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Der zweifelhafte Erfolg der Bio-Eier: Nachfrage für alternative Haltungsformen wächst seit Jahren

Das nahende Osterfest stellt viele Verbraucher einmal mehr vor eine Gewissensfrage. Lohnt sich der drastische Aufpreis für Bio-Eier? Im Februar kostete eine Zehnerpackung Öko-Eier mit durchschnittlich 2,87 Euro mehr als doppelt so viel wie Eier aus der Bodenhaltung. Selbst für Freilandeier müssen Kunden mit im Schnitt 1,77 Euro immerhin 40 Cent mehr hinlegen. Jüngste Berichte über Etikettenschwindel in immerhin 200 Eier-Betrieben weisen darauf hin, dass tierfreundliche Verbraucher oft gezielt übers Ohr gehauen werden. Wird das Öko-Ei zum Opfer seines eigenen Erfolgs?

Von Sebastian Huld

Berlin (afp) – Das nahende Osterfest stellt viele Verbraucher einmal mehr vor eine Gewissensfrage. Lohnt sich der drastische Aufpreis für Bio-Eier? Im Februar kostete eine Zehnerpackung Öko-Eier mit durchschnittlich 2,87 Euro mehr als doppelt so viel wie Eier aus der Bodenhaltung. Selbst für Freilandeier müssen Kunden mit im Schnitt 1,77 Euro immerhin 40 Cent mehr hinlegen. Jüngste Berichte über Etikettenschwindel in immerhin 200 Eier-Betrieben weisen darauf hin, dass tierfreundliche Verbraucher oft gezielt übers Ohr gehauen werden. Wird das Öko-Ei zum Opfer seines eigenen Erfolgs?

Die Zahl der Öko-Eier-Betriebe hat sich in Deutschland allein zwischen den Jahren 2007 und 2011 auf über 2900 verdoppelt. Immerhin 8,2 Prozent der Legehennen in deutschen Großbetrieben lebten im vergangenen Jahr in ökologischer Haltung, auch dies eine Verdopplung binnen fünf Jahren. Weitere 15 Prozent leben inzwischen in Freilandhaltung.

„Den Verbrauchern liegt in zunehmendem Maß am Tierwohl“, erklärt eine Sprecherin des Bunds für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) diesen Wandel. So hat kein Tierprodukt in Deutschland einen höheren Bio-Anteil als das Ei. Auch der Anteil der Hennen, die ihre Arbeit noch immer in Käfigen verrichten müssen, ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland von 85 auf 13 Prozent gefallen.

Doch die offiziellen Zahlen sagen nichts aus über den Anteil der schwarzen Schafe in der Eier-Branche. Allein die wenigen dokumentierten Betrugsfälle sind schockierend. Wiederholt filmte die Tierschutz-Organisation Peta in großen Lege-Betrieben Hennen, die ihr Dasein zwischen Blut, Tod und Eiter fristeten, obwohl deren Betreiber angeblich Eier aus Bio- oder Freilandhaltung feilboten.

„Der Betrug ist attraktiv, weil die Wahrscheinlichkeit aufzufliegen gering ist“, klagt der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Eierhöfe, die für sich mit dem Bio-Siegel werben wollen, müssen sich nach der EU-Öko-Verordnung mindestens einmal jährlich kontrollieren lassen, und zwar durch die Veterinäre der Landkreise sowie zusätzlich durch private Kontrollstellen. Bei Freilandhaltung reicht der Tierarzt vom Amt.

Nach Angaben des BÖLW finden 20 Prozent der Öko-Kontrollen unangekündigt statt, und zwar bei jenen Höfen, die wegen bestimmter Kriterien als besonders riskant eingestuft werden. In den vergangenen Wochen wurden aber vermehrt Zweifel an diesem System laut. Nach Einschätzung der Verbraucherorganisation Foodwatch finden zu viele dieser Kontrollen nur auf dem Papier statt.

Werden Höfe doch einmal abgestraft, erfahren die Verbraucher darüber nur wenig und schon gar nicht, um wen es sich bei den Missetätern handelt. Tier- und Verbraucherschützer fordern deshalb schon seit Jahren eine andere Informationspolitik, und zwar für konventionelle Höfe und Öko-Betriebe gleichermaßen. „Bio ist genauso intransparent“, sagt Wolfschmidt.

Ob die jüngsten Skandale das Vertrauen der Verbraucher erschüttert haben, ist unklar. „Bislang haben wir dafür keine Anzeichen, die Quartalszahlen müssen aber abgewartet werden“, erklärte der BÖLW. Möglich wurde der Erfolg der tierfreundlicheren Haltungsformen auch durch den Herkunftsstempel, der auf jedem Ei die Produktionsumstände festhält. Hier lässt sich auch die Länderherkunft feststellen, schließlich kam im Jahr 2011 gut jedes dritte in Deutschland verkaufte Ei aus dem Ausland.

Doch 40 Prozent der in Deutschland verbrauchten Eier stecken in verarbeiteten Produkten wie Nudeln, Mayonnaise oder Fertigessen. Zum Verdruss von Tier- und Verbraucherschützern gilt hier bislang keine Kennzeichnungspflicht, auch wenn der Bundestag sich auf Beschluss des Bundesrats nun mit der Einführung einer solchen befassen muss. Die Kennzeichnungsfreiheit gilt im Übrigen auch für fertigbemalte Ostereier. Nach Einschätzung des Foodwatch-Experten Wolfschmidt ist der „Anteil an Käfigeiern hier besonders hoch“.

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