Nachrichten

Zugfahren wird grüner: Deutsche Bahn stellt Fernverkehr zum Großteil auf Ökostrom um

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn wird umweltfreundlicher: Ab Montag betreibt der Konzern nach eigenen Angaben mindestens 75 Prozent aller Fahrten im deutschen Fernverkehr mit Ökostrom. Im Jahr 2050 will die Deutsche Bahn sämtliche Zugfahrten CO2-frei bestreiten – also mit Strom, der ohne den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid produziert wurde.

Von Ulrike Tschirner

Berlin (afp) – Der Fernverkehr der Deutschen Bahn wird umweltfreundlicher: Ab Montag betreibt der Konzern nach eigenen Angaben mindestens 75 Prozent aller Fahrten im deutschen Fernverkehr mit Ökostrom. Im Jahr 2050 will die Deutsche Bahn sämtliche Zugfahrten CO2-frei bestreiten – also mit Strom, der ohne den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid produziert wurde.

Welche Kunden reisen mit Ökostrom?

Im Prinzip können alle Reisende in ICE-, Intercity- und Eurocity-Zügen das Angebot nutzen. Automatisch und ohne Aufpreis tun dies die fünf Millionen Besitzer einer BahnCard oder einer Zeitkarte. Auch Geschäftsreisende, die im bahn.corporate-Programm registriert sind, reisen ab Monatswechsel CO2-frei. Gegen einen Aufpreis von einem Euro pro Person und Strecke können auch Kunden ohne BahnCard im Fernverkehr mit Ökostrom unterwegs sein. Komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien bewältigt die Bahn bisher bereits den Nahverkehr auf der Schiene im Saarland und Fahrten mit der S-Bahn in Hamburg.

Wird die BahnCard dadurch jetzt teurer?

Nein. Die Bahn übernimmt nach eigenen Angaben sämtliche Kosten, die durch den Einkauf von Ökostrom entstehen. Wer ab 1. April eine BahnCard kauft, bekommt dann eine mit einem grünen statt mit einem roten Streifen. Bestandskunden erhalten aus Umweltschutzgründen aber nicht zum Stichtag eine „grüne“ BahnCard, sondern erst, wenn ein neuer Geltungszeitraum beginnt.

Wie funktioniert die Versorgung des Fernverkehrs mit Ökostrom?

Im Grunde läuft es so ab: Die Bahn kalkuliert, wie viel Strom sie benötigt, um die Inhaber einer BahnCard, einer Monats- oder Jahreskarte im Fernverkehr zu transportieren. Dann kauft sie die benötigte Strommenge aus regenerativen Energiequellen ein und speist diese in das Stromnetz des Konzerns ein. Der Ökostrom ersetzt den herkömmlichen Strommix in gleichem Umfang. Ob die Kalkulationen der Bahn ihre Richtigkeit haben, soll eine unabhängige Prüforganisation wie der TÜV prüfen.

Woher stammt die Energie?

Den zusätzlichen Bedarf an Ökostrom deckt die Bahn vor allem mit Wasserkraft, aber auch mit Windenergie. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren dazu bereits Lieferverträge mit den Energieversorgern RWE und Eon geschlossen. Zudem hat die Deutsche Bahn drei Windparks in Brandenburg und Niedersachsen unter Vertrag, die grünen Strom liefern.

Wie sieht der Energiemix der Bahn derzeit aus?

Ihr derzeitiger Strommix setzt sich zu 46 Prozent aus Energie aus Braun- und Steinkohle und zu 20 Prozent aus Kernkraft zusammen. Erdgas macht einen Anteil von acht Prozent aus. Aus erneuerbaren Energiequellen bezieht der Konzern 24 Prozent seines Stroms. Dieser Anteil soll bis spätestens 2020 auf mindestens 35 Prozent steigen, unter anderem mit der „Vergrünung“ des Fernverkehrs, wie es die Bahn nennt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar