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Pharmabranche fehlt Rezept gegen Korruption

Frankfurt a.M. (csr-news) > Die deutschen Pharmaunternehmen sind bei der Gestaltung ihrer Geschäftsbeziehungen zu niedergelassenen Ärzten sensibler für Korruptionsgefahren geworden. Die Überlassung von Geräten, die Vergabe von Anwendungsbeobachtungen und Beraterverträge sehen mittlerweile gut drei Viertel der befragten Unternehmen als ein signifikantes Korruptionsrisiko. Immerhin 70 Prozent der Befragten sehen ein erhöhtes Risiko bei Auftragsvergaben von Arzneimittelstudien, wie aus der Studie „Wirtschaftskriminalität – Pharmaindustrie“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und der Universität Halle-Wittenberg hervorgeht. „Offenkundig haben prominente Verdachtsfälle, in denen niedergelassene Ärzte für mehr oder weniger verdeckte Zuwendungen bevorzugt bestimmte Medikamente verschrieben haben sollen, den Pharmaunternehmen die Risiken deutlich vor Augen geführt. Allerdings tun viele Unternehmen nach wie vor zu wenig, um derartige Absprachen zu unterbinden“, kritisiert Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma. Für die sechste Studie zur Wirtschaftskriminalität wurden im Sommer 2011 deutschlandweit 830 Unternehmen befragt, darunter 36 aus der Pharmabranche. An einer Folgebefragung von 2013, in der die Einschätzung der Korruptionsrisiken in Geschäftsbeziehungen zu niedergelassenen Ärzten abgefragt wurde, nahmen 50 Unternehmen aus der Pharmabranche teil.

Nur jedes dritte Pharmaunternehmen (Stand 2011) verfügt über ein spezifisches Anti-Korruptionsprogramm. Im branchenübergreifenden Durchschnitt hat weit mehr als die Hälfte der Unternehmen (59 Prozent) ein derartiges Programm implementiert. Ein allgemeines Compliance-Programm haben sogar nur 22 Prozent der Pharmaunternehmen im Vergleich zu 46 Prozent der Unternehmen aller Branchen. Dennoch zeigten sich 70 Prozent der Unternehmen davon überzeugt, dass die eigenen Maßnahmen zur Korruptionskontrolle „vollkommen ausreichen“. Auf der anderen Seite halten 63 Prozent der in 2013 befragten Unternehmen eine gesetzliche Regelung für sinnvoll, die die Annahme von Bestechungsgeld durch Ärzte unter Strafe stellt. Allerdings ist Korruption keineswegs die einzige Deliktart, mit der sich Pharmaunternehmen auseinandersetzen müssen. Die mit Abstand häufigste Deliktart in der Pharmabranche sind Verstöße gegen das Patent- bzw. Markenrecht. Jedes vierte befragte Pharmaunternehmen berichtete über mindestens einen nachgewiesenen Fall, in der Gesamtstichprobe aller Unternehmen waren demgegenüber nur 17 Prozent betroffen.

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