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SAP schafft hunderte Jobs für IT-Spezialisten mit Autismus

Der Software-Konzern SAP will verstärkt Menschen mit Autismus als IT-Spezialisten einstellen. Bis 2020 wolle das Unternehmen weltweit 650 Autisten als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung beschäftigen, Der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus rief andere Konzerne auf, dem Vorbild des Dax-Konzerns zu folgen.

Walldorf (afp) – Der Software-Konzern SAP will verstärkt Menschen mit Autismus als IT-Spezialisten einstellen. Bis 2020 wolle das Unternehmen weltweit 650 Autisten als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung beschäftigen, sagte ein SAP-Sprecher am Dienstag im baden-württembergischen Walldorf. Der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus rief andere Konzerne auf, dem Vorbild des Dax-Konzerns zu folgen.

Etwa ein Prozent der Menschen weltweit ist von Autismus betroffen. Diese Quote strebt auch der 65.000 Mitarbeiter starke SAP-Konzern mit seiner Initiative an. SAP setzte mit dem Programm auf Menschen, „die anders denken und so Innovationen fördern“, erklärte Personalvorstand Luisa Delgado.

Die Initiative sei „ein guter Ansatz, sich an den oftmals besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Autismus zu orientieren“, begrüßte Friedrich Nolte vom Bundesband zur Förderung von Menschen mit Autismus den Vorstoß des Unternehmens. Solche Fähigkeiten autistischer Menschen könnten etwa Genauigkeit, eine gute Beobachtungsgabe oder ein Sinn für Details sein. In Abteilungen für Qualitätskontrolle und Fehlersuche könnten Menschen mit solchen Veranlagungen besonders gute Dienste leisten, erklärte Nolte.

SAP hat eigenen Angaben zufolge in Indien bereits sechs autistische Softwaretester angestellt. In Irland sollten demnächst fünf Stellen geschaffen werden. Noch 2013 solle das Projekt zudem in Deutschland sowie in den USA und in Kanada beginnen. Wie viele Arbeitsplätze für IT-Spezialisten mit Autismus in der Bundesrepublik bis 2020 entstehen sollen, steht dem Konzern-Sprecher zufolge allerdings noch nicht fest.

Unterstützt wird SAP bei dem Projekt von dem dänischen Unternehmen Specialisterne, das sich auf die Vermittlung von Menschen mit Autismus in der IT-Branche spezialisiert hat. Specialisterne sei dazu da, die Interessenten für ihre Aufgaben bei SAP „fit zu machen“, sagte der Sprecher. Zudem solle der dänische Partner dafür Sorge tragen, den neuen Mitarbeitern ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das den speziellen Anforderungen von Menschen mit Autismus entspricht. Wichtig sind demnach beispielsweise ein streng geregelter Arbeitsalltag, ein gewohntes Arbeitsumfeld und feste Ansprechpartner.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürwortete den Vorstoß von SAP. „Es kommt auf das Engagement der Unternehmen an, ob Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz finden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Hier gebe es noch „sehr viel Spielraum für Vielfalt“, der bislang von den meisten Unternehmen noch viel zu wenig erschlossen werde. „Wenn die Unternehmen ihrer Verantwortung hier nicht aus eigener Initiative nachkommen, muss die Politik sie stärker in die Pflicht nehmen“, forderte Buntenbach.

In Deutschland müssen Unternehmen ab 20 Beschäftigten mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten besetzen und ansonsten eine Strafabgabe zahlen. Angaben der Bundesagentur für Arbeit zur Situation im Jahr 2011 zufolge lagen die privaten Arbeitgeber allerdings mit einer Quote von vier Prozent zuletzt unter dieser Vorgabe.