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GET CHANGED! startet Fair Fashion Finder

Das Schweizer Startup GET CHANGED! hat einen Fair Fashion Finder online gestellt. Konsumenten sollen damit nach hohen sozialen und ökologischen Standards produzierte Mode in ihrer Nähe finden. Bereits im Januar war eine B2B-Plattform zur fairen Mode online gegangen. CSR NEWS fragte GET CHANGED!-Geschäftsführerin Katharina Wehrli nach diesen Projekten.

Zürich (csr-news) – Das Schweizer Startup GET CHANGED! hat einen Fair Fashion Finder online gestellt: www.getchanged.net. Konsumenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen damit nach hohen sozialen und ökologischen Standards produzierte Mode in ihrer Nähe finden. Bereits im Januar war eine B2B-Plattform zur fairen Mode online gegangen. CSR NEWS fragte GET CHANGED!-Geschäftsführerin Katharina Wehrli nach diesen Projekten.

CSR NEWS: Wie ist das B2B-Portal von GET CHANGED! in der Community angekommen, wer nutzt es?

Katharina Wehrli: Bislang haben sich primär kleinere grüne Shops, faire große und kleine Markenfirmen und verschiedene Journalisten registriert. Die großen Warenhäuser sind bislang ausgeblieben.

Wie halten es die Portalmitglieder mit der Pflicht, ihre Lieferanten (Produzenten) gegenüber GET CHANGED! offenzulegen?

Das ist sehr unterschiedlich. Gegenüber GET CHANGED! ist die Offenlegung bei nur wenigen Firmen ein Problem. Vor allem Firmen, die in Europa produzieren, haben gar keine Probleme damit, ihre Lieferanten zu nennen. Es gibt ja bereits Firmen wie Bruno Pieters, die listen sogar auf, was welche Zutat kostet. Einige Firmen wie ANUKOO, Nurmi, Göttin des Glücks veröffentlichen ihre Produzenten auf unserer Website. Andere Firmen haben ein Problem damit, ihre Lieferanten öffentlich zu machen. Sie fürchten, dass größere Firmen sie durch größere Aufträge verdrängen, oder dass kopiert wird.

Auf welche Käuferschichten zielen Sie mit dem B2C-Portal?

Grundsätzlich zielen wir auf LOHAS ab, also Menschen, die bereit sind, etwas mehr für fair produzierte Mode auszugeben. Denn viele Produkte sind einfach teurer als die Mode bei H&M, Zara etc. Aber wir möchten auch Konsumentinnen ansprechen, die über die Probleme in der Modeindustrie gehört haben, und Alternativen für konventionell produzierende Marken suchen. Wir gehen davon aus, dass es eine wachsende Käuferschicht in diesem Segment gibt. Man muss es diesen Leuten möglichst einfach machen, faire Mode zu finden.

Was wird das Besondere an diesem Portal sein, wie schafft es Orientierung?

Erst einmal ist das Portal ein Clearinghouse für faire Firmen: Alle Firmen, die auf der Plattform sind, engagieren sich sehr stark im Bereich der sozialen und ökologischen Produktion – sehr viel stärker als die meisten anderen. Dann stellen wir übersichtlich dar, wie genau sich eine Firma im sozialen und ökologischen Bereich engagiert. Dabei ist das Problem, dass die textile Lieferkette sehr komplex ist. Deshalb haben wir die Lieferkette in die drei Hauptschritte Rohstoffproduktion – Textilproduktion – Konfektion unterteilt. In jedem dieser Schritte finden andere Standards und Labels Anwendung. Wir haben die besten glaubwürdigen Standards ausgewählt, die wir akzeptieren, und wir stellen im Detail dar, welche Labels Anwendung finden. Darüber hinaus können die Firmen zeigen, wie sie sich neben der Implementierung der unabhängigen Standards sie sich engagieren. Wir haben für die Befragung der Firmen einen achtseitigen Fragebogen entwickelt. Darauf stützen wir uns.

Für Konsumierende schafft das Portal zusätzlich Orientierung, indem es diese Auswahl an Modelabels attraktiv präsentiert – mit Bildern, Informationen zur Kollektion etc. – und aufzeigt, wo diese Labels im deutschen Sprachraumerhältlich sind.

Was ist – über das Marketing hinaus – Ziel von GET CHANGED!?

Wir sammeln „good practices“ und stellen sie auf einer Seite zusammen. Primär wollen wir Konsumierenden und Modehändlern auf der Plattform zeigen, wie breit die Auswahl an fairer Mode ist – und dass faire Mode schick ist. Damit wollen wir positive Anreize setzen, damit sich Angebot und Nachfrage im Bereich der fairen Mode positiv entwickeln können. Zugleich möchten wir Konsumierende, Markenfirmen und Händler durch unser Magazin, wo wir über aktuelle Herausforderungen im Bereich Fashion & Nachhaltigkeit berichten, für die Problematik sensibilisieren. Insgesamt sensibilisieren wir und wollen eine Bewegung für faire Mode mit einem positiven Ansatz sein.

Wie finanzieren Sie sich?

Das Aufbaukapital haben wir privat aufgebracht. Zusätzlich haben wir Beiträge von Sponsoren für die Anfangszeit. Der laufende Betrieb wird sich über Beiträge der Modefirmen, Umsatzbeteiligungen bei Online-Shops, Werbeeinnahmen, Beiträge von Konsumentinnen (über die GET CHANGED! Card) und Sponsoren finanzieren.

Vielen Dank!

Die Fragen stellte Achim Halfmann.

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