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Greenpeace fordert Pestizid-Verbote für besseren Bienenschutz

Im Streit um einen besseren Schutz für Bienen hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace erneut ein Verbot mehrerer Pestizide gefordert. Konkret gehe es um sieben Pflanzenschutzmittel, darunter drei sogenannte Neonicotinoide. Der Industrieverband Agrar warf Greenpeace vor, unwissenschaftlich vorzugehen und Forschungsergebnisse zu verfälschen, um Pestizide pauschal zu verdammen.

Hamburg (afp) – Im Streit um einen besseren Schutz für Bienen hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace erneut ein Verbot mehrerer Pestizide gefordert. Konkret gehe es um sieben Pflanzenschutzmittel, darunter drei sogenannte Neonicotinoide, teilte Greenpeace am Dienstag in Hamburg unter Berufung auf eine eigene Studie mit. Neonicotinoide stehen seit längerem als eine mutmaßliche Ursache für den Tod zahlreicher Bienenvölker in der Kritik.

„Die Ergebnisse unserer Studie sind eindeutig und dürfen von der Politik nicht länger ignoriert werden“, erklärte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. „Die Interessen der Chemieindustrie dürfen nicht länger Vorrang vor dem Schutz von Bienen und der Landwirtschaft haben.“ Bienen seien enorm wichtig für die Bestäubung von Nutzpflanzen, es drohten große Produktivitätsrückgänge.

Nach Greenpeace-Angaben starb in den vergangenen Wintern europaweit jeweils durchschnittlich ein Fünftel aller Bienenvölker, in Deutschland teilweise ein Drittel. Umweltschützern zufolge sind Pestizide eine Ursache. Sie schädigten Bienen, etwa indem sie zu Missbildungen führten oder den Orientierungssinn der Tiere störten.

Neonicotinoid-Hersteller wie Bayer CropScience und Syngenta verweisen dagegen vor allem auf allgemein schlechte Umweltbedingungen sowie natürliche Krankheitserreger als Ursachen für den schlechten Bienen-Zustand. Der Industrieverband Agrar – die Branchenvereinigung der agrochemischen Industrie in Deutschland – warf Greenpeace am Dienstag vor, unwissenschaftlich vorzugehen und Forschungsergebnisse zu verfälschen, um Pestizide pauschal zu verdammen.

Für die Studie seien „selektiv“ einzelne Labor-Untersuchungen herausgegriffen worden, ohne viel aussagekräftigere Daten beispielsweise aus dem zehnjährigen Forschungsprogramm „Deutsches Bienenmonitoring“ zu berücksichtigen. „Führende Bienenwissenschaftler“ hätten darin Varroa-Milben als Hauptursache gestiegener Bienenverluste identifiziert. Die von Greenpeace zitierte Studie zu den Orientierungsproblemen sei dagegen ein realitätsfernes „Experiment“, in dem Bienen Pestizid-Belastungen ausgesetzt worden seien, die es so im Freiland gar nicht gebe, erklärte der Verband.

Auch die EU-Kommission stuft Neonicotinoide zumindest als riskant ein. Sie hatte sich vor kurzem für ein befristetes Anwendungsverbot von drei bestimmten Neonicotinoiden bei für Bienen beliebten Nutzpflanzen wie Mais und Sonnenblumen ausgesprochen, um die Auswirkungen zu überprüfen. Die EU-Mitgliedstaaten hatten dies zunächst verhindert. Auch Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung der Stimme. Hierzulande gelten allerdings bereits Regeln, die den Einsatz der umstrittenen Pflanzenschutzmittel einschränken.

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