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Vollständige Rückverfolgbarkeit von Fisch rückt näher

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert vom Lebensmittelhandel und der Industrie eine vollständige Kennzeichnung und transparente Rückverfolgbarkeit der Fischprodukte. Ein Fischwirtschaftsverband weist auf die Bedenken. International arbeiten Handel und Industrie gemeinsam an Lösungen.

Hamburg (csr-news) – Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert vom Lebensmittelhandel und der Industrie eine vollständige Kennzeichnung und transparente Rückverfolgbarkeit der Fischprodukte. Ein Fischwirtschaftsverband weist auf die Bedenken. International arbeiten Handel und Industrie gemeinsam an Lösungen.

Anlässlich der Vorstellung eines neu aufgelegten Einkaufsratgebers für Fisch wies Greenpeace am Donnerstag darauf hin, dass noch längst nicht alle Fischprodukte ausreichend deklariert seien. Generell habe sich die Verbraucherinformation auf Fischprodukten aber leicht verbessert – etwa durch die Anwendung von QR- oder Tracking-Codes mit Informationen zur Lieferkette. „Leider stemmen sich noch immer zu viele Unternehmen und Verbände dagegen“, sagte die Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn. Zu den Gegnern einer vollständigen Kennzeichnung gehöre der Bundesmarktverband der Fischwirtschaft. Menn: „Wir wissen, dass es geht, weil es Unternehmen gibt, die es tun.“ Die Rewe Group habe eine vollständige Rückverfolgbarkeit für ihre Eigenmarken fast umgesetzt. Und auch die Metro Group habe sich klar auf eine solche vollständige Rückverfolgbarkeit festgelegt.

Wie viel Information braucht der Kunde?

Der Geschäftsführer des Bundesmarktverbandes der Fischwirtschaft, Matthias Keller, hält die Kennzeichnung von Fischprodukten dagegen nicht für unzureichend. Er verwies dazu auf die 2008 initiierte freiwillige Initiative „Genauere Fanggebietskennzeichnung für Seefische“ von Industrie und Großhandel. Anders als eine genaue Fangebietsbezeichnung sei die Nennung des Anlandehafens für die Kaufentscheidung von Verbrauchern nicht unbedingt notwendig, so Keller. Die Nennung der Fangschiffe könne zu aufwendigen Umetikettierungen führen, wenn die Fische von einem anderen als dem zunächst vorgesehenen Schiff kämen.

Große Handelskonzerne arbeiten dagegen an einer vollständigen Rückverfolgbarkeit ihrer Fischangebote. Die Metro Group hat sich in ihrer Einkaufspolitik darauf festgelegt, die Rückverfolgbarkeit von Fischprodukten zu optimieren und Verbrauchern bestmögliche Transparenz anzubieten. Dabei geht es für den Konzern auch um die Verknüpfung von Waren mit den eigenen Maßnahmen in deren Herkunftsgebiet. „Wir wollen Verbesserungen, die wir erarbeitet haben, mit den Produkten im Regal verlinken „, sagt Jürgen Matern, der Leiter Nachhaltigkeit und Regulierung bei der Metro Group.

Round Table Fish Traceability verabschiedet Fahrplan

Das erfordere globale und unternehmensübergreifende Lösungen. So engagiert sich die Metro Group im Consumer Goods Forum. Das weltweite Netzwerk von Industrie und Handel hat sich im Oktober mit der Rückverfolgbarkeit von Produkten jeder Art beschäftigt und einen Fahrplan zu deren Umsetzung verabschiedet. Der produktübergreifende Ansatz kommt dem Handel entgegen. „Die Kasse muss am Ende alles lesen können“, sagt Matern.

Ein „Round Table Fish Traceability“ widmet sich dagegen speziell der Rückverfolgbarkeit von Fischprodukten. Länder wie Norwegen, Dänemark und Holland sowie Produzenten und Handelsmarken kommen an diesem Runden Tisch zusammen. Am 1. März wurde hier ein Fahrplan für die Entwicklung eines Systems verabschiedet, das die umfassende Rückverfolgbarkeit von Fischprodukten gewährleisten soll. Der Verbraucher wird dann Informationen über Fanggebiete, Fangschiffe, Anlandehäfen und Anlandemengen, über Fangmethoden und Beifangmengen erhalten. In diesem Jahr soll ein Pilotprojekt starten.

Diese Informationen sollen in einer Cloud-basierten Anwendung zur Verfügung stehen. Als Bindeglied dahin kann der GTIN-Code (Barcode) dienen, der dazu erweitert wird. Über eine App soll der Verbraucher darauf unkompliziert zugreifen können.

Es geht um die Zukunft der Welternährung

Hinter den Forderungen nach einer Rückverfolgbarkeit der Nachhaltigkeit von Lebensmitteln steht für Jürgen Matern eine grundsätzliche Frage: „Wie ernähren wir die Welt im Jahr 2050?“ Matern weiter: „Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft brauchen wir die Ozeane für die Welternährung.“ Es müsse darum gehen, weltweit Fischbestände zu nutzen und gleichzeitig ihren Bestand zu erhalten. Dazu gelte es auch, die Meere vor Verschmutzung zu bewahren, weshalb Industrie und Schifffahrt als mögliche Verursacher von Verunreinigungen in den Dialog einzubeziehen seien

Ein aktualisierter Einkaufsratgeber für Speisefisch kann auf der Website von Greenpeace heruntergeladen werden: www.greenpeace.de

Das Portal Fischbestände online des „Runden Tisch Nachhaltige Fischerei“:
www.fischbestaende-online.de

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