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Studie: Einfluss nachhaltiger Kapitalanlagen auf die Unternehmensführung

Mehr als 10 Billionen Euro werden inzwischen weltweit nach sozialen und ökologischen Aspekten investiert. Der Marktanteil nachhaltiger Kapitalanlagen liegt damit bei knapp 22 Prozent. Haben diese Investments einen Einfluss auf die verantwortungsvolle Führung von Unternehmen? Die Ratingagentur oekom-research hat in einer Studie diesen Zusammenhang nachgewiesen. Die Ergebnisse sind auch für das eigene Metier relevant.

München (csr-news) > Mehr als 10 Billionen Euro werden inzwischen weltweit nach sozialen und ökologischen Aspekten investiert. Der Marktanteil nachhaltiger Kapitalanlagen liegt damit bei knapp 22 Prozent. Haben diese Investments einen Einfluss auf die verantwortungsvolle Führung von Unternehmen? Die Ratingagentur oekom-research hat in einer Studie diesen Zusammenhang nachgewiesen. Die Ergebnisse sind auch für das eigene Metier relevant.

Für knapp zwei Drittel der von oekom research befragten Unternehmen waren die Anforderungen von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen ein ausschlaggebender Faktor, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Beinahe jedes dritte Unternehmen gibt an, dass die Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten die Gesamtstrategie des Unternehmens beeinflussen. Die Ergebnisse stammen aus Befragungen von 199 Unternehmen aus knapp 30 Ländern und 34 Branchen. „Die Studie zeigt klar, dass der Hebel funktioniert“, fasst Robert Haßler, CEO von oekom research, die Ergebnisse der Studie zusammen. So waren bei 61,3 Prozent der befragten Unternehmen die Anforderungen von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen ein ausschlaggebender Faktor, sich überhaupt mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Größere Bedeutung hatten hier nach Aussage der Unternehmen nur die Forderungen von Kunden. Beinahe jedes dritte Unternehmen gibt an, dass die Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten die Gesamtstrategie des Unternehmens beeinflussen. Einen Einfluss auf die eigene Nachhaltigkeitsstrategie bestätigen 60,3 Prozent der Unternehmen, auf konkrete Maßnahmen im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagements sogar 68,9 Prozent. Mehr als 60 befragte Unternehmen nennen konkrete nachhaltigkeitsbezogene Aktivitäten, die sie unmittelbar auf entsprechende Anfragen aus dem nachhaltigen Kapitalmarkt zurückführen: 25 Beispiele beziehen sich dabei auf die Erhebung von Daten sowie Umfang und Terminierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Bemerkenswerte 14 Mal werden Aktivitäten im Bereich des Zuliefermanagements genannt, sieben Mal das Thema Menschenrechte. Für fast neun von zehn Unternehmen (87,9 Prozent) ist es wichtig oder sogar sehr wichtig, ein gutes Nachhaltigkeitsrating zu erhalten bzw. in Nachhaltigkeitsindizes und -fonds aufgenommen zu werden. 97 Prozent der Unternehmen versprechen sich von einem guten Nachhaltigkeitsrating einen positiven Effekt für die eigene Reputation. Immerhin wirkt sich das Abschneiden in Nachhaltigkeitsratings bei fast jedem dritten Unternehmen auch auf die Vergütung aus.

Neben dem Einfluss auf Unternehmen bedeutet die Wirkung von Nachhaltigkeitsratings vor allem für die Ratingagenturen eine höhere Verantwortung, größtmögliche Sorgfalt sowie hohe Standards für die Unternehmensbewertung. Dazu zählt vor allem Transparenz über Kriterien, Methoden und Prozesse. Genau hier gibt es zumindest aus Sicht der Unternehmen Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Unternehmen hat nämlich keine klare Vorstellung davon, wie ihre Bewertung zustande gekommen ist. Zur Verantwortung gehört aber auch die Unabhängigkeit der Ratingagenturen. Diese muss sich nach Überzeugung von oekom research in der klaren Trennung von Bewertung und Beratung sowie in einem Geschäftsmodell niederschlagen, bei dem nicht der Emittent für das Rating bezahlt, sondern die nachhaltigkeitsorientierten Investoren als Nutzer der Informationen