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Schmalenbach-Tagung: Rechnet sich nachhaltiges Wirtschaften?

Bringt die Gestaltung von CSR als Business Case die Nachhaltigkeit in Unternehmen voran? Oder braucht es dafür vornehmlich deren Verankerung in der Unternehmenskultur? Das Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte und der Lüneburger Professor Stefan Schaltegger vertraten dazu auf der Schmalenbach-Tagung unterschiedliche Auffassungen.

Köln (csr-news) – Bringt die Gestaltung von CSR als Business Case die Nachhaltigkeit in Unternehmen voran? Oder braucht es dafür vornehmlich deren Verankerung in der Unternehmenskultur? Das Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte und der Lüneburger Professor Stefan Schaltegger vertraten dazu auf der Schmalenbach-Tagung am Donnerstag in Köln unterschiedliche Auffassungen. Die Tagung stand unter dem Thema „Rechnet sich nachhaltiges Wirtschaften?“

„Wenn soziales und ökologisches Verhalten nicht ökonomisch ist, dann ist es nicht nachhaltig“, sagte Stefan Schaltegger, der an der Leuphana Universität Lüneburg Nachhaltigkeitsmanagement lehrt. „Sie können immer Ihr Nachhaltigkeitsengagement ökonomisch dumm ausgestalten, dann gehen Sie unter.“ Die Frage „Rechnet sich nachhaltiges Wirtschaften?“ sei daher möglicherweise falsch gestellt. Es gehe vielmehr darum, unter welchen Bedingungen sich nachhaltiges Wirtschaften rechne. Unternehmen schafften gesellschaftliche Trends, nähmen Einfluss auf die Politik und sollten dabei einen „Business Case for Sustainability“ gestalten. Aus dieser Perspektive sei es bedauerlich, dass nach aktuellen Umfragen die Unternehmensfunktionen Rechnungswesen und Controlling bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit fast keine Bedeutung besäßen. Dabei seien etwa bei der Ermittlung des tatsächlichen Wertes von Abfallvermeidung erfahrene Controller gefragt.

In seinem Beitrag kritisierte Schaltegger die fehlende Einbindung von Nachhaltigkeit in den Lehrplänen der Hochschulen. „Ich finde es dramatisch, wie inflexibel sich die Universitäten entwickeln“, sagte der Lüneburger Professor. Viele negierten Nachhaltigkeitsthemen oder betrachteten sie als Randerscheinung, die Privatwirtschaft sei da deutlich dynamischer.

Schalteggers Ansicht entgegnete Oliver Bäte, der im Allianzvorstand das Versicherungsgeschäft mehrerer Ländern und den Fachbereich globale Sachversicherungen verantwortet: „Der wirkliche Wandel muss in den Köpfen der Mitarbeiter und Führungskräfte geschehen – und nicht in irgendwelchen Business Cases.“ Seine Einschätzung zur aktuellen Position, auch im eigenen Unternehmen: „Wir sind auf der Mitte des Weges angekommen.“ Die Allianzvorstände dokumentieren ihre Verantwortung unter anderem mit der Wahl ihrer Dienstfahrzeuge: Der Vorstandsfuhrpark besteht aus Elektrofahrzeugen vom Typ BMW E1, die zwar deutlich weniger geräumig als ein BMW der 7er-Reihe, dafür aber auch deutlich umweltfreundlicher sind. Für die Koordination von Nachhaltigkeitsthemen sind drei Allianz-Vorstände verantwortlich, die dazu mindestens viermal im Jahr zusammenkommen. In Sachen Nachhaltigkeit übernimmt aber auch der Aufsichtsrat Verantwortung: Ein Viertel der Führungskräfte-Boni hängt an der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen, etwa im Bereich der Mitarbeiterführung, die alle drei Jahre neu gewichtet werden.

Kulturwandel im Unternehmen brauche die Unterstützung von außen. Der Allianzvorstand: „Wir brauchen Druck als Unternehmen, sonst verändern wir uns nicht.“ Bäte weiter: „Der Druck, den uns die Aktionäre machen, reicht nicht.“

Kritik am Nachhaltigkeitsbegriff übte der Vizepräsident der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft, Prof. Bernhard Pellens: „Nachhaltigkeit ist ein Ziel, das von vielen akzeptiert wird, auch und vielleicht weil im Unklaren bleibt, was eigentlich damit gemeint ist.“ Seit über 80 Jahren sei es Aufgabe der Schmalenbach-Gesellschaft, Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis zu schlagen.

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Fotos: Oliver Bäte (links) und Prof. Stefan Schaltegger

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