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Das Brandschutzabkommen in Bangladesch ist erst ein Anfang

Mit der Unterzeichnung eines Brandschutzabkommens zwischen Gewerkschaften und 24 globalen Unternehmen sind die Probleme in der Textilindustrie von Bangladesch nicht gelöst. Zu lange haben die bengalischen Unternehmer und ihre Lobbyorganisationen – bestens vernetzt mit der Politik – tiefgreifenden Veränderungen im Weg gestanden. Ein Kommentar von Achim Halfmann

Hückeswagen (csr-news) – Mit der Unterzeichnung eines Brandschutzabkommens zwischen Gewerkschaften und 24 globalen Unternehmen sind die Probleme in der Textilindustrie von Bangladesch nicht gelöst. Zu lange haben die bengalischen Unternehmer und ihre Lobbyorganisationen – bestens vernetzt mit der Politik – tiefgreifenden Veränderungen im Weg gestanden.

Ein Kommentar von Achim Halfmann

Nach dem verheerenden Gebäudeeinsturz Ende April im Norden Dhakas mit über 1.100 Toten erscheint auf einmal alles möglich: Die Regierung beseitigt Zugangshürden, die den Einzug der Gewerkschaften in die Fabriken erschwerten, und setzt eine Kommission ein, die über eine Anhebung des Mindestlohns entscheiden soll. Politik und Wirtschaft sitzen offensichtlich der Schock aus dem Jahr 1993 im Nacken, als nach Berichten über Kinderarbeit in den Textilfabriken Bangladeschs die Auslandsumsätze um die Hälfte einbrachen. Das Umlenken kommt spät, für tausende Opfer zu spät, zu lange hat der schnell verdiente Euro (oder Taka) gelockt. Dass jetzt der Vorsitzender der Vereinigung der bengalischen Textilhersteller und -exporteure (BGMEA), Atiqul Islam, die Unterzeichnung des Abkommens zwischen globalen Unternehmen und Gewerkschaften als eine „sehr gute Sache für uns alle“ bezeichnet, hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Nach der Katastrophe Ende April konnten sich die globalen Handelsmarken der Unterzeichnung dieses Abkommens mehr entziehen. Denn zweifelsohne repräsentieren Gewerkschaften die Menschen, die unter den verheerenden Produktionsbedingungen am meisten leiden und die solche Missstände als erste erleben: die Arbeiter. Indes hatte die Zurückhaltung der internationalen Unternehmen auch gute Gründe. Die Gewerkschaften des Landes sind politisiert, ihre Vertreter selten demokratisch legitimiert und sie sind unerfahren. Was die nun unterzeichnete Vereinbarung nicht benennt: Nicht nur Brandschutzinspektoren, sondern auch die Funktionäre der Gewerkschaften müssen weitergebildet und qualifiziert werden. Unternehmen tun gut daran, wenn sie sich auch dieser Aufgabe stellen. Aber ebenso ist die Zivilgesellschaft gefordert, denn auch deutsche Gewerkschaften oder politische Stiftungen könnten hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Nun also tragen globale Unternehmen und Gewerkschaften gemeinsam Verantwortung für eine sichere Entwicklung des Textilsektors in Bangladesch. Die Zukunft muss zeigen, was sie miteinander bewirken können. Das vor ihnen liegende Arbeitspensum ist gewaltig.