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Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef beschwört Kulturwandel

Frankfurt/Main (afp) – Vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Donnerstag in Frankfurt am Main hat der Chef des Aufsichtsrates, Paul Achleitner, den Willen des Unternehmens zu einem Kulturwandel betont. „Wir arbeiten alles auf, was falsch gelaufen ist“, sagte Achleitner der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Deutsche Bank verzichte lieber auf ein Geschäft, „bevor wir uns hinterher Ärger einhandeln“. Es werde aber geraume Zeit dauern, bis „die Bankindustrie wieder das Standing und das Vertrauen aufgebaut haben werden, das sie vorher hatte.

Die Deutsche Bank hatte im September eine neue Geschäftsstrategie angekündigt. Der Konzern will unter anderem 1900 Stellen abbauen, vorwiegend im Investmentbanking. Zudem versicherte die Bank, einen Kulturwandel in der Branche mit vorantreiben zu wollen.

Dem Konzern drohen hohe Schadenersatzzahlungen im Zusammenhang mit der Pleite des Medienkonzerns Kirch. Auch laufen gegen die Deutsche Bank Untersuchungen wegen der Manipulation wichtiger internationaler Zinssätze. Risikobehaftete, strategisch nicht mehr wichtige Geschäftsaktivitäten hat die Deutsche Bank bereits in eine Art interner „Bad Bank“ ausgelagert und baut diese ab.

Bei der Aufklärung des Zinssatz-Skandals versprach Achleitner Untersuchungen „mit aller Härte“. Es sei „völlig inakzeptabel“, wenn es Versuche gegeben habe, den Zinssatz Libor zu beeinflussen, sagte er der Zeitung. Den heutigen Co-Chef der Bank, Anshu Jain, zuvor Leiter der Investmentabteilung in London, nahm der Aufsichtsratsvorsitzende in der Affäre ausdrücklich in Schutz: „Herrn Jain ist persönlich nichts vorzuwerfen.“