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Pharmabranche: Korruptionsprävention kommt zu kurz

Frankfurt am Main (csr-news) – Die deutschen Pharmaunternehmen nehmen Korruptionsgefahren bei ihren Geschäftsbeziehungen zu niedergelassenen Ärzten stärker in den Blick. Signifikante Korruptionsrisiken sehen die Mehrzahl der Unternehmen bei der Überlassung von Geräten, der Vergabe von Anwendungsbeobachtungen, Beraterverträgen und Arzneimittelstudien, wie aus der Studie „Wirtschaftskriminalität – Pharmaindustrie“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und der Universität Halle-Wittenberg hervorgeht. Gegenüber 2011 habe sich das Problembewusstsein deutlich verschärft.

„Allerdings tun viele Unternehmen nach wie vor zu wenig, um derartige Absprachen zu unterbinden“, erklärte Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma. 2011 verfügte nur jedes dritte Pharmaunternehmen über ein spezifisches Anti-Korruptionsprogramm – gegenüber mehr als der Hälfte der Unternehmen im branchenübergreifenden Durchschnitt. Ein allgemeines Compliance-Programm haben sogar nur 22 Prozent der Pharmaunternehmen im Vergleich zu 46 Prozent der Unternehmen aller Branchen. Gegenüber Compliance-Programmen zeigten die Pharmaunternehmen grundsätzliche Vorbehalte: In der Befragung von 2011 äußerten etwa die Hälfte dieser Unternehmen die Ansicht, dass deren Einführung zu kostenintensiv und der zu erwartende Nutzen zu gering sei.

Für die Studie zur Wirtschaftskriminalität wurden im Sommer 2011 deutschlandweit 830 Unternehmen befragt, darunter 36 aus der Pharmabranche. An einer Folgebefragung von 2013, in der die Einschätzung der Korruptionsrisiken in Geschäftsbeziehungen zu niedergelassenen Ärzten abgefragt wurde, nahmen 50 Unternehmen aus der Pharmabranche teil.