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Höher qualifizierte Angestellte wollen früher in Rente

Eine Antwort auf den demografischen Wandel und die daraus resultierende Belastung der Sozialkassen, war die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Dabei dreht sich die Diskussion vor allem um Berufe, in denen schwere körperliche Arbeit verrichtet wird. Als weniger problematisch werden dabei die höher qualifizierten Angestellten gesehen, doch die haben andere Pläne – eine Herausforderung für die betriebliche Alterspolitik.

Düsseldorf/Jena (csr-news) > Eine Antwort auf den demografischen Wandel und die daraus resultierende Belastung der Sozialkassen, war die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Dabei dreht sich die Diskussion vor allem um Berufe, in denen schwere körperliche Arbeit verrichtet wird. Als weniger problematisch werden dabei die höher qualifizierten Angestellten gesehen, doch die haben andere Pläne – eine Herausforderung für die betriebliche Alterspolitik.

Das Bild vom leitenden Angestellten, der an seinem letzten Arbeitstag fast aus der Firma getragen werden muss, hat ausgedient. Zwar fühlen sich auch heute noch die höher qualifizierten Angestellten sehr wohl in ihrem Beruf und betrachten den Arbeitsalltag als bereichernd für ihr Leben, aber sie wollen auch ein Leben nach der Arbeit. Michael Bahr, Abteilungsleiter im Thüringer Wirtschaftsministerium und Anja Hänel von der Universität Jena haben in einer Pilotstudie untersucht, wie sich höher qualifizierte Angestellte die letzten Jahre ihres Berufslebens vorstellen. Das interessante und teilweise auch überraschende Ergebnis: gar nicht. Ein großer Teil der sogenannten Wissensarbeiter will sich deutlich vor dem regulären Rentenalter in den Ruhestand verabschieden. Für die Untersuchung wurden 101 Angestellte aus Jena interviewt, die alle einer hoch qualifizierten Berufstätigkeit nachgehen. Wenig überraschen, für drei Viertel der Befragten trägt die berufliche Situation entscheidend zum Lebensglück und zur Selbstzufriedenheit bei. Sie fühlen sich überwiegend in ihren Unternehmen als Person anerkannt und identifizieren sich meist sowohl mit ihren Arbeitsinhalten als auch mit ihrem Arbeitgeber. Nicht minder deutlich fällt allerdings das „Aber“ aus. Die Rede ist von Hetze, Stress und psychischer Belastung am Arbeitsplatz. „Trotz positivem Leistungsbegriff und hoher Arbeitszufriedenheit empfinden die Angestellten bereits in den 50ern, dass ihnen die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht“, schreiben die Autoren. Noch deutlicher wird diese Belastung ab dem 60. Lebensjahr empfunden. Die Gründe sind zahlreich und reichen vom anhaltenden oder zunehmenden Arbeitsaufkommen, auch im hohen Alter, bis hin zu den gleichbleibend hohen Anforderungen an die Angestellten. Immerhin die Hälfte der Befragten hält ihren Arbeitsplatz nur für sicher, wenn sie diesen Erwartungen entsprechen können. Dies ist jedoch oftmals nur auf Kosten der eigenen Gesundheit möglich. „Die Arbeit läuft somit auch bei dieser Beschäftigtengruppe eher auf Verschleiß als auf Nachhaltigkeit hinaus“, so das Fazit der Autoren. Besonders stark sind die Frauen von diesem Leistungsdruck betroffen, weil sie, so die Vermutung der Autoren, stärker der Mehrfachbelastung aus beruflichen und familiären Ansprüchen (oftmals die Pflege von Familienangehörigen) standhalten müssen. Dabei wird immer mehr Zeit für die Regeneration benötigt, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Wenig verwunderlich, dass sich nur 67 Prozent der Frauen vorstellen können, diese Belastung bis zur Rente durchzuhalten. Bei den Männern können sich dies noch 80 Prozent vorstellen. Dennoch sieht die persönliche Lebensplanung meist anders aus. Immerhin 60 Prozent der Befragten wollen vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand gehen, ein großer Teil schon mit 60 Jahren und sie freuen sich schon auf diesen Tag. Am wenigsten können sich die Jüngeren vorstellen bis zum offiziellen Renteneintrittsalter durchzuhalten, der größte Teil des Jahrgangs um 1965 will bereits mit 60 Jahren das aktive Arbeitsleben beenden. Die Bereitschaft gesundheitliche Risiken einzugehen nimmt deutlich ab, die Befragten wollen noch leistungsfähig ihre sogenannte dritte Lebensphase erleben. Längere Arbeitszeiten lassen sich nur durch eine andere „Arbeitskultur des produktiven Alterns“ realisieren, so die Autoren. Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels sehen die Autoren hier deutliche Herausforderungen für die Unternehmen.

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