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Schwerin: Passt die Nestlé-Ansiedlung zur Fairtrade-Bewerbung?

220 Millionen Euro investiert Nestlé in den Bau eines Kaffeewerks in Schwerin. Ab 2014 sollen dort 450 Mitarbeiter zwei Milliarden Kaffee-Kapseln jährlich produzieren. Ein Geschenk für die wirtschaftliche schwache Region. Doch kurz vor der für Freitag geplanten Grundsteinlegung regt sich Kritik: Die Ansiedelung von Nestlé gefährde die Bewerbung Schwerins um den Titel Fairtrade-Stadt, so die Kritiker.

Schwerin (csr-news) – 220 Millionen Euro investiert Nestlé in den Bau eines Kaffeewerks in Schwerin. Ab 2014 sollen dort 450 Mitarbeiter zwei Milliarden Kaffee-Kapseln jährlich produzieren. Ein Geschenk für die wirtschaftliche schwache Region. Doch kurz vor der für Freitag geplanten Grundsteinlegung regt sich Kritik: Die Ansiedelung von Nestlé gefährde die Bewerbung Schwerins um den Titel Fairtrade-Stadt, so die Kritiker.

Zu den Kritikern gehört der Vorstand im Weltladen der Aktionsgruppe Eine Welt in Schwerin, Ralf Göttlicher. Er sei enttäuscht, dass sich ein Global Player wie Nestlé so wenig für den fairen Handel in der Welt engagiere, sagte er der Schweriner Volkszeitung (Montagsausgabe). Auf einer Facebook-Seite „Fairtrade Stadt Schwerin gegen Nestle“ werfen Kritiker dem Konzern vor, durch den Kauf von Wasser-Konzessionen und die Privatisierung von Quellen in der dritten Welt zu Preissteigerungen mit katastrophalen Auswirkungen auf die dortige Bevölkerung beigetragen zu haben. 65 Likes weist die Facebookseite bisher auf (Stand Montagabend).

„Schwerin will fairtrade-stadt werden. Und da wirkt es ziemlich unglaubwürdig, sich Nestlé in die Stadt zu holen“, heißt es auf der Facebook-Kampagnenseite. Die Kriterien für Fairtrade-Städte fragen jedoch nicht nach dem produzierenden Gewerbe einer Stadt, sondern nach der Beteiligung der Kommune am Fairtrade-Prozess und dem Angebot fairer Produkte im Handel.

Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) sagte gegenüber der Schweriner Volkszeitung, die Stadt habe sich „ohne Vorbehalte“ für die Ansiedlung eingesetzt. Über die Investitionen und die entstehenden gewerblichen Arbeitsplätze könne man sich uneingeschränkt freuen. Gramkow weiter: „Es versteht sich von selbst, dass Nestlé auch eingeladen ist, unsere Fairtrade-Kampagne zu unterstützen.“

Der Public Affairs Manager von Nestlé Deutschland, Achim Drewes, verwies gegenüber CSR NEWS auf die Bemühungen seines Konzerns um ein nachhaltiges Kaffeeangebot entlang des 4C-Standards: „Das Werk wird 2014 von vornherein bereits mit 4C Kaffee arbeiten – im Rahmen des Nescafé Plans, und in line mit unserem Ziel, in Deutschland bis 2015 nur 4C Kaffee zu verarbeiten“, so Drewes. Der Kaffee-Verhaltenskodex der 4C Association wird von einigen NGOs als zu unambitioniert kritisiert, andere sehen darin eine sinnvolle Hinführung der Kaffeefarmer zu weiterführenden Nachhaltigkeits-Zertifizierungen. Wie Drewes weiter mitteilte, hätten die Kritiker bisher keinen direkten Dialog mit Nestlé gesucht. Den will der Konzern nun initiieren, mit einer Diskussionsveranstaltung, zu der Achim Drewes in der kommenden Woche nach Schwerin reist.