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Malaysia: So arbeiten Migrantinnen auf Palmölplantagen

Auf den Palmölplantagen im malaysischen Bundesstaat Sabah arbeiten indonesische und philippinische Migrantinnen unter teilweise verheerenden Bedingungen. „Frauen arbeiten als Sammlerinnen der am Boden liegenden Palmölfrüchte oder auch als Sprayerinnen: Sie tragen 18-Liter-Behälter mit Herbiziden, die sie in 14 bis 16 Sprayrunden pro Tag in der Plantage verteilen – und haben oft keine ausreichende Schutzkleidung“, erklärte die Südwind-Mitarbeiterin Sabine Ferenschild.

Siegburg (csr-news) – Auf den Palmölplantagen im malaysischen Bundesstaat Sabah arbeiten indonesische und philippinische Migrantinnen unter teilweise verheerenden Bedingungen. „Frauen arbeiten als Sammlerinnen der am Boden liegenden Palmölfrüchte oder auch als Sprayerinnen: Sie tragen 18-Liter-Behälter mit Herbiziden, die sie in 14 bis 16 Sprayrunden pro Tag in der Plantage verteilen – und haben oft keine ausreichende Schutzkleidung“, erklärte die Südwind-Mitarbeiterin Sabine Ferenschild. Sie ist Autorin der in der vergangenen Woche vorgestellten Studie „Von weißem Gold und goldenem Öl“. Laut Ferenschild sind die Frauen mangels Alternativen auf die Arbeit in den Plantagen angewiesen. Die Entwicklungsexpertin weiter: „Höhere Löhne, besserer Arbeitsschutz und mehr soziale Sicherheit wären deshalb dringend nötige Schritte.“

Erschwert wird die Situation der Arbeitsmigrantinnen dadurch, dass für sie ein Abschlag auf den Mindestlohn gilt und sie die Kosten der Aufenthaltsgebühren heute selbst zahlen müssen, die früher von den Arbeitgebern übernommen wurden. Zudem gibt es ausländerfeindliche Bewegungen, obwohl der Niedriglohnsektor für die malaysische Bevölkerung eher uninteressant sei. Die Einheimischen wechselten lieber auf die malaysische Hauptinsel zur besser zahlenden Elektronikindustrie, erläuterte Ferenschild gegenüber CSR NEWS. Für die Rechte der Migrantinnen träten insbesondere Kirchen und Frauenrechtsorganisationen ein.

Die Südwind-Studie beschäftigt sich an den Beispielen Palmöl und Baumwolle mit dem Zusammenhang zwischen zunehmendem Flächenverbrauch für die Exportproduktion und Migrationsbewegungen und will damit einen Beitrag zur Debatte über die globale Landnutzung leisten. Nach Auffassung des Instituts sind ein verbesserter Zugang der lokalen Bevölkerungen zu ländlichen Ressourcen, eine Weiterentwicklung des für die Industrieproduktion erarbeiteten Konzepts existenzsichernder Löhne („living wages“) für Lohnarbeiter im Agrarsektor und eine kritische Überprüfung des „Runden Tisches zu nachhaltigem Palmöl“ (RSPO) erforderlich.

Die RSPO-Kriterien seien „eigentlich gut und ausgefeilt“. Ferenschild weiter: „Die Schwäche liegt bei diesen freiwilligen Programmen in der Durchsetzung.“ Es fehle auch an unabhängigen Kontrollen. In Malaysia, das einen großen Teil der Palmöl-Wertschöpfungskette im eigenen Land behalten konnte, gebe es eine starke Industrielobby. Die abhängig Beschäftigten und Kleinbauern seien dagegen deutlich schlechter vertreten. Er brauche stärkere Gewerkschaften und Genossenschaften, um deren Position zu verbessern. Weiter sagte Ferenschild, manchmal habe sie den Eindruck, mit freiwilligen Initiativen wie dem RSPO wollten Unternehmen „auf dem Rücken der Beschäftigten“ Zeit gewinnen, bevor es zu gesetzlichen Regelungen komme.

Das gemeinnützige Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene wurde 1991 gegründet und tritt weltweit für wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit ein.

Die Südwind-Studie „Von weißem Gold und goldenem Öl“ >> als PDF zum Download