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Nicht der Tag für einen Schlussstrich: Deutsche Bank steht bei Aktionärstreffen erneut in Kritik

Einen Kulturwandel hatten die neuen Chefs der Deutschen Bank angekündigt. Doch bislang wird das größte deutsche Finanzinstitut von den Skandalen und Affären der vergangenen Jahre weiter verfolgt. So war auch die Hauptversammlung am Donnerstag nicht der Tag, um mit dieser Vergangenheit abzuschließen. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen ging deshalb in die Offensive und räumte „Fehler“ ein.

Von Martin Achter

Frankfurt/Main (afp) – Einen Kulturwandel hatten die neuen Chefs der Deutschen Bank angekündigt. Doch bislang wird das größte deutsche Finanzinstitut von den Skandalen und Affären der vergangenen Jahre weiter verfolgt. So war auch die Hauptversammlung am Donnerstag nicht der Tag, um mit dieser Vergangenheit abzuschließen. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen ging deshalb in die Offensive und räumte „Fehler“ ein. Kapitalismuskritiker nutzen das Aktionärstreffen dennoch in alter Tradition, um lautstark gegen die Geschäftspraktiken des Konzerns zu protestieren.

Schon vor der Festhalle der Messe in Frankfurt am Main erwarteten Aktivisten mit Transparenten und Flugblättern die Bankaktionäre, die am Donnerstagmorgen eintrudelten. „Stoppt den Waffenhandel!“, hieß es etwa auf einem Banner. Eine Initiative forderte von den Anteilseignern der größten deutschen Privatbank auf Flugblättern, ihre Dividende zu spenden. Das Geld soll Menschen zu Gute kommen, die unter den Folgen von Geschäften der Deutschen Bank leiden.

Der Protest setzte sich in der dezent beleuchteten Versammlungshalle fort. Während der indischstämmige Co-Vorstandschef Anshu Jain seine erste öffentliche Rede auf Deutsch hielt, kam es zu Tumulten. Kritiker der Deutschen Bank unterbrachen den Vortrag mit Zwischenrufen wie „Krisenprofiteure“ und „Kriegstreiber“. Damit spielten sie auf Geschäfte der Bank mit Rüstungsfirmen an und kritisierten den Konzern stellvertretend für andere Institute als Profiteur der Finanzkrise. Sicherheitskräfte trugen die Aktivisten fort.

Jain sprach in seiner Rede über die strategische Ausrichtung der Bank und bekräftigte, der Konzern wolle den ethischen Kulturwandel im Unternehmen weiter vorantreiben.

Jains Kollege im Amt als Konzernchef, Fitschen, äußerte sich nach den Tumulten in seiner Rede selbstkritisch zu früheren Geschäftspraktiken – stellvertretend für den Konzern. „Ja, in der Vergangenheit wurden Fehler gemacht“, sagte Fitschen. Die Fehler der Vergangenheit belasteten die Deutsche Bank „materiell, und sie belasten unseren guten Ruf“. Die Deutsche Bank müsse „das Vertrauen unserer Kunden und das der Gesellschaft insgesamt neu gewinnen“.

Es war das erste Mal, dass Fitschen und Jain den Aktionären Rechenschaft für ein Geschäftsjahr ablegte. Unterm Strich verlief die Hauptversammlung auch in diesem Jahr kaum anders als während der Führungsära des langjährigen und umstrittenen Konzernchefs Josef Ackermann: Das Management lies Proteste und Kritik gesellschaftlich engagierter Gruppen über sich ergehen – und abperlen. Vertreter großer Investmentunternehmen und betuchte Aktionäre hielten sich mit harschen Worten zurück und stützen die Konzernführung weitgehend.

Klartext von etablierten Aktionärsvertretern gab es mitunter aber dennoch. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte dem Führungsduo Jain/Fitschen ein kritisches Zeugnis aus. Die Verwicklung von Konzernmitarbeitern in die Manipulation international bedeutender Zinssätze sei „geradezu unsäglich“ gewesen und wäre „genauso, als wenn man Falschgeld drucken und unter die Leute bringen“ würde.

Auch mit Kritik an Jain, früher Leiter des Investmentbankings der Deutschen Bank, sparte Nieding nicht: Die schlechten Schlagzeilen über den Konzern in den vergangenen Monaten seien „natürlich auch Geschäften zu verdanken, die auch unter Ihrer Leitung im Geschäftsbereich Investmentbanking getätigt wurden“. Um den im vergangenen Jahr angekündigten Kulturwandel der Bank umzusetzen, sei mehr notwendig als Lippenbekenntnisse.

Jain konterte lapidar, indem er Druck von seinen eigenen Schultern und den Schultern Fitschens nahm: Mit ihrem selbst verordneten Kulturwandel habe die Deutsche Bank „noch einen weiten Weg“ vor sich, sagte er.