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Ordnung im neuen Fernbus-Chaos: Karlsruher Studenten entwickeln Webportal

Die Busbranche ist in Bewegung. Seitdem seit Jahresbeginn der Markt für Fernbusse in Deutschland offen ist, wagen sich immer neue Anbieter mit neuen Strecken auf die Straßen. Jetzt kommen mit dem deutschen Ableger des britischen National Express und dem Discounter Aldi weitere namhafte Anbieter hinzu. Drei Karlsruher Studenten haben das Unheil früh kommen sehen und bringen Ordnung in das Fernbus-Chaos.

Von Caroline Uhl

Frankfurt/Main (afp) – Die Busbranche ist in Bewegung. Seitdem seit Jahresbeginn der Markt für Fernbusse in Deutschland offen ist, wagen sich immer neue Anbieter mit neuen Strecken auf die Straßen. Jetzt kommen mit dem deutschen Ableger des britischen National Express und dem Discounter Aldi weitere namhafte Anbieter hinzu. Den Kunden kann die große Auswahl recht sein: Die Preise sind niedrig, das Streckennetz wächst. Nur übersichtlich ist das nicht. Drei Karlsruher Studenten haben das Unheil früh kommen sehen und bringen Ordnung in das Fernbus-Chaos.

Wenig verbraucherfreundlich war die Sache mit den Fernbussen schon früher. Zwei Mal hatte Martin Rammensee diese Erfahrung bereits gemacht. Im Jahr 2011 habe er eine Seminararbeit über den Fernbusmarkt geschrieben „und festgestellt, dass das total unübersichtlich ist“, erzählt der Student des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Ein anderes Mal sei er mit einem großen Linienbus-Anbieter nach Rumänien gefahren: „Nach der Reise merkte ich: Es hätte ja billigere Anbieter gegeben. Aber das hatte ich vorher nicht gewusst.“ Dabei war damals am Fernbusmarkt noch gar nicht so viel los.

Bis Ende 2012 galt in der Bundesrepublik nämlich das „Verbot der Doppelbedienung“ aus dem Jahr 1934: Genehmigungen für Fernbuslinien in Deutschland gab es nur, wenn Unternehmen nachweisen konnten, dass ihr Angebot die Verkehrsverhältnisse verbesserte und keine Konkurrenz zur Bahn darstellte. Die Regelung fiel zum Jahreswechsel. Seitdem boomt der deutsche Fernbusverkehr.

Die Zahl der Städteverbindungen wuchs binnen weniger Monate um die Hälfte auf zuletzt 65 bestehende oder geplante Strecken an, wie aus einer Studie des Berliner IGES-Instituts hervorgeht. Flughafenanbindungen und Touristentouren sind da gar nicht mitgerechnet. Gut 40 Anbieter seien am innerdeutschen Markt aktiv, fanden die Marktforscher heraus.

Mit dem britischen Schwergewicht National Express und seinem „city2city“-Angebot kommt am Dienstag ein neuer Großanbieter hinzu. Zudem startet der Discounter Aldi am Donnerstag den Ticketverkauf für ein bundesweites Netz von Fernbuslinien. Die Linien werden von einem Bonner Busreiseveranstalter bedient, Start ist am 19. April.

„Ganz viele drängen auf den Markt – kleinere, größere, deutsche, ausländische Unternehmen“, berichtet die Fernverkehrsexpertin des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Heidi Tischmann. „Man kann gar nicht den Überblick behalten.“

Martin Rammensee und zwei seiner Kommilitonen versuchen genau das. Schon vor dem Start des freien Fernbusmarktes schufen die drei ihre Internetseite busliniensuche.de. Über sie können die Nutzer nun per Suchoption herausfinden, welche Anbieter auf der gewünschten Strecke zu welchem Preis fahren. Hinzu kommen Infos zum Komfort im Bus: Bei welchem Unternehmen gibt es unterwegs W-Lan, und wo sind die Sitzabstände besonders groß? Bei wem ist Fahrradtransport möglich und wer verlangt für große Koffer keine Extragebühr?

Das Webportal für den Fernbusvergleich ist derzeit das einzige seiner Art in Deutschland. „Wir sehen, dass wir damit bei den Leuten einen Nerv getroffen haben“, sagt Rammensee. Angefangen habe das Portal Anfang des Jahres mit 100 Besuchern am Tag. Mittlerweile komme die Seite auf bis zu 4500 Nutzer täglich. Ausreichend Geld verdienen die drei mit ihrer Seite jedoch noch nicht. „Perspektivisch“ aber solle sich das ändern.

Perspektivisch wird sich wohl auch der unstete Fernbusmarkt beruhigen, wie VCD-Expertin Tischmann vermutet. „Es werden nicht alle Unternehmen am Markt bleiben“, prognostiziert sie. „Und die Preise werden steigen.“ Die aktuell zum Teil sehr niedrigen Tarife könne kein Unternehmen auf Dauer durchhalten. Spätestens dann werde der Preisvergleich wichtig. „Da sollte man dann aber auch die Bahn mit einbeziehen“, rät Tischmann. Denn wer dort ein Sparangebot erhasche, komme unter Umständen per Bahn doch günstiger weg als im Bus.

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