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Merkel fordert Werben um Migranten – Bereits 700.000 Unternehmer mit Migrationshintergrund

Angesichts des Fachkräftemangels hat die Diskussion um die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und die Eingliederung von Zuwanderern in den deutschen Arbeitsmarkt den sechsten Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt beherrscht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich mit Blick auf das Anerkennungsgesetz dafür aus, Migranten besser über Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu informieren und sie „gezielt zu werben“.

Berlin (afp) – Angesichts des Fachkräftemangels hat die Diskussion um die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und die Eingliederung von Zuwanderern in den deutschen Arbeitsmarkt den sechsten Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt beherrscht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich mit Blick auf das Anerkennungsgesetz dafür aus, Migranten besser über Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu informieren und sie „gezielt zu werben“. Insbesondere der öffentliche Dienst sollte mehr Migranten aufnehmen.

„Wir wollen mehr Migranten im öffentlichen Dienst“, sagte Merkel. Die Kanzlerin wies für den Bund als Arbeitgeber darauf hin, dass „wir ganz gezielt werben, junge Migranten zu bewegen, im öffentlichen Dienst einen Beruf zu ergreifen“. Integration und Partizipation würden nur dann erreicht, wenn auch im öffentlichen Dienst die Zahl der Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund ihrem Anteil an der Bevölkerung insgesamt entspreche.

Zugleich betonte Merkel, das Menschen ohne Berufsabschluss „signifikant schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“ – der Anteil bei Menschen mit Migrationshintergrund in dieser Gruppe sei nach wie vor höher als in der Mehrheitsbevölkerung. Es müsse alles dafür getan werden, dass die „Ausbildungsfähigkeit verbessert“ und die „Ausbildungsmöglichkeiten genutzt“ würden. Insgesamt lag die Beschäftigungsquote bei Zuwanderern nach jüngsten Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei 66,5 Prozent.

Auch der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Thorsten Albig (SPD), bezeichnete eine gelungene Integration als „unmittelbare Voraussetzung für den ökonomischen Erfolg Deutschlands“. Um Migranten müsse gezielt in Schulen, aber auch bei Migrantenverbänden selbst geworben werden.

Der Vorsitzende des Verbandes Türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa, Recep Keskin, sagte, in Deutschland gebe es 700.000 Unternehmer mit Migrationshintergrund, die insgesamt 2,5 Millionen Menschen beschäftigten. Es habe „lange gedauert, bis wir uns öffentlich darstellen konnten“. Der Integrationsgipfel sei eine Gelegenheit, nicht mehr nur als Gastarbeiter wahrgenommen zu werden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), forderte erneut eine Stärkung der „Willkommenskultur“. Vielfalt sei ein wichtiger „Standortfaktor“. „Deutschland muss sich als Integrationsland gerade auch im Wettbewerb mit anderen Ländern verstehen“, sagte Böhmer insbesondere mit Blick auf den Zustrom auch junger, gut qualifizierten Kräfte aus anderen EU-Ländern. Zuwanderung und Integration müssten „Hand in Hand gehen“.

Böhmer verwies in diesem Zusammenhang auf gesetzliche Maßnahmen wie das Gesetz zur Anerkennung im Ausland erworbener Abschlüsse. Sechs Bundesländer hätten sich inzwischen eigene Anerkennungsgesetze gegeben, in zehn Bundesländern stünden diese noch aus. „Diese Lücke muss dringend geschlossen werden“, mahnte Böhmer.

Von der Opposition kam Kritik am Integrationsgipfel. Die Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Aydan Özoguz, bezeichnete das Treffen als Veranstaltung für „vorgetäuschtes Handeln“. „Statt immer neuer Aktionspläne brauchen wir endlich mehr konkretes Handeln für die Integration vor Ort.“

Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir warf der Bundesregierung vor, “ so zu tun, als würden wir Einwanderern barmherzig etwas Gutes tun“, dabei würden die Menschen dringend gebraucht. Die Linke forderte den Abbau von „Durchlässigkeitsschranken auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich“.