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Eingestürztes Gebäude in Bangladesch nicht als Textilfabrik gedacht

Dhaka (afp) – Das im April eingestürzte Fabrikgebäude in Bangladesch war nach Angaben des Architekten eigentlich als Einkaufszentrum mit einzelnen Geschäften gedacht und nicht für die Unterbringung von Textilbetrieben. Der festgenommene Gebäudebesitzer habe grundlegende bautechnische Prinzipien ignoriert, sagte der Architekt und Universitätsprofessor Masood Reza der Nachrichtenagentur AFP. Beim Anblick der Bilder von hilfeschreienden Opfern unter den Trümmern habe er „Schmerz und seelische Qualen“ verspürt.

Reza zufolge hatte seine Firma das Gebäude bei der Planung im Jahr 2004 nur auf sechs und „nicht auf neun oder gar zehn Stockwerke“ ausgelegt. Außerdem sei von Anfang an klar gewesen, dass die Deckenkonstruktion keinen schweren Maschinen wie Generatoren standhalten würde. „Als wir das Gebäude gestalteten, haben uns der Besitzer und der Entwickler nie gesagt, dass dort Textilfabriken untergebracht werden sollten“, sagte Reza. „Wenn sie uns das gesagt hätten, wären Struktur und Design anders und stabiler ausgefallen.“

Das Gebäude, in dem fünf Textilfabriken untergebracht waren, war am 24. April eingestürzt. Mehr als 3000 Arbeiter wurden unter den Trümmern verschüttet. Nach neuesten Armeeangaben vom Sonntagmorgen kamen mindestens 572 Menschen ums Leben. Es war die tödlichste Industriekatastrophe in der Geschichte des Landes. Zwölf mutmaßliche Schuldige, darunter der Besitzer des Gebäudes und vier Fabrikbetreiber, wurden im Zusammenhang mit der Katastrophe bislang festgenommen.