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Merkel gegen „Entgleisung aus Leitplanken“ sozialer Marktwirtschaft

Vatikanstadt (afp) – Nach einer Privataudienz bei Papst Franziskus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer „Entgleisung aus den Leitplanken der sozialen Marktwirtschaft“ gewarnt. Die Wirtschaft sei eigentlich dafür da, „dass sie den Menschen dient“, sagte Merkel am Samstag bei ihrem Besuch in Rom. Dies sei jedoch „in den vergangenen Jahren längst nicht überall der Fall gewesen“. Die „Regulierung der Finanzmärkte“ sei „unsere zentrale Aufgabe“, sagte Merkel, als sie auf Kritik des Papstes an der Macht der Finanzmärkte angesprochen wurde.

Das Thema werde auf dem G-20-Gipfel im September in St. Petersburg „wieder eine fundamentale Rolle spielen“, sagte Merkel. „Wir erleben, dass Krisen daraus entstanden sind, dass die soziale Marktwirtschaft nicht gegolten hat, dass Staaten alleine keine Leitplanken eingezogen haben“. Der Papst hatte am Donnerstag gesagt, „das Geld“ müsse „dienen, es darf nicht regieren“. Als Ursache der globalen Finanzkrise benannte das Oberhaupt der katholischen Kirche die „neuen Götzen“ der Menschheit, den „Geldfetischismus und die Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne menschliche Ziele“.

In ihrem Gespräch mit Papst Franziskus sei es vor allem um die Globalisierung und die Rolle Europas in der Welt gegangen, sagte die Kanzlerin. Der Papst habe deutlich gemacht, „dass Europa auf der Welt gebraucht wird und dass wir ein starkes, ein gerechtes Europa brauchen“. Zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger Papst Benedikt XVI. gebe es Kontinuität darin, die Bedeutung des „Christentums für unsere europäischen Wurzeln“ hervorzuheben.

Merkel lehnte es ab, Vergleiche zwischen den beiden Päpsten zu ziehen. Sie sagte lediglich, sie freue sich, dass es „sehr gute Begegnungen“ zwischen dem amtierenden Papst und seinem emeritierten Vorgänger gegeben habe, der nach einem Aufenthalt in der Residenz Castel Gandolfo bei Rom inzwischen in den Vatikan zurückgekehrt ist.

Die Privataudienz Merkels bei Papst Franziskus dauerte eine Dreiviertelstunde. Anschließend traf die Kanzlerin noch kurz mit dem „Außenminister“ des Vatikans, Dominique Mamberti, zusammen. Merkel erinnerte daran, dass sie Papst Franziskus schon bei der Amtseinführung im März nach Deutschland eingeladen habe.

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