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BRICS-Staaten vertagen Gründung von Entwicklungsbank auf später

Durban (afp) – Zum Abschluss des BRICS-Gipfeltreffens im südafrikanischen Durban haben die fünf aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika die von manchen erwartete Gründung einer gemeinsamen Entwicklungsbank auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Südafrikas gastgebender Präsident Jacob Zuma sagte, es gebe den Beschluss, „offizielle Verhandlungen“ zur Gründung einer neuen Entwicklungsbank unter Führung der BRICS-Staaten zu führen.

Die neue Entwicklungsbank der BRICS-Länder soll nach bisherigen Plänen vor allem Infrastrukturprojekte finanzieren. Umstritten sind unter anderem noch ihre Größe, die Kriterien für die Vergabe von Geldern und der Sitz des Instituts. Mit der eigenen Entwicklungsbank wird ein Konkurrent zu westlichen Banken sowie zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds (IWF) geschaffen. Die Weltbank erklärte am Dienstag, sie sei bereit, eng mit der neuen Bank zusammenzuarbeiten, „um der Armut ein Ende zu setzen“ und vorhandene „Expertise zu teilen“.

Die BRICS-Staaten benötigen nach Zumas Angaben in den kommenden fünf Jahren 4,5 Billionen Dollar (35,2 Billionen Euro) für Infrastrukturprojekte sowie für die künftige Zusammenarbeit mit anderen aufstrebenden Märkten und Entwicklungsländern. Die weitere Diskussion über die eigene Entwicklungsbank werde im September am Rande des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) in St. Petersburg stattfinden, fügte der südafrikanische Staatschef hinzu.

Die neue Entwicklungsbank sollte ursprünglich mit einem Startkapital von 50 Milliarden Dollar ausgestattet werden, das heißt zehn Milliarden Dollar je Land. Das entspricht etwa 2,5 Prozent von Südafrikas Bruttosozialprodukt, und viele Südafrikaner fragten sich, wie diese Summe zusammenkommen soll. Schließlich erwies sich Russland, das zwei Milliarden Dollar pro Land vorschlug, als Bremser.

Zuma erwähnte eine auf dem Gipfeltreffen in Durban erzielte Einigung über den Bau eines 28.400 Kilometer langen Glasfaserkabels, das schnelle Internetverbindungen zwischen den fünf BRICS-Staaten schaffen und die Abhängigkeit von den entwickelten Industriestaaten verringern soll. Der Präsident hatte den Gipfel zuvor als Möglichkeit bezeichnet, die Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit in seinem Land anzugehen. Die BRICS-Staaten umfassen 40 Prozent der Weltbevölkerung und erwirtschaften zusammen ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP).

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