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Bangladeschs Textilbranche wirbt nach Fabrikeinsturz um Vertrauen

Savar (afp) – Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 380 Todesopfern hat die Bekleidungsindustrie des Entwicklungslandes bei ausländischen Konzernen wie H&M um Vertrauen geworben. Der Branchenverband sicherte am Montag Maßnahmen zu, um derartige Tragödien in der Zukunft zu verhindern. Da keine Hoffnung auf Überlebende mehr bestand, setzten die Einsatzkräfte am Unglücksort schweres Gerät ein.

„Wir wollen ihnen versichern, dass wir das Notwendige unternehmen, um zu verhindern, dass derartige Tragödien sich wiederholen“, sagte der Vize-Präsident von Bangladeschs Textilverband, Shahidullah Azim, der Nachrichtenagentur AFP vor einem Treffen mit ausländischen Großkunden in Dhaka. Dabei sollten internationale Bekleidungsketten wie H&M und C&A von einer weiteren Zusammenarbeit mit den rund 4500 Firmen überzeugt werden, die der Branchenverband vertritt. „Wir werden um ihr Verständnis werben und sie darum bitten, keine Bestellungen oder Lieferungen zurückzunehmen“, sagte Azim.

Die Textilindustrie ist in Bangladesch ein bedeutender Wirtschaftszweig, er erzeugt rund 80 Prozent der nationalen Exporte. Da viele Arbeiter, insbesondere Frauen, für weniger als 40 Dollar (31 Euro) im Monat arbeiten, können ausländische Konzerne hier billig produzieren.

Bei der am Mittwoch eingestürzten Fabrik handelte es sich um ein illegal errichtetes Gebäude, das fünf Werkstätten beherbergte. Bislang bestätigten nur die spanische Kleidermarke Mango und die britische Firma Primark, dass sie dort arbeiten ließen. Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine „einmalige Bestellung“ in der Fabrik.

Am Unglücksort in Savar, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, kamen am Montag zwei Kräne zum Einsatz, die mehrere tonnenschwere Betontrümmer wegräumen sollten. Zuvor hatten Einsatzkräfte tagelang nach Überlebenden gegraben. Aus Angst, verschüttete Überlebende zu gefährden, verzichteten sie auf schweres Gerät.

Am Sonntag brach allerdings ein Brand in den Trümmern aus, der die mutmaßlich letzte überlebende Verschüttete tötete und zudem drei Feuerwehrleute verletzte. „Sie war eine tapfere Dame, die bis zum Schluss gekämpft hat“, sagte Feuerwehrchef Ahmed Ali. Ein Einsatzleiter versicherte, auch wenn sie nun keine Überlebenden mehr unter den Trümmern vermuteten, würden die Einsatzkräfte weiter „sehr vorsichtig“ vorgehen.

Bislang wurden 382 Todesfälle bei dem Unglück bestätigt. Es wurde aber erwartet, dass durch den Einsatz des schweren Geräts nun noch mehr Todesopfer gefunden werden. Zum Unglückszeitpunkt sollen sich etwa 3000 Menschen in der Fabrik aufgehalten haben, etwa 2500 überlebten den Einsturz. Es war der schlimmste Industrieunfall in Bangladeschs Geschichte.

Regierungschefin Sheikh Hasina besuchte am Montag erstmals den Unglücksort sowie Überlebende im Krankenhaus. Tausende Textil-Arbeiter demonstrierten derweil erneut und forderten die Todesstrafe für die Eigentümer der eingestürzten Fabrik. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern. Laut einem örtlichen Fernsehsender zündeten einige von ihnen Autos an, woraufhin die Beamten Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt hätten.

Bislang wurden im Zusammenhang mit dem Unglück sieben Menschen festgenommen, darunter der Eigentümer des Gebäudes. Gefahndet wird überdies nach dem spanischen Unternehmer David Mayor, der in dem Gebäude nach eigenen Angaben eine „ethische Fabrik“ betrieben hatte.