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Hummer sollen Windpark in der deutschen Nordsee besiedeln

3000 Hummer sollen bald in einem Meeres-Windpark in der Nordsee heimisch werden. Das sieht ein Pilotprojekt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) vor. Die Tiere sollen zwischen den Fundamenten des Windparks „Riffgat“ vor der Insel Borkum ausgesetzt werden.

Bremerhaven/Helgoland (afp) – 3000 Hummer sollen bald in einem Meeres-Windpark in der Nordsee heimisch werden. Das sieht ein Pilotprojekt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) vor, das die Einrichtung am Freitag in Bremerhaven vorstellte. Die Tiere sollen im nächsten Jahr zwischen den Fundamenten des Windparks „Riffgat“ vor der Insel Borkum ausgesetzt werden. Drei Jahre lang soll geprüft werden, ob sich die Hummer dort wohl fühlen und Windparks generell als neuer Lebensraum für ihre Art in Frage kommen. Das Land Niedersachsen fördert das Projekt mit knapp 700.000 Euro.

„Die in großer Zahl in den nächsten 15 Jahren in der Deutschen Bucht entstehenden Windparks stellen zwar einerseits einen Eingriff in das Ökosystem dar, könnten aber auch mit Maßnahmen zu einer ökologischen Aufwertung verbunden sein“, erklärte AWI-Biologe Heinz-Dieter Franke. Das AWI betreibt auf der Insel Helgoland eine biologische Forschungsstation, die sich speziell dem bedrohten Europäischen Hummer widmet. Dieser lebt auf felsigem Grund und kommt deshalb in der durch Sand- und Schlickböden dominierten deutschen Nordsee bisher fast nur direkt rund um Helgoland vor, einem aus dem Meer aufragenden Gesteinssockel.

Die Forscher interessiert, ob sich die Hummer in den Steinfeldern ansiedeln, die zum Strömungsschutz um die Fundamente der Windräder aufgeschichtet werden. Durch die Baumaßnahmen entstünden am Meeresgrund „neue Strukturen“ in Form von „Hartsubstraten“, erklärte das AWI. Diese böten neuen Siedlungsraum für andere Lebensgemeinschaften – darunter auch den Hummern, die nachtaktiv sind und den Tag in Höhlen unter Wasser verbringen. Mit dem Projekt solle daher genauer untersucht werden, ob die Voraussetzungen für die Hummeransiedlung stimmten.

Hummer können bis 60 Jahre alt werden. Das stattliche Krebstier mit den großen Scheren kommt an europäische Küsten von Norwegen bis ins Mittelmeer vor. Im deutschen Teil der Nordsee brachen die Bestände in den 1950er und 1960er Jahren allerdings fast ganz zusammen. Das bedeutete auch das Ende für die traditionsreiche Helgoländer Hummerfischerei. Heute werden auf der Insel nur noch einige hundert Tiere pro Jahr gefangen, früher waren es Zehntausende. Das AWI betreibt auf Helgoland seit langem eine Forschungs- und Aufzuchtstation, um Junghummer auszuwildern und Möglichkeiten zur Erhaltung der Art zu studieren.

Über die Umweltauswirkungen von großen Windparks wird in Deutschland seit längerem kontrovers diskutiert. Naturschützer befürchten unter anderem, dass der Baulärm die in der Nordsee heimischen Schweinswale beeinträchtigt und die hoch aufragenden Masten und Rotoren zur Todesfalle für Vögel werden könnten. Die AWI-Experten verwiesen demgegenüber am Freitag aber auch auf die grundsätzliche Chance, dass in den Parks künftig Schutz- und Erholungsräume entstehen könnten. Das gelte nicht nur für Hummer, sondern auch für andere Bodentiere und Fische, da in den Parks künftig keine industrielle Fischerei mehr möglich sein werde.