Nachrichten

CSR – Made in Vietnam

“Tote bei Bränden in Textilfabriken.“ Ende letzten Jahres schockierten die Nachrichten über tragische Unfälle in Bangladesch und Pakistan die Öffentlichkeit. In Fabriken lokaler Zulieferer von internationalen Großunternehmen war es auf Grund von fehlenden Brandschutzvorrichtungen und versperrten Notausgängen zu verheerenden Bränden gekommen. Hieraus ergibt sich die Frage, inwieweit Unternehmen sich für ihre gesamte Lieferkette verantwortlich fühlen. Auch für Vietnam, wo sich in den letzten Jahrzehnten viele Zulieferer internationaler Unternehmen etabliert haben – unter anderem in der Textilbranche.

Hanoi (csr-news) – “Tote bei Bränden in Textilfabriken.“ Ende letzten Jahres schockierten die Nachrichten über tragische Unfälle in Bangladesch und Pakistan die Öffentlichkeit. In Fabriken lokaler Zulieferer von internationalen Großunternehmen war es auf Grund von fehlenden Brandschutzvorrichtungen und versperrten Notausgängen zu verheerenden Bränden gekommen. Hieraus ergibt sich die Frage, inwieweit Unternehmen sich für ihre gesamte Lieferkette verantwortlich fühlen. Auch für Vietnam, wo sich in den letzten Jahrzehnten viele Zulieferer internationaler Unternehmen etabliert haben – unter anderem in der Textilbranche.

Von Jana Ackermann (www.bdg-vietnam.com)

Seit den 1980er Jahren hat sich Vietnam mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 5.3 % p.a. zu einem attraktiven Schwellenland entwickelt. Ein Bruttoinlandsprodukt von durchschnittlich ca. 1500 USD pro Kopf ist zwar immer noch vergleichsweise gering, liegt aber deutlich vor einigen südostasiatischen Nachbarn wie Bangladesch oder Kambodscha. Im Zuge dieses wirtschaftlichen Aufschwungs haben auch viele internationale Unternehmen Vietnam als Markt entdeckt. Mit ihnen sollten nicht nur Investitionen und Wachstumschancen, sondern auch internationale Standards ins Land kommen. Doch wie verhalten sich die so genannten ‚Global Players‘ in Vietnam?

Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Fragen fallen zunächst die vielfältigen Corporate Social Responsibility (CSR)-Programme ins Auge, die internationale Unternehmen speziell für Vietnam etabliert haben. Darunter Unilever, Metro Cash & Carry, und Mercedes, um nur einige zu nennen. Auf keiner Internetseite fehlt hier das Bekenntnis zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Insbesondere die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, die Unterstützung von Bildungsangeboten und Kooperationen mit ländlichen Gemeinden stehen dabei im Fokus der Aktivitäten. So werden fleißig Lebensmittel in ländlichen Gebieten verteilt, Schulen gefördert oder Spendenläufe absolviert.

Neben sozialer Verantwortung sind es aber auch erhoffte Imagegewinne und internationaler Druck, die den Privatsektor zu gesellschaftlichem Engagement antreiben. „Die vietnamesische Regierung unterstützt CSR-Maßnahmen durch vereinzelte Steuererleichterungen, aber nicht im großen Stil. Vielmehr sind es die globalen Kunden, die von Unternehmen verstärktes Engagement in Entwicklungs-, und Schwellenländern erwarten“, so Dominik Schreiber, der in Vietnam eine Behindertenwerkstatt bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt.

Allerdings hat sich Vietnam insgesamt auch in sozialen Fragen weiterentwickelt. So hat die Regierung in den letzten Jahren vor allem das Thema der Kranken-, und Sozialversicherung auf die Agenda gesetzt. Auch allgemein verbesserte Bildungschancen, der Abbau von Kinderarbeit und der Vormarsch von gewerkschaftlichen Vereinigungen sind als Errungenschaften zu verzeichnen. Dass internationale Unternehmen diese Entwicklungen unterstützen, ist ehrenvoll und entspricht wohl am ehesten einer philanthropischen Grundidee von CSR.

Trotz des Engagements bleibt ein Zweifel, inwieweit Unternehmen sich tatsächlich und nachhaltig um die Standards und Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer kümmern. So beklagte ein Bericht von Oxfam erst kürzlich die lokalen Arbeitsbedingungen in Fabriken eines der ‚Global Players‘. Insgesamt hat sich das Etikett „Made in Vietnam“ eben noch nicht als wasserdichtes Qualitätssiegel etabliert. Auch wenn es sicherlich Unterschiede zwischen China, Bangladesch oder Vietnam gibt, so bleiben Zweifel. In der Wahrnehmung vieler Konsumenten werden die Länder ohnehin oft großzügig durchmischt.

Um das klarzustellen: Die derzeitigen CSR-Programme in Vietnam leisten sicherlich einen wertvollen Beitrag zu einem allgemein verbesserten Verständnis von sozialer Verantwortung. Nur sollten die primär nach außen gerichteten CSR-Maßnahmen mit einem nach innen gerichteten Blick ergänzt werden. Anstatt ihre gesellschaftlichen Initiativen öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen, sollten Unternehmen vor allem gewährleisten, dass ihre gesamten Lieferketten nach angemessenen Standards funktionieren. Das wäre sicherlich der größte Wertbeitrag zu sozialer Gerechtigkeit. Nur so kann sich CSR als ganzheitliches Konzept etablieren. Nur so kann sich Vietnam gesellschaftlich weiter entwickeln. Und nur so verliert das Siegel „Made in Vietnam“ den komischen Beigeschmack, das ihm manchmal noch beiwohnt.