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Wirtschaftsbuch: 50 Weltkonzerne im Ethik-Test

Ist es in Ordnung, wenn mein neues Handy von Samsung kommt, wenn ich meine Zahnpasta bei DM kaufe oder meinen Urlaub bei TUI buche. Der Handelsblatt-Redakteuer Frank Wiebe wollte es genau wissen und hat direkt ein Buch darüber geschrieben. „Wie fair sind Apple & Co.?“, bietet eine Einführung in die Unternehmensethik und überprüft diese bei 50 international tätigen Unternehmen.

Zürich (csr-news) > Ist es in Ordnung, wenn mein neues Handy von Samsung kommt, wenn ich meine Zahnpasta bei DM kaufe oder meinen Urlaub bei TUI buche. Der Handelsblatt-Redakteuer Frank Wiebe wollte es genau wissen und hat direkt ein Buch darüber geschrieben. „Wie fair sind Apple & Co.?“, bietet eine Einführung in die Unternehmensethik und überprüft diese bei 50 international tätigen Unternehmen.

Die Unternehmen beim Wort nehmen, ist der Ansatz von Frank Wiebe. Er hält nichts von der großen Anklage, von der pauschalen Verurteilung, ihm geht es um einen nüchternen und klaren Blick auf die Taten eines Unternehmens. Mit schönen Geschichten über die eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen, die dann der Überprüfung nicht standhalten, schaden sich die Unternehmen letztlich selber. „Es ist recht einfach, solche Beispiele zu finden“, schreibt Wiebe. Aber er hält es nicht für zielführend, deshalb alle Nachhaltigkeitsberichte pauschal als reines Marketingwerkzeug zu verteufeln. Vielmehr stellt er die Frage, was Ethik im Zusammenhang mit Unternehmen überhaupt bedeutet, wo die Grenzen liegen, möglicherweise Chancen und ob so mancher konstruierte oder reale Zusammenhang überhaupt eine ethische Dimension hat. „Passen Ethik und Markt überhaupt zusammen oder läuft nicht jeder Versuch beides zusammenzubringen auf Augenwischerei hinaus“? Für Wiebe durchaus, denn trotz aller Zwänge, denen ein Unternehmen ausgesetzt ist, bieten sich ihm immer auch Wahlmöglichkeiten. Zwar nicht immer in Form der reinen Lehre von Gut und Böse, aber zumindest in Form guter oder schlechter Entscheidungen. Es zeigt sich aber auch, das es trotz gutem Willen schwierig ist, Ethik in einem Unternehmen fest zu verankern. „Je größer das Unternehmen und je komplexer das Geschäftsmodell, umso komplizierter wird es“. Die Antworten sind bekannt: Verhaltenskodizes, Kontrolle, Transparenz und Kommunikation. Die Tücken liegen oftmals im Detail und lassen sich nicht immer so schnell und einfach lösen, wie es wünschenswert wäre. Außerdem würden nur die wenigsten Unternehmen, trotz ernsthafter Ansätze ethische Probleme aufzuspüren und zu lösen, ihr Geschäftsmodell einer ethischen Kontrolle unterziehen. Wiebe: „Jeder Konzern sollte eine Art ethische Ampel verwenden, die einzelne Segmente oder Funktionsbereiche nach der Analyse mit den Farben Rot, Gelb, oder Grün bewertet – und dann überlegen, wie man möglichst viel auf Grün umschalten kann.

Welche Farbe bei einzelnen Konzernen am hellsten leuchtet, ist Gegenstand des zweiten Teils im Buch. Fünfzig Konzerne hat Wiebe einem Ethik-Test unterzogen, das Ergebnis auf jeweils vier Seiten zusammengefasst und mit bis zu fünf Sternen bewertet. Dafür hat er vor allem offiziell zugängliche Informationen der Unternehmen, Medienberichte, Ratings, Branchenstudien und Publikationen von NGOs verwendet. Ergebnis sind zwar nur kurze Profile von Unternehmen, die aber zumindest die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen beinhalten. Die Auswahl der Unternehmen ist dagegen ein Kompromiss, wahrscheinlich dem Ziel geschuldet auch unter Konsumenten Leser zu finden. Neben den üblichen Verdächtigen gibt es nur wenige Überraschungen wie etwa ein Profil über den Uhrenhersteller Swatch. An diesem Profil zeigt sich aber gut der Ansatz von Wiebe, ethische Probleme auf unterschiedlichen Ebenen zu erkennen und zu benennen. Denn nicht jedes Unternehmen produziert in Asien, ist mit Ausbeutung und Kinderarbeit konfrontiert oder muss sich mit schweren ökologischen Folgen auseinandersetzen. Ethische Probleme beginnen manchmal auf der wirtschaftlichen Ebene und machen dort den Spagat zwischen Gewinnstreben und verantwortlichem Handeln deutlich.

„Wie fair sind Apple&Co.“ ist im Schweizer Verlag Orell Füssli erschienen. Es bietet dem Leser eine schnelle Einführung in die Unternehmensethik, zeigt dabei aber immer Verständnis für die konkreten Zwänge der Unternehmen. Der umfangreichere zweite Teil mit 50 ethischen Profilen zeigt die Vielfalt ehischer Probleme und wie man mit ihnen in den Unternehmen umgeht.

Frank Wiebe
„Wie fair sind Apple&Co.“? 50 Konzerne im Ethik-Test
Orell Füssli Verlag
ISBN 978-3-280-05475-8
21,95 Euro