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Riesenhäfen als globale „Ballungszentren der Bioinvasion“

Oldenburg (afp) – Vielbefahrene Häfen und Schifffahrtsrouten sind die wichtigsten Einfallstore für das Einschleppen fremder Tier- und Pflanzenarten aus dem Meer. Zu diesem Schluss kommt eine am Sonntag veröffentlichte Studie der Universitäten Oldenburg und Bristol, die die die globalen Transportwege von per Schiff verbreiteten „Bioinvasoren“ erkundete. Die Modellrechnungen zeigten „alle die gleichen Hotspots und Hochrisikorouten für Bioinvasion an“, erklärte Michael Gastner, Biologe der Universität Bristol.

Wahre „Ballungszentren der Bioinvasion“ sind nach Angaben der Forscher aus Deutschland und Großbritannien schon aufgrund ihrer Verkehrsdichte Riesenhäfen wie Hongkong und Singapur, die zu den Top 3 der Welt zählen. Aber es ist nicht allein die Zahl der Schiffsbewegungen, die das Risiko des Einschleppens von Tieren und Pflanzen in Ballastwassertanks oder am Rumpf erhöht. Das Expertenteam identifizierte zusätzliche Faktoren, darunter den Schiffstyp sowie die Gegebenheiten am Start- und Zielpunkt.

Containerschiffe etwa fahren schneller als Öltanker und könnten deshalb die Invasion von fremden Arten beschleunigen, erklärte die Universität Oldenburg zu der Untersuchung, die in der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ veröffentlicht wurde und auf der mathematischen Analyse von fast drei Millionen Schiffsbewegungen aus den Jahren 2007 und 2008 basiert. Entscheidend seien darüber hinaus auch die Wassertemperaturen und die gesamte Bio-Geografie.

So sei das Risiko des Einschleppens fremder Arten in der ebenfalls stark befahrenen Nordsee mit großen Seehäfen wie Hamburg (Top 14 weltweit) relativ gering. Die großen Nordsee-Häfen seien zwar ebenfalls wichtige Zielpunkte für Schiffe aus Asien, die niedrigen Wassertemperaturen sorgten allerdings dafür, dass aus wärmeren Gebieten „mitgereiste“ Tiere und Pflanzen weitaus geringere Überlebenschancen haben.

Ähnliche natürliche Bedingungen wie in der Nordsee gebe es lediglich an der US-Ostküste mit ihren Häfen wie New York. „Wir verglichen unsere Modellergebnisse mit Felddaten. Und tatsächlich, die meisten invasiven Arten, die in der Nordsee vorkommen, haben ihre Heimat an der nordamerikanischen Ostküste“, erklärte der Oldenburger Biologe und Studien-Mitautor Hanno Seebens.

Mit ihren „Invasionsrisiko“-Karten wollen die Forscher den Kampf gegen die Ausbreitung fremder Tiere und Pflanzen unterstützen. „Bioinvasoren“ können im schlimmsten Fall einheimische Arten verdrängen und ganze Ökosysteme verändern. Eine Lösung für das weltweite Problem haben die Experten bereits anzubieten. „Der beste Schutz gegen Bioinvasion ist es, sie einfach nicht zuzulassen. Das bedeutet, dass potenzielle Invasoren einfach nicht von Bord dürfen“, erklärte Studienleiter Bernd Blasius aus Oldenburg. Das Ballastwasser auf Schiffen müsse permanent mit Filtern, Chemikalien oder keimtötendem UV-Licht gereinigt werden.