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Bundeskanzlerin: Arbeitslöhne von 23 Cent pro Stunde nicht hinnehmen

Einen stärkeren Einsatz für faire Löhne in der textilen Lieferkette hat Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) am Montag in Berlin gefordert. „Wenn man von 23 Cent pro Stunde für etwas liest, was wir für viel Geld in unseren Läden kaufen, dann geht das nicht an“, sagte die Kanzlerin im Blick auf aktuelle Berichte aus Bangladesch vor den 1.300 Teilnehmern der Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrates.

Berlin (csr-news) – Einen stärkeren Einsatz für faire Löhne in der textilen Lieferkette hat Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) am Montag in Berlin gefordert. „Wenn man von 23 Cent pro Stunde für etwas liest, was wir für viel Geld in unseren Läden kaufen, dann geht das nicht an“, sagte die Kanzlerin im Blick auf aktuelle Berichte aus Bangladesch vor den 1.300 Teilnehmern der Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrates. Die betroffenen Länder hätten selbst bereits erkannt, dass durch die Globalisierung nichts anonym bleibe. „Hier muss man wirklich eingreifen. Ich werde das auch in meinen internationalen Gesprächen zunehmend machen“, kündigte Merkel an.

Europa dürfen aber „nicht singulär bleiben“, wenn es nachhaltigkeitsorientierte Maßstäbe setze. Wenn etwa Europa für die Produktion von Palmöl Zertifikate verlange, gelte es aufzupassen, dass nicht weiterhin unökologisch angebautes Palmöl in andere Länder exportiert werde.

Als gutes Beispiel bezeichnete Merkel die Verwaltungspraxis, die ihre Beschaffung an Nachhaltigkeitskriterien ausrichte. „Zwar verlangt das deutsche Vergaberecht, dass das wirtschaftlichste Angebot den Zuschlag erhält. Das allerdings ist nach unserer Überzeugung vom billigsten Angebot zu unterscheiden.“ Lebenszykluskosten und Umwelteigenschaften spielten ebenfalls eine Rolle. Merken schaltete während der Veranstaltung eine Informationsplattform zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung frei: www.nachhaltige-beschaffung.info.

Die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme, regte an, Nachhaltigkeit zu einem breiten europäischen Kulturmodell zu machen. „Europa braucht eine starke Nachhaltigkeitsstrategie, und die wird in Brüssel nur so stark sein können, wie wir sie in Deutschland machen“, so Thieme. Konkret forderte Thieme nachhaltige Maßstäbe für das europäische Finanzsystem: „Der Staat und die Europäische Union werden daher noch viel mehr ihre Führungsrolle wahrnehmen müssen und darauf schauen, dass das Geld dahin fließt, wo es produktiv zukunftsorientiert verwendet wird.“

Zudem sagte Thieme, es müsse zur Frage nach dem gesellschaftlichen Wohlergehen alternative Maßstäbe zum Bruttosozialprodukt geben. Die Ratsvorsitzende weiter: „Den Menschen ist die Frage nach Glück und Zufriedenheit, Chancen und Gerechtigkeit wichtig. Und Politik – und auch die Wirtschaft – muss dem dienen, was den Menschen wichtig ist.“

In den Foren und Diskussionen der Jahrestagung wurde eine große Bandbreite von Themen angesprochen. Die Inhalte reichten von globalen Fragen rund um die Millenniumsziele, für die im Rahmen einer Videokonferenz Farooq Ullah vom Stakeholder Forum in London zugeschaltet war, bis zur Vorstellung vielfältiger Nachhaltigkeitsinitiativen aus Deutschland. Dank der schlagkräftigen Moderation von Katrin Bauerfeind konnten dabei am Nachmittag die „Jungen Impulse für Nachhaltigkeit“ die globaler gefassten Experteninputs um wichtige Gedanken ergänzen. Dabei verstand es Bauerfeind im Gespräch mit Politikern und Unternehmensvertretern, durch unverblümte Nachfragen Antworten nicht im Ungefähren zu belassen.

Im Rahmen des RNE-Projekts „Contemporary Carlowitz“ stellten junge Engagierte ihre Initiativen vor. Die Schülerin Caroline Tisson unterstrich, dass nachhaltiges Wachstum in einer begrenzten Welt nur in der Zusammenarbeit aller Generationen zu erreichen sein werde. Die Bandbreite der Themen reichte von demographischen Problemen der Gegenwart über zivilgesellschaftliche Aktivitäten im Bereich der Bildung bis zu klassischen Umweltthemen. Ein weiterer Teilnehmer von Contemporary Carlowitz, David Reiner, beleuchtete die fehlende Wiederverwertbarkeit digitaler Kommunikationsgeräte, wodurch bisher viel zu oft ein nachhaltiger Umgang mit Elektroschrott verhindert werden werde.

Foto: Ein Graphiker vereint alle Themen des Tages in einer Art graphischen Zusammenfassung in einem einzelnen Schaubild.