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Tourismusindustrie: Menschenrechte kennen keinen Urlaub

Die schönsten Wochen des Jahres sollen möglichst unbekümmert verlaufen, ohne Gedanken an die Probleme der Welt. Für diesen Anspruch werden in den Tourismusregionen, vor allem in ärmeren Ländern, oftmals grundlegende Menschenrechte missachtet. Die Hilfsorganisation Brot für die Welt appelliert an die Reiseveranstalter, mehr Verantwortung für die Wahrung der Menschenrechte zu übernehmen. Erste Beispiele zeigen, wie es geht.

Berlin (csr-news) > Die schönsten Wochen des Jahres sollen möglichst unbekümmert verlaufen, ohne Gedanken an die Probleme der Welt. Für diesen Anspruch werden in den Tourismusregionen, vor allem in ärmeren Ländern, oftmals grundlegende Menschenrechte missachtet. Die Hilfsorganisation Brot für die Welt appelliert an die Reiseveranstalter, mehr Verantwortung für die Wahrung der Menschenrechte zu übernehmen. Erste Beispiele zeigen, wie es geht.

Dem internationalen Tourismus kommt eine wesentliche Mitverantwortung für die globale Umweltzerstörung zu. Immer mehr, immer weiter und in immer entlegenere Regionen sollen die Urlaubsreisen gehen. Dabei werden nicht nur Unmengen der schädlichen CO2-Emissionen freigesetzt, alleine durch die Flüge und die zunehmende Anzahl von Kreuzfahrtreisen, sondern auch Landschaften zerstört sowie besonders schützenswerte Regionen gefährdet. Alles nicht neu und trotzdem für die meisten Reisenden kein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des Reiseziels. Nur langsam und sehr zögerlich bahnt sich ein weiteres Problemfeld seinen Weg ins Licht der Aufmerksamkeit, die Achtung der Menschenrechte in den Urlaubsgebieten, und zwar sowohl bei den unmittelbar Beteiligten, wie den Beschäftigten in den Urlaubsressorts, aber auch bei der einheimischen Bevölkerung. „Der Tourismus kann positive Entwicklungsimpulse setzen. Besonders in armen Ländern geht er aber oftmals einher mit der Verletzung elementarer Menschenrechte“, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. Rund 250 Millionen Menschen weltweit arbeiten nach Angaben von Brot für die Welt direkt oder indirekt im Tourismus. Hinzu kommen noch wesentlich mehr vom Tourismus betroffene. „Gerade die Menschen, die nicht vom Tourismus profitieren, leiden besonders unter den Folgen“, erklärte Antje Monshausen, Tourismusexpertin bei Brot für Welt. Gemeint sind damit Vertreibungen, Wasserraub, fehlende Mitbestimmung sowie der Schutz von Kindern und Minderheiten. „Ein Hotel kann knappe Ressourcen wie beispielsweise Wasser nicht für sich allein beanspruchen und der lokalen Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgraben, das sie als Trinkwasser benötigt“, so Monshausen. „Hier sind neben den Staaten auch die Unternehmen gefordert, die Rechte der Bevölkerung zu achten“.

Wie Unternehmen mit diesem Thema umgehen können, haben der Schweizer Reisekonzern Kuoni und der deutsche Reiseveranstalter Studiosus vorgemacht. Darüber hinaus zeigen zahlreiche Veranstalter Interesse, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Im Februar hatte die Organisation TourismWatch ein Round Table zum Thema organisiert, an dem neben Vertretern von Menschenrechtsorganisationen auch zwanzig Reiseveranstalter teilgenommen haben. Ziel war es, Maßnahmen zu entwickeln, mit denen die Pflicht zur Wahrung der Menschenrechte, konkret in den Unternehmen umgesetzt werden kann. Als Referenzrahmen dienen dabei die Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen. Diese Achtungspflicht ist keine passive Verantwortung, wie der Menschenrechtsexperte Michael Windfuhr vom Deutschen Institut für Menschenrechte während der Veranstaltung erläuterte. Vielmehr würden dadurch, im Sinne einer Sorgfaltspflicht, konkrete Maßnahmen von den Unternehmen eingefordert. So wie sie vom Veranstalter Studiosus umgesetzt wurden. Studiosus hat 2011 die Menschenrechte im Unternehmensleitbild verankert. In den darauf folgenden Monaten wurden sämtliche Verträge mir Kooperationspartner und Hotels unter diesem Gesichtspunkt überprüft und um einen entsprechenden Passus erweitert. Dieser beinhaltet die Arbeitsbedingungen, den Schutz von Kindern und Mitarbeitern genauso wie ein Recht auf Nahrung und Wasser. Im vergangenen Jahr hat der Schweizer Reiseveranstalter Kuoni nachgezogen und die Menschenrechte ins Nachhaltigkeitsmanagement eingebunden. Es wurde eine entsprechende Erklärung veröffentlicht und klare Ziele formuliert. Darin gibt das Unternehmen an, nicht nur selber die Verletzung von Menschenrechten zu verhindern, sondern auch dafür zu sorgen, kein Komplize von Menschenrechtsverletzungen zu werden. Grundlage der konkreten Überlegungen war eine Studie zum Thema Menschenrechte und Tourismus die gemeinsam von den Organisationen TourismWatch, dem Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung sowie dem evangelischen Entwicklungsdienst durchgeführt wurde. Kuoni wollte aber keine zu hohen Erwartungen wecken und hat sich zunächst auf einzelne Aspekte, wie den Schutz der Kinder und die Arbeitnehmerrechte konzentriert.

Von den Erfahrungen sollen auch andere Reiseveranstalter profitieren, war deshalb ein Ziel des von TourismWatch veranstalteten Round-Table. So war für die Teilnehmer klar, dass sie dem Thema zukünftig mehr Aufmerksamkeit schenken wollen, damit aber noch am Anfang stehen. Erstes Ziel müssen deshalb Mindeststandards sein, die auf keinen Fall unterschritten werden dürfen. Möglicherweise führt dann der Weg zu TourCert, einer Zertifizierungsorganisation für verantwortliches Handeln im Tourismus. Bislang sind 64 Reiseveranstalter, 8 Reisebüros und 3 Hotels mit dem CSR-Siegel zertifiziert worden. Daran nicht unbeteiligt ist die Organisation TourismWatch, einer Unterorganisation von Brot für die Welt. Für ihr jahrelanges Engagement wurden die Macher auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin mit der „Grünen Palme“ ausgezeichnet, einem Preis, der jährlich für besonders soziales oder ökologisches Engagement im Tourismus vergeben wird. „Unsere Aufgabe ist es, den Menschen aus Entwicklungsländern eine Stimme zu verleihen, damit ihre Sorgen und Hoffnungen in den Debatten um die Risiken und Chancen des Tourismus auch gehört werden“, sagt Antje Monshausen bei der Preisverleihung und versprach: „Wir werden weiter den Finger in die Wunde legen“.

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