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Nachteile von Minijobs für Frauen: Verschwindend geringe Resonanz auf Veranstaltungsreihe

Die Nachteile von Minijobs gerade im Hinblick auf finanzielle Unabhängigkeit und Altersvorsorge sind einer Studie zufolge für viele Frauen zweitrangig. Wie aus der Studie “Frauen im Minijob – Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebenslauf” hervorgeht, werden die fehlende Brückenfunktion von Minijobs zu einem sozialversicherungspflichtigen Job sowie die Spätfolgen im Alter “erkennbar ausgeblendet oder bestritten”. 76 Prozent der befragten Frauen sehen die schlechtere soziale Absicherung aber trotzdem “sehr kritisch”.

Berlin (afp) – Die Nachteile von Minijobs gerade im Hinblick auf finanzielle Unabhängigkeit und Altersvorsorge sind einer Studie zufolge für viele Frauen zweitrangig. Die fehlende Brückenfunktion von Minijobs sowie die Spätfolgen im Alter würden “erkennbar ausgeblendet oder bestritten”, heißt es in einer am Montag diskutierten Studie “Frauen im Minijob – Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebenslauf”.

Für Frauen, die lediglich mit einem Minijob Geld verdienten, sei dieser “(ungewollt) ein Programm zur Erzeugung lebenslanger ökonomischer Ohnmacht und Abhängigkeit”, heißt es in der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellten Studie, die bereits vor mehreren Monaten online veröffentlicht wurde. Eine Veranstaltung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) dazu sei damals auf verschwindend geringe Resonanz gestoßen, sagte eine Sprecherin.

Die Opposition kritisierte am Montag erneut die Erhöhung der Verdienstgrenze bei Minijobs von 400 auf 450 Euro. Die schwarz-gelbe Koalition habe dies “wider besseres Wissen” getan, da die Ergebnisse der Studie im Oktober 2012 schon bekannt gewesen seien, kritisierte Brigitte Pothmer von den Grünen. Yvonne Ploetz (Linke) nannte Minijobs “eine arbeits- und sozialpolitische Katastrophe für Frauen”. Mit Blick auf die Rente sei bei Minijobs “Altersarmut von Frauen programmiert”. Die SPD forderte eine “grundlegende Reform der Minijobs”.

84 Prozent der Frauen mit Minijob sind der Studie zufolge verheiratet, nur zehn Prozent ledig. Hauptargumente für die Annahme eines Minijobs sind der Studie zufolge die erhofften “guten Bedingungen”: wenig Arbeitsstunden pro Woche bei gleichzeitiger Flexibilität, mit der auch weiterhin Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen zu bewältigen sind.

Die Befreiung von Sozialabgaben und Steuern sowie die beitragsfreie Familienmitversicherung in der Krankenkasse seien “nachgeordnete Einstiegsargumente”, vor allem für verheiratete Frauen dann aber auch wesentliche Gründe für den Verbleib im Minijob. So entwickelten Minijobs “Klebeeffekte”, sodass die Mehrheit der Frauen mit einem “Minijob pur” mehrere Jahre im Minijob bleibe und dieser zur “Dauererwerbsform” werde.

Der Studie zufolge müssen Frauen oft die Erfahrung machen, dass sie trotz einer qualifizierten Berufsausbildung nicht mehr als qualifizierte Fachkraft gelten, wenn sie lange einem Minijob nachgegangen sind. Die Hürde zu einem regulären Teilzeit- oder Vollzeitjob werde erst “durch den Minijob pur errichtet beziehungsweise massiv erhöht”. Frauen, die zunächst nur die Vorteile sähen, hätten später “kaum die Möglichkeit, im Fall von Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Tod des Partners die finanzielle Existenzsicherung ihrer Familie und ihrer selbst zu erwirtschaften” sowie für ihre Alterssicherung zu sorgen.

Um Frauen im Minijob von der Bedeutung einer eigenen Alterssicherung zu gewinnen, müssten die bestehenden Regelungen daher politisch angepackt werden, folgert der Verfasser der Studie, Carsten Wippermann vom Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung. Für die Studie wurden mehr als 2000 Frauen befragt, von denen etwa die Hälfte einen Minijob ausübt und die andere Hälfte in der Vergangenheit einen ausgeübt hat.

Die Studie “Frauen im Minijob – Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebenslauf” als >> PDF zum Download im Internet
http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Frauen-im-Minijob,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf