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Opferzahl nach Fabrikeinsturz in Bangladesch steigt auf 272

Einen Tag nach dem Einsturz eines achtstöckigen Fabrikgebäudes in Bangladesch haben Bergungskräfte unter Hochdruck ihre Suche nach Überlebenden fortgesetzt. Bis Donnerstag wurden mehr als 200 Leichen und 1.500 Überlebende aus den Trümmern geborgen. In einem nahe gelegenen Industriegebiet demonstrierten unterdessen Zehntausende gegen die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie.

Savar (afp/csr-news) – Einen Tag nach dem Einsturz eines achtstöckigen Fabrikgebäudes in Bangladesch haben Bergungskräfte unter Hochdruck ihre Suche nach Überlebenden fortgesetzt. Am Donnerstag bargen sie aus einem Raum des eingestürzten Rana Plaza 24 Überlebende, gleichzeitig stieg die Zahl der Toten auf mindestens 272, wie die Polizei mitteilte. In einem nahe gelegenen Industriegebiet traten zehntausende Textilarbeiter in den Ausstand, hunderte Fabriken blieben geschlossen.

Nachdem ein Armeesprecher zunächst gesagt hatte, es seien 40 Überlebende geborgen worden, korrigierten die Behörden die Zahl wenig später auf 24. Immer noch seien aus den Trümmern Stöhnen und Hilferufe zu hören, berichtete Feuerwehrmann Mamun Mahmud.

Das ganze Land verfolgte vor dem Bildschirm, wie Verschüttete lebend aus den Trümmern des Gebäudes geholt wurden. Sie wurden von tausenden Menschen, die vor der Ruine auf Nachricht ihrer vermissten Angehörigen oder Freunde warteten, mit Jubel begrüßt.

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in einem Vorort von Dhaka war am Mittwochmorgen kurz nach Arbeitsbeginn eingestürzt, es ist die größte Industriekatastrophe des Landes. Etwa 1000 Menschen wurden verletzt, mehr als 1500 konnten lebend geborgen werden. Nach neuesten Schätzungen arbeiteten rund 3000 Menschen, vorwiegend Frauen, in dem Gebäude.

Wie der Landesmanager Bangladesch von Bureau Veritas, Golam Kibria, gegenüber CSR NEWS mitteilte, gelten für Textilunternehmen in Gebäuden ab sechs Stockwerken oder einer Höhe von über 20 Metern besondere Zertifizierungsbedingungen. Kibria weiter: „Es ist aber leider eine Herkulesaufgabe, die Eigentümer und Manager in Sicherheitsfragen weiterzubilden.“

Hunderte Arbeiter protestierten am Donnerstag gegen die oft unzureichenden Sicherheitsstandards und schlechten Arbeitsbedingungen in Bangladeschs Textilindustrie, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes. Die Regierung rief Staatstrauer aus. Premierministerin Scheich Hasina sagte, alle Verantwortlichen müssten sich der Justiz stellen.

Die Besitzer der fünf in dem Gebäude untergebrachten Fabriken sollen Mitarbeiter zur Arbeit gezwungen haben, obwohl am Vortag Risse an dem Gebäude aufgetaucht waren und die Behörden die Schließung angeordnet hatten.

Gegen den Besitzer des Gebäudes, ein Mitglied der Regierungspartei, wurden inzwischen Ermittlungen wegen Verletzung der Bauvorschriften eingeleitet. Von einigen der Fabrikbesitzer fehlte am Donnerstag jede Spur.

Bangladesch zählt 4500 Textilfabriken, das Land ist der zweitwichtigste Textilproduzent weltweit. Auch einige der Fabriken in dem eingestürzten Gebäude arbeiteten offenbar für internationale Modemarken. Die britische Billigkette Primark und der spanische Konzern Mango erklärten, dass sie Zulieferer im Rana Plaza beschäftigten.

Der US-Konzern Walmart ging Berichten nach, wonach auch er in einer der Fabriken arbeiten ließ. Der italienische Hersteller Benetton dementierte dagegen eine Verwicklung seiner Zulieferer aus Bangladesch in das Unglück. Nachdem auf der Website der in dem Gebäude tätigen Textilfabrik Ether Tex Limited auch C&A als Referenzkunde genannt war, erklärte der Konzern, er habe seit 2011 keine Verbindung mehr zu dem Zulieferer.

Foto: Häuserzeilen im Norden Dhakas

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