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Schwerpunktthema 3. Sektor: Foodwatch – die Essensretter

Vor zehn Jahren hat eine kleine Gruppe der Lebensmittelwirtschaft den Kampf angesagt. Auslöser waren Lebensmittelskandale wie BSE, die zu jener Zeit grassierte. Inzwischen ist Foodwatch eine feste Größe unter den NGOs und genießt unter Verbrauchern und bei den Medien ein hohes Ansehen. Dies hat sie vor allem ihrem Chef und Gründer Thilo Bode zu verdanken.

Berlin (csr-news) > Vor zehn Jahren hat eine kleine Gruppe der Lebensmittelwirtschaft den Kampf angesagt. Auslöser waren Lebensmittelskandale wie BSE, die zu jener Zeit grassierte. Inzwischen ist Foodwatch eine feste Größe unter den NGOs und genießt unter Verbrauchern und bei den Medien ein hohes Ansehen. Dies hat sie vor allem ihrem Chef und Gründer Thilo Bode zu verdanken.

Kritiker, vor allem aus der Lebensmittelwirtschaft, werfen den Medien gerne vor, die Themen von Foodwatch unkritisch zu übernehmen. Tatsächlich schafft es Foodwatch immer wieder, mit neuen Kampagnen eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erreichen. Nicht zuletzt dank Thilo Bode, der das Handwerkzeug dafür bei Greenpeace gelernt hat. Lange Jahre war er Geschäftsführer der Umweltschützer, erst in Deutschland, später dann für die Gesamtorganisation. Möglicherweise ein Grund, warum Bode auch als Person wahrgenommen wird, bei NGOs eher eine Seltenheit. Im vergangenen Jahr hat die Agentur Com-X ihre jährlich erscheinenden Journalisten-Trends dem Schwerpunkt NGOs gewidmet. Darin wurde nicht nur die hohe Glaubwürdigkeit von Nichtregierungsorganisationen für die Medien deutlich, sondern auch die spezielle Akzeptanz von Foodwatch, vor allem die ihres Gründers. Auf die Frage nach herausragenden Persönlichkeiten aus NGOs wurde hauptsächlich Thilo Bode genannt. Dennoch geht es bei Foodwatch nicht um Personenkult, auch wenn dies als Vorwurf zeitweise zu hören ist, vielmehr geht es darum, den Herstellern von Lebensmitteln auf die Hände zu schauen und manchmal auch draufzuhauen.

Es sind die Tricks, Täuschungen und Werbelügen der Lebensmittelindustrie, die Foodwatch im Visier hat. Eine der aufmerksamkeitsstarken Kampagnen der letzten Jahre war die Auseinandersetzung mit Danone. Deren Werbeaussagen zur gesundheitsfördernden Wirkung von Actimel waren Foodwatch ein Dorn im Auge. Mit Rückendeckung durch die Europäische Kommission, die zwischenzeitlich das „Health-Claim-Verbot“ verabschiedete, konnten die Essensretter ihr Ziel erreichen – Actimel ist einfach nur ein Joghurt. Zur Verstimmung innerhalb der Lebensmittelbranche führt auch der jährlich ausgelobte „Windbeutel des Jahres“, bei dem Konsumenten über die dreistesten Werbelügen abstimmen können und die manchem Lebensmittelmanager auch schon mal die Zornesröte ins Gesicht treibt. Foodwatch versteht sich als Verbraucherschutzorganisation und sieht es auch als eigenen Verdienst an, das Lebensmittelsicherheit heute ein weitverbreitetes und vor allem auch politisches Thema ist.

In diesem Sinne hat das dreizehnköpfige Team von Foodwatch noch genug zu tun, die Lebensmittelskandale reißen nicht ab und von einer offenen und transparenten Kommunikation ist die Branche noch weit entfernt. Ein Umstand, der Foodwatch in die Hände spielt, denn in der kommunikativen Auseinandersetzung gelingt es der Lebensmittelindustrie in der Regel nicht, mit ihren Positionen beim Verbraucher durchzudringen. Dabei sind die „Essensretter“ mir ihren rund 1,8 Millionen Euro Jahreseinnahmen ein Zwerg im Umfeld der Lebensmittelbranche. Die Organisation versucht dabei möglichst unabhängig von Unternehmensspenden und Zuwendungen der öffentlichen Hand zu werden. Der größte Teil der Einnahmen, nämlich knapp 1,5 Millionen Euro, stammt von den rund 21.000 Fördermitgliedern und Kleinspendern. Spender, die mehr als 5000 Euro überwiesen haben, werden von Foodwatch namentlich genannt. Als Teilnehmer der Initiative Transparente Zivilgesellschaft gibt Foodwatch zu den wichtigsten Punkten Auskunft, beispielsweise auch darüber, wofür die eingesammelten Gelder ausgegeben wurden. Der Grund liegt auf der Hand, Foodwatch will sich nicht angreifbar machen, schließlich waren die Unternehmensspenden aus der Gründungszeit schon Gegenstand von Kritik, etwa dass Foodwatch bei den damaligen Spendern nicht ganz so genau hinschaut wie bei den Mitbewerbern. Tatsächlich sind solche Anschuldigungen oftmals nicht mehr als hilflose Sticheleien gegen den lästigen Störenfried. Für eine NGO eher eine Auszeichnung, die zum Weitermachen einlädt. Dafür sind Deutschlands Grenzen aber zu eng gesteckt, die wichtigsten Entscheidungen werden in Brüssel getroffen. Grund genug für Foodwatch die europäische Expansion voranzutreiben, weitere Büros sind in Frankreich, Spanien und Italien geplant.