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CSR-Preis der Bundesregierung bringt nachhaltige Unternehmen zusammen

Am Mittwoch hat die Bundesregierung erstmals Unternehmen ausgezeichnet, die nachhaltig handeln. Als Teil des nationalen CSR-Aktionsplans will der Preis „Schule machen und Ansporn sein, dass Unternehmen auf breiter Front nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch am Gemeinwohl orientiert handeln“, so Staatssekretär Gerd Hoofe vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bei der Preisverleihung.

Berlin (csr-news) – Am Mittwoch hat die Bundesregierung erstmals Unternehmen ausgezeichnet, die nachhaltig handeln. Als Teil des nationalen CSR-Aktionsplans will der Preis „Schule machen und Ansporn sein, dass Unternehmen auf breiter Front nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch am Gemeinwohl orientiert handeln“, so Staatssekretär Gerd Hoofe vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) bei der Preisverleihung.

Von Torsten Sewing

In dem Wettbewerb haben 222 teilnehmende Unternehmen umfangreiche Fragenkataloge zu CSR-Strategie und –maßnahmen beantwortet. Aufgrund dieser unternehmensinternen Einschätzung wurden 20 Unternehmen nominiert – in vier Größenordnungen mit jeweils fünf Kandidaten. Anja Schwerk, Institut für Management der Humboldt-Universität Berlin, zum Prozess: „Das Besondere an der Methodik ist die Stakeholderbefragung. Hierdurch wurde sowohl eine zusätzliche interne Perspektive – durch Befragung von Mitarbeitern – als auch die externe Perspektive z. B. durch NGOs berücksichtigt. Die Angaben im Fragebogen aus der Managementbefragung konnten so besser eingeschätzt, kritische Punkte hinterfragt und die Wirkung bestimmter Maßnahmen besser beurteilt werden. CSR ohne die Einbeziehung von Stakeholdern ist nicht möglich. Diese Tatsache sollte auch die Methodik widerspiegeln!“ Die von der Humboldt-Universität gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) entwickelte Methodik ist entsprechend umfassend und erhebt den Anspruch, alle Aspekte nachhaltigen Wirtschaftens abzufragen. Daraus kann dann eine entsprechend breit aufgestellte Kommunikation entstehen.

Tchibo, Gewinner in der Kategorie der Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten, ist ein Beispiel dafür, dass der CSR-Preis für viele Unternehmen eine bessere Basis für die Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen und deren konkrete Umsetzung schaffen kann. Im Gespräch mit CSR NEWS wies der Vorstandsvorsitzende Markus Conrad darauf hin, dass zu Tchibos Verständnis von der Tradition eines ehrbaren hanseatischen Kaufmanns auch gehört, Nachhaltigkeit gezielt und offensiv zu kommunizieren. Die große Marktpräsenz sei daher beinahe schon eine Verpflichtung, in jedem Fall aber eine Chance. Eine Aufgabe im Nachhaltigkeitsbereich wird es für Tchibo sein, das „Tchibo-Thema Preis/Leistung“ (Conrad) neu und nachhaltig zu definieren und breit in den Markt zu tragen. Dabei können Instrumente wie der CSR-Preis und die Zusammenarbeit aller Akteure helfen, weshalb, so Conrad weiter, „es mich an diesem Preis fast noch mehr freut, dass sich die Bundesregierung für diese Thematik einsetzt, als dass wir ihn gewonnen haben“.

Der angestrebte Zusammenschluss der Akteure kommt auch beim CSR-Preisträger in der Kategorie 500 bis 4999 Beschäftigte, Prof. Hipp, gut an. Hipp, Unternehmensgründer des gleichnamigen Unternehmens für Babynahrung und Exponent von CSR, lange bevor dieser Begriff in Deutschland ankam, hält den CSR-Preis für ein Zeichen, dass die Bundesregierung eine an Verantwortung orientierte Freiwilligkeit als Schlüssel zum gesellschaftlichen und unternehmerischen Erfolg sieht: „Wenn wir immer nur auf Gesetze warten, ist die Versuch groß, Ausreden zu suchen. Der biologische Landbau ist nicht per Gesetz entstanden, sondern freiwillig.“

Neben Tchibo ist Thomas Becker ein weiterer Preisträger (Kategorie bis 49 Beschäftigte) aus Hamburg – Goldschmied und studierter Theologe. Mit sieben Mitarbeitern ist er der drittgrößte Goldschmied in der Hansestadt, aber immer noch klein genug, um zu zeigen, dass man nicht groß sein muss, um nachhaltig zu wirtschaften: „Als ich anfing, war ich unzufrieden mit dem herkömmlichen Material: die Arbeit ist toll, aber die Herkunft des Materials ist oft nicht zu klären. Mit Blutgold oder Blutdiamanten wollte ich nicht arbeiten. Deshalb begann ich mein Geschäftsleben als Goldschmied mit einem Recyclingkonzept – meine Kunden mussten Altgold und alten Schmuck mitbringen und ich habe das dann als Grundlage genutzt. Parallel dazu habe ich fair und ökologisch produziertes Gold gesucht – und das ist jetzt so beliebt, dass ich Kunden aus Deutschland und Nachbarländern habe.“ Becker weiß um die Tücken des Erfolgs und sieht den CSR-Preis als Teil einer Kommunikation, wenn er die CO2-Belastungen im Geschäftsverkehr mit seinen Kunden durch einen Online-Shop reduziert.

Alle ausgezeichneten Unternehmen stehen für beispielhaftes Engagement in ihrem Bereich. Noch leichter darstellbar wird diese Position, wenn Nachhaltigkeitskriterien in einzelnen Branchen bereits zu eigenen Produkten werden – wie z.B. im Ökotourismus. Dann werden neue Wege gegangen: Der CSR-Preisträger Studiosus (50 bis 499 Beschäftigte) richtet derzeit an Reisestandorten „Meldestellen“ ein, die soziale und ökologische Themen registrieren und aufarbeiten.

Der Sonderpreis der Jury prämierte einen weiterer KMU-Beitrag. Die Stuttgarter Schreinerei Türenmann bringt Azubis in soziale Einrichtungen, wo sie selbständig und für die Einrichtungen zu pro-bono-Konditionen Aufträge planen, gestalten und durchführen. Die damit verbundenen Kundenbeziehungen und die Auftragsverantwortung tragen zu einer hohen Identifikation der Auszubildenden mit der Tätigkeit und ermöglichen ihnen neue und ungewohnte soziale Erfahrungen. Mit der Zuerkennung des CSR-Preises der Bundesregierung erhält dieses mittelständische Engagement nun eine bundesweite Bühne.

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