in Höhe von rund 44 Milliarden Euro verursacht werden. Dabei legen vor allem Führungskräfte auf eine schnelle Verbindung Wert. Die Umweltverträglichkeit von Geschäftsreisen spielt dagegen eine eher untergeordnete Rolle, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) in einer Studie ermittelte.

Berlin (csr-news) > Mehr als 160 Millionen Geschäftsreisen werden jedes unternommen, durch die Kosten in Höhe von rund 44 Milliarden Euro verursacht werden. Dabei legen vor allem Führungskräfte auf eine schnelle Verbindung Wert. Die Umweltverträglichkeit von Geschäftsreisen spielt dagegen eine eher untergeordnete Rolle, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) in einer Studie ermittelte.

Im Auftrag des DRV wurden 222 Geschäftsführer, Vorstände oder Mitglieder der Geschäftsführung aus Unternehmen mit mehr als 300 Mitarbeitern nach ihrem Reiseverhalten befragt. Dabei zeigte sich, eine schnelle Verbindung (38 Prozent) und die Produktivität der Mitarbeiter (32 Prozent) sind die zentralen Motive bei der Gestaltung von Geschäftsreisen. Nur in acht Prozent der Unternehmen ist die Umweltverträglichkeit der Reisen fester Bestandteil der Geschäftsreisestrategie. „In der Öffentlichkeit geben sich deutsche Unternehmen gerne umweltbewusst. Bei Geschäftsreisen sieht die Realität jedoch häufig anders aus“, sagt Stefan Vorndran, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Business Travel. Der Grund dafür liegt seiner Auffassung nach in einem falschen Verständnis von nachhaltigen Geschäftsreisen: Viele Entscheider gehen davon aus, dass umweltbewusste Dienstreisen zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden sind. Das stimmt so nicht. Denn nachhaltig zu reisen bedeutet nicht automatisch, andere Faktoren wie Kosten und Reisezeit zu vernachlässigen. Vielmehr kann umweltbewusstes Reisen diese sogar vorteilhaft beeinflussen.

Ein Bewusstsein für nachhaltige Geschäftsreisen will auch der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) schaffen und hat dafür ein Zertifikat für nachhaltig agierende Hotels (Certified Green Hotel) entwickelt sowie in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation atmosfair einen Standard erarbeitet, mit dem Unternehmen die CO2-Bilanz von Geschäftsreisen berechnen können. Seit Einführung des Hotel-Zertifikats im Herbst 2011 wurde bislang 63 Häuser mit dem Siegel ihre nachhaltige Ausrichtung bescheinigt. Weitere 28 Hotels sind angemeldet und befinden sich derzeit in der Prüfungsphase. Mit diesen Hilfestellungen soll es auch kleineren Unternehmen ermöglicht werden Nachhaltigkeitsaspekte auf Geschäftsreisen zu berücksichtigen. In der aktuellen Geschäftsreiseanalyse des VDR zeigt sich nämlich, dass vor allem kleinere Unternehmen noch sehr zögerlich mit dem Thema umgehen, während dies bei einem Drittel der Großbetriebe schon etabliert ist. Wenn auch noch auf bescheidenem Niveau, so steigt die Anzahl der Betriebe die auf nachhaltige Geschäftsreisen setzen jedoch konstant, im vergangenen Jahr waren es rund 60.000. Die größte Bedeutung hat dabei die Wahl des Verkehrsmittels. Kompensation der unvermeidbaren CO2-Emissionen spielt dagegen nur für rund acht Prozent der Unternehmen eine Rolle. Der größte Teil der Unternehmen bilanziert auch nicht die CO2-Emissionen seiner Geschäftsreisen und plant dies auch nicht. Als Hauptgründe werden der zu hohe Aufwand und die zu geringe Relevanz genannt.

Zum Thema:

Studie vom VDR und TÜV Rheinland: Nachhaltigkeit in der Geschäftsreiseorganisation

VDR-Wegweiser Nachhaltigkeit: Leitfaden für ein nachhaltiges Travel-Management

 

 

Über den Autor

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

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