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„Ein Ziel, das begeistert“: 300 Jahre Nachhaltigkeitsbegriff

„Wer nachhaltig handelt, schafft die Grundlage für Fortschritt.“ Wirtschaft und Nachhaltigkeit passten dann zusammen, wenn Wachstum neu als ein qualitatives und gutes Wachstum definiert werde, sagte Bundesminister Ronald Pofalla (CDU). Der Chef des Bundeskanzleramtes sprach am Montag in Berlin auf der Veranstaltung „300 Jahre Nachhaltigkeit ‚made in Germany'“. Anlass war das 1713 von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz veröffentlichte Buch „Sylvicultura oeconomica“, das den Begriff der Nachhaltigkeit prägte.

Berlin (csr-news) – „Wer nachhaltig handelt, schafft die Grundlage für Fortschritt.“ Wirtschaft und Nachhaltigkeit passten dann zusammen, wenn Wachstum neu als ein qualitatives und gutes Wachstum definiert werde, sagte Bundesminister Ronald Pofalla (CDU). Der Chef des Bundeskanzleramtes sprach am Montag in Berlin auf der von ihm initiierten Veranstaltung „300 Jahre Nachhaltigkeit ‚made in Germany'“. Anlass war das 1713 von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz veröffentlichte Buch „Sylvicultura oeconomica“, das den Begriff der Nachhaltigkeit prägte.

„Keine großen Utopien, sondern handfeste wirtschaftliche Interessen“ hätten schon damals den Hintergrund der Nachhaltigkeitsdiskussion gebildet, so Pofalla. Der Holzbedarf der Hochöfen habe im 18. Jahrhundert ganze Wälder verschlungen. Es folgte eine Zeit der Industrialisierung mit rauchenden Schloten, Raubbau an der Natur und Ausbeutung der Arbeiter. Heute hätten sich alle gesellschaftlichen Gruppen des Themas angenommen und der Nachhaltigkeitsbegriff finde sich „sprichwörtlich an jeder Ecke“, sagte der Bundesminister. Als aktuelle Herausforderungen nannte er die Staatsverschuldung und den demografiebedingten Fachkräftemangel. Kernelemente der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung seien das Wohlergehen zukünftiger Generationen, das Miteinander von Ökonomie, Ökologie und Sozialem und „nicht nur an uns, sondern an Menschen weltweit“ zu denken.

Eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung brauche demokratische Prozesse. Pofalla: „Partizipation und Beteiligung und Demokratie sind schwer und manchmal auch beschwerlich, aber sie sind am Ende deshalb erfolgreich, weil Sie die Masse der Menschen nur mitnehmen können, wenn Sie sie überzeugen.“ Im Bundestag brauche der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung mehr Einfluss. Zu Anfang der nächsten Legislaturperiode werde er sich deshalb dafür einsetzen, diesen Beirat auf die Ebene eines Ausschusses zu heben, damit er etwa Anträge zur Tagesordnung stellen könne.

Auch nach Auffassung von Henkel-Vorstandsmitglied Kathrin Menges ist Innovationsfähigkeit ein wichtiges Element der Nachhaltigkeit. Es gelte, im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. „Das wird ganz viel Unternehmergeist fordern, ganz viele neue Ideen“, sagte Menges während einer Diskussionsrunde. Zur Verantwortung eines Konzerns gehöre es, Konsumenten in Bezug auf die nachhaltige Anwendung von Produkten zu beeinflussen, etwa im Blick auf einen angemessenen Einsatz von Waschmitteln. Bei der Produktanwendung „merken wir, dass es unendliche Möglichkeiten gibt, die Nachhaltigkeit zu verbessern“, so Menges. Zudem verwies das Henkel-Vorstandsmitglied auf die weltweite Unternehmensverantwortung: „Wenn wir Vorreiter sein wollen, dann müssen wir auch mit unseren Standards in den Ländern operieren, die das noch nicht verlangen.“

Für den Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, Michael Vassiliadis, gehört zur globalen Unternehmensverantwortung, „dass man Demokratie uneingeschränkt ernst nimmt, nicht nur bei uns, sondern weltweit“. Eine Weiterentwicklung der CSR seien Sozialpartnerschaften, in denen Unternehmen und Gewerkschaften gemeinsam Verantwortung übernähmen, denn hier käme über das Berichtswesen hinaus die strategische Dimension zum Tragen. Vassiliadis weiter: „Das Thema Nachhaltigkeit ist auf der Agenda und es ist ein Ziel, das fasziniert“ – vom Management bis in die Schulen.

Die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme, sagte, Carl von Carlowitz habe mit der Idee des Maßhaltens einen zutiefst christlichen Aspekt betont. „Das betrifft nicht nur das private Handeln, sondern auch das Regierungshandeln“, so Thieme. Heute gehe es dabei um Themen wie Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Die Ratsvorsitzende erinnerte an einen Gedanken ihres Amtsvorgängers Volker Hauff: Nachhaltigkeit sei nicht das Paradies oder die Verheißung des Paradieses, sondern „der Blickwinkel, unter dem wir Konflikte lösen.“

Foto (von links): Michael Vassiliadis, Marlehn Thieme, Ronald Pofalla und Kathrin Menges

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