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Kirchentag diskutiert Land Grabbing – Deutsche Bank stellte sich Kritik an Finanzprodukten

Weltweit haben die Äcker im Zuge der Bewirtschaftung 30 Prozent ihrer Fruchtbarkeit verloren. Aufgrund des Klimawandels werden für Afrika Ernterückgänge von bis zu 40 Prozent erwartet. Und 50 Prozent der landwirtschaftlich genutzten unterirdischen Wasservorräte sind bereits verbraucht. Diese Zahlen präsentierte der Journalist Wilfried Bommert auf dem Kirchentag in Hamburg als einen Grund für den Erwerb großer landwirtschaftlicher Flächen durch Finanzinvestoren mit manchmal zweifelhaften Mitteln, das sogenannte Land Grabbing.

Hamburg (csr-news) – Weltweit haben die Äcker im Zuge der Bewirtschaftung 30 Prozent ihrer Fruchtbarkeit verloren. Aufgrund des Klimawandels werden für Afrika Ernterückgänge von bis zu 40 Prozent erwartet. Und 50 Prozent der landwirtschaftlich genutzten unterirdischen Wasservorräte sind bereits verbraucht. Diese Zahlen präsentierte der Journalist und Fachbuchautor Wilfried Bommert am 4. Mai auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg als einen Grund für den Erwerb großer landwirtschaftlicher Flächen durch Finanzinvestoren mit manchmal zweifelhaften Mitteln, das sogenannte Land Grabbing. Denn diese Unsicherheiten verursachten Preisschwankungen und „schwankende und hohe Preise sind der geniale Boden für Spekulanten“, so Bommert. Der Erwerb solcher Flächen entzöge Kleinbauern ihre Existenzgrundlage und erfolge vorwiegend in Staaten, in denen diese ihre Rechte nicht wahrnehmen könnten. Dabei seien inzwischen Flächen in der Größe Westeuropas vom Land Grabbing betroffen. Die Landwirtschaft in Entwicklungsländern brauche zwar dringend Investitionen, aber die sollten in Form von Ausbildung und Infrastrukturverbesserungen den Kleinbauern zugutekommen, sagte Bommert.

Sojaanbau verdrängt Urwald

Aus dem Norden Argentiniens berichtete die Landrechte-Aktivistin Ana Laura Alvarez (Buenos Aires) davon, dass immer mehr Urwaldflächen für den Sojaanbau gerodet würden. Dabei verlören die Angehörigen indigener Völker ihre Jagd- und Fischgründe. Zwar seien die Landrechte dieser Menschen in der Verfassung Argentiniens verbrieft. Jedoch wüssten die verkaufenden Regierungsstellen häufig nicht, welche Urwaldflächen von den Einwohnern wie genutzt würden.

Finanzinstitute unterzeichnen Selbstverpflichtung

Die Nachhaltigkeitsverantwortliche der Deutschen Bank, Sabine Miltner, sagte: „Landspekulation ist etwas, wo unsere Fonds nicht unterwegs sind.“ Ihr Haus habe die Principles for Responsible Investment unterzeichnet, eine Selbstverpflichtung der Finanzbranche. Die Unterzeichner sichern zu, gesellschaftliche Themen wie die Menschenrechte bei der Auswahl von Vermögensanlagen zu berücksichtigen. Diese Grundsätze würden nun schrittweise umgesetzt, aber „das geht nicht von heute auf morgen“, so Miltner. Zudem stelle die Deutsche Bank gemeinsam mit dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) über den „Africa Agriculture Trade and Investment Fund“ afrikanischen Bauern und Kleinunternehmern günstige Kredite zur Verfügung, um den Agrarsektor dort zu stärken. Kritischen Fragen aus dem Publikum musste sich Miltner zum Engagement der Deutschen Bank im Handel mit Agrarrohstoffen stellen. Das Finanzinstitut hatte nach einer kontrovers geführten öffentlichen Diskussion beschlossen, nicht daraus auszusteigen. Es gebe keine stichhaltigen Untersuchungen, die eine Verantwortung der Investoren für steigende Lebensmittelpreise belege, sagte Miltner.