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Steuerfreiheit unter Palmen: Deutsche Bank für über 300 Firmen in Steueroasen in der Kritik

Die Deutsche Bank steht im Verdacht, mehr als 300 Firmen und Stiftungen in Steueroasen gegründet zu haben, insbesondere auf den Britischen Jungferninseln. Das geht aus Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR hervor. Die Bank werbe auf ihrer Website dboffshore.com offensiv für ihre Offshore-Dienste und die Steueroase Mauritius, die „eine steuer-neutrale Umgebung“ böte. Ein Sprecher der Bank wies die Vorwürfe zurück.

Frankfurt am Main (afp/csr-news) – Die Deutsche Bank steht im Verdacht, mehr als 300 Firmen und Stiftungen in Steueroasen gegründet zu haben, insbesondere auf den Britischen Jungferninseln. Das geht aus Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR hervor. Die Bank werbe auf ihrer Website dboffshore.com offensiv für ihre Offshore-Dienste und die Steueroase Mauritius, die „eine steuer-neutrale Umgebung“ böte, so die Süddeutsche Zeitung. Ein Sprecher des Finanzinstituts wies gegenüber dem Blatt die Vorwürfe zurück: „Die Deutsche Bank hat umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass die Produkte und Dienstleistungen der Bank zu Zwecken der Geldwäsche missbraucht werden können“.

Der Hintergrund: Dem internationalen Journalistennetzwerk ICIJ waren Daten zugespielt worden, die auf 120.000 Briefkastenfirmen in mehr als 170 Ländern verweisen. Die „Süddeutsche Zeitung“, der NDR sowie die Zeitungen „Le Monde“, „Washington Post“ und der „Guardian“ berichteten daraufhin am Donnerstag, wie Wohlhabende und Unternehmen ihr Geld an den undurchsichtigen Finanzplätzen verstecken.

Datenleck enthüllt Geschäfte in Steueroasen weltweit
Von Fabian Erik Schlüter

Ein gigantisches Datenleck hat Einblicke in die geheimen Geschäfte in Steueroasen weltweit ermöglicht.

WAS SIND STEUEROASEN?

Steueroasen sind Länder, in denen keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkünfte und Vermögen erhoben werden. Um Steuern zu sparen, legen Vermögende oder Unternehmen daher ihr Geld in solchen Ländern an oder lassen ihre Geschäfte über dort eröffnete Briefkastenfirmen laufen. Steueroasen haben meist ein sehr striktes Bankgeheimnis, das Kunden vor dem Fiskus ihrer Heimatländer schützt. Die Steuerparadiese kooperieren in der Regel nicht bei Anfragen zu Steuerflüchtlingen oder Steuerhinterziehung.

WO LIEGEN DIE STEUERPARADIESE?

Bekannt als Steueroasen sind viele Karibik-Inseln wie die Bermuda-Inseln und die Bahamas. Das am Donnerstag bekanntgewordene Datenleck betrifft mit den Kaiman-Inseln sowie den Britischen Jungferninseln ebenfalls die Karibik, außerdem die Cook-Inseln und Samoa im südlichen Pazifik, Hongkong, Singapur, Mauritius im Indischen Ozean, die Insel Labuan vor Malaysia und die Seychellen.

Als Steueroasen standen in Europa zeitweise auch Luxemburg oder die Schweiz am Pranger. Auf internationalen Druck hin gab es dort Verbesserungen. Auch Zypern galt lange als Steueroase, die mit niedrigen Steuern und günstigen Zinsen Kapital anlockte. Im Zuge der Rettung der Mittelmeerinsel vor dem Staatsbankrott mit Milliardenkrediten soll damit aber Schluss sein.

WIEVIEL GELD LAGERT IN STEUEROASEN?

Die Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network (Netzwerk Steuergerechtigkeit) schätzte vergangenes Jahr, dass vermögende Privatpersonen weltweit in Steueroasen zwischen 21 und 32 Billionen Dollar (zwischen 16 und 25 Billionen Euro) horten. Dem Fiskus gehen laut der Organisation dadurch jedes Jahr Steuereinnahmen in Höhe von rund 250 Milliarden Dollar (195 Milliarden Euro) verloren. Die EU-Kommission beziffert den Verlust durch „Steuerhinterziehung und Steuerumgehung“ in der EU – unter anderem durch Steueroasen – auf eine Billion Euro im Jahr.

WIE WERDEN STEUEROASEN BEKÄMPFT?

Die EU und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) versuchen seit Jahren, Steueroasen trockenzulegen. So veröffentlichte die OECD in den vergangenen Jahren eine Schwarze Liste, in denen Länder offen als Steuerparadiese angeprangert wurden, die sich nicht an internationale Standards hielten. Die Liste wird nicht mehr weitergeführt, an ihre Stelle sind Berichte zu einzelnen Ländern getreten.

Die EU-Kommission rief im Dezember zu einem verstärkten Kampf gegen Steueroasen auf und forderte von den Mitgliedstaaten, nach gemeinsamen Kriterien Steueroasen auszumachen und diese auf Schwarze Listen zu setzen. Besonders energisch gehen die USA gegen Steuerflüchtlinge vor: Auf Grundlage eines Gesetzes zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung im Ausland (FATCA) wurde bereits die Schweiz zu einem Abkommen gedrängt, wonach die Banken des Landes die USA über Konten von US-Bürgern informieren müssen.

Zwischen Deutschland und der Schweiz sorgt das Thema Steuerflucht seit langem für heftigen Streit. Ein von der schwarz-gelben Bundesregierung mit dem Nachbarland ausgehandeltes Steuerabkommen, das eine pauschale Nachversteuerung von illegal über die Grenze transferiertem Vermögen vorsah, scheiterte im Bundesrat am Widerstand der Opposition, die in dieser Regelung zu viele Schlupflöcher für Steuersünder sah.

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