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Arbeitsplätze auf dem Land: Oasis Coffins baut in Bangladesch Kindersärge für Europa

Bangladesch braucht für eine wirtschaftlich sichere Entwicklung ein Wachstum auch in anderen Branchen als der Textilindustrie. 400 Kilometer nördlich von Dhaka produziert Oasis Coffins ein ungewöhnliches Produkt für den europäischen Markt: Kindersärge.

Dhaka (csr-news) – Bangladesch braucht für eine wirtschaftlich sichere Entwicklung ein Wachstum auch in anderen Branchen als der Textilindustrie. 400 Kilometer nördlich von Dhaka produziert Oasis Coffins ein ungewöhnliches Produkt für den europäischen Markt: Kindersärge.

Hinter dem im Jahr 2006 gegründeten Unternehmen steht der britische Landmaschinenmechaniker David How, der als technischer Berater einer NGO nach Bangladesch kam. Hier traf er auf eine „Einstellung, die Armut akzeptierte“. How machte sich auf die Suche nach einem Geschäftsmodell, um Menschen im Hinterland von Bangladesch Beschäftigung anzubieten und ihnen so eine wirtschaftliche Zukunft zu eröffnen. Bambus und Seegras stehen in dem asiatischen Land reichlich zur Verfügung. Gemeinsam mit einem britischen Bestattungsunternehmer erkundete How die Marktchancen für aus diesen Materialien gefertigte Kindersärge und entwarf dafür Designs.

In den ersten Jahren von Oasis Coffins habe vor allem der gesellschaftliche Nutzen des Unternehmens für die Menschen im Bezirk Nilphamari, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Indien entfernt, sein Denken beschäftigt. „Wir waren naiv“, sagt How. Vor zwei Jahren habe sein Unternehmen dann einen deutlichen Professionalisierungsschub erlebt: Oasis Coffins entwickelte seinen Businessplan weiter, gewann nachhaltigkeitsinteressierte Investoren, entwickelte ein Berichtssystem, arbeitete an seiner Markenbildung und verbesserte seine Kundenkommunikation. In Zukunft werde er stärker auf den Nachweis von Zertifizierungen als auf das Story Telling setzen, sagt der Manager.

Heute beschäftigt David How etwa 85 Mitarbeiter und arbeitet bei einem Jahresumsatz von etwa 600.000 US Dollar (knapp 500.000 Euro) wirtschaftlich erfolgreich. Kindersärge werden vor allem nach Großbritannien, Irland und die Niederlande exportiert, aber auch in andere europäische Länder – darunter Deutschland. Oasis Coffins hat sich dem Fair Trade Forum Bangladesch ECOTA angeschlossen, arbeitet nach den Prinzipien des fairen Handels und lässt sich danach extern auditieren. Im Unternehmen gibt es demokratisch gewählte Betriebsräte, was in Bangladesch alles andere als selbstverständlich ist. Neben einem fairen Lohn für Männer und Frauen bietet die Firma ihren Mitarbeitern Alphabetisierungskurse und unterstützt sie beim Sparen für Notfälle und für die Rente. In Kooperation mit einer NGO unterstützt Oasis Coffins die Entwicklung regionaler Projekte. Und ebenfalls in Kooperation mit einer NGO – Supoth – stellt das Unternehmen den Bezug von nachhaltigem Bambus und Seegras als Rohmaterial für die Kindersärge sicher. Weidenhölzer werden aus China zugeliefert, die Herkunft aller Materialien und alle Verarbeitungsschritte sollen rückverfolgbar sein.

85 Mitarbeiter sind angesichts der über 150 Millionen Menschen in Bangladesch nicht viel. „Jeder startet mit etwas Kleinem“, sagt How – und setzt auf die Expansion seiner Firma.

Oasis Coffins im Internet:
www.oasiscoffins.com