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Gewerkschaft mischt sich in Streit um CO2-Normen für Autos ein

Brüssel (afp) – Im Streit um CO2-Normen für Autos hat sich die IG Metall für die von Umweltschützern kritisierte Mehrfachanrechnung von Elektroautos ausgesprochen. In einem Brief an mehrere deutsche Europaparlamentarier, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Brüssel vorlag, dringt Gewerkschaftschef Berthold Huber darauf, die Elektroautos bei den Klimazielen mehrfach zu zählen. Durch die „Supercredits“ genannten Anrechnungen dürfen die Hersteller indirekt mehr schwere Wagen mit besonders hohen Emissionen bauen.

„‚Supercredits‘ fördern die Markteinführung innovativer Technologien und stellen somit eine sinnvolle und notwendige Ergänzung der europäischen CO2-Gesetzgebung dar“, schreibt Huber, der auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt.

Die Europaparlamentarier beraten am Mittwoch im Umweltausschuss über die CO2-Normen, die ab 2020 für Neuwagen gelten sollen. Die EU-Kommission will den Zielwert 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Auto und Kilometer durchsetzen; dies gälte für den Durchschnitt aller Autos, wobei Hersteller wie Mercedes einen höheren Durchschnitt zugebilligt bekämen als zum Beispiel der Kleinwagenbauer Fiat. Die IG-Metall hält das 95-Gramm-Gesamtziel laut dem Brief für „ambitioniert, aber erreichbar“.

Umstritten sind die „Supercredits“. Die Kommission will Autos mit besonders geringem Ausstoß, also vor allem Elektroautos, 1,3-fach anrechnen lassen. Im Gegenzug dürfte das Unternehmen also mehr schwere Karossen bauen – unabhängig von den für jeden Hersteller verschiedenen Grenzwerten. Umweltschützer haben die „Supercredits“ in der Vergangenheit als Rechentrick abgelehnt.

Die IG-Metall dagegen meint, Unternehmen würden gerade dann in neue umweltfreundliche Technologien investieren, wenn sich diese in den „Supercredits“ stärker bezahlt machen. Sie fordert darum, „mit dem Faktor 2,5 zu starten“ und diesen später auf 1,5 zu senken. Sie will auch, dass die Hersteller mehr abgasarme Autos mehrfach zählen dürfen als die von der Kommission vorgeschlagenen 20.000 Wagen.

FDP-Umweltpolitiker Holger Krahmer hält die Gewerkschaftsposition für sinnvoll. „Der Faktor sollte großzügig gesetzt sein“, urteilte Krahmer, einer der Adressaten des Briefes. Nur so könnten die neuen Antriebe marktfähig werden, sagte der Europaparlamentarier der AFP.

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