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Fleisch: Norma bietet es billiger, Greenpeace will es teurer

Abgestimmt haben sie sich nicht, und dennoch passen die Meldungen von Norma und Greenpeace „wie die Faust aufs Auge“: Norma verkündete am Wochenende die sechste Preissenkungswelle für Fleisch in diesem Jahr und Greenpeace fordert die Verteuerung von Fleisch durch eine Steuererhöhung. Ein Kommentar von Achim Halfmann

Nürnberg/Hamburg (csr-news) – Abgestimmt haben sie sich nicht, und dennoch passen die Meldungen von Norma und Greenpeace „wie die Faust aufs Auge“: Norma verkündete am Wochenende die sechste Preissenkungswelle für Fleisch in diesem Jahr und Greenpeace fordert die Verteuerung von Fleisch durch eine Steuererhöhung. Ein Kommentar von Achim Halfmann

Bei dem – nach eigenen Worten – expansiven Discounter gibt es 500g Schinkenschnitzel für 2,99 Euro und 550g Hähnchen-Brustfilets für 3,49 Euro. „Wo immer sich neue Spielräume für weitere Preissenkungsaktionen bieten, wird Norma sofort handeln und die Preise reduzieren“, verspricht der Discounter. Viele Landwirte fürchten jetzt bereits um ihre wirtschaftliche Existenz. Billigpreise führen zur Konzentration auf Großmäster. Wer Spielräume für weitere Preissenkungen sucht, wird eher nicht in eine Verbesserung der Tiermast in Richtung auf mehr Tierwohl arbeiten. Denn die kostet.

Auch Greenpeace äußerte sich am Wochenende zu den Fleischpreisen – und zu den Folgen des hohen Fleischkonsums. Die Umweltorganisation richtet den Blick dabei auf eine oft vernachlässigte Tatsache: Die Landwirtschaft ist einer der größten CO2-Emittenten, ohne eine Veränderung der landwirtschaftlichen Produktion kann eine CO2-Reduzierung nicht gelingen. Mit fast 100 kg pro Person und Jahr äßen die Deutschen doppelt so viel Fleisch wie von Gesundheitsorganisationen empfohlen. „Statt Fleisch zu Spottpreisen zu verkaufen, sollte weniger und besseres Fleisch mit geringeren Umweltkosten produziert werden“, fordert der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter.

Das von Greenpeace dazu vorgeschlagene Mittel ist jedoch ungerecht und ´würde nicht zu einer qualitativen Verbesserung der Landwirtschaft führen: Der Konsument profitiert bei Fleischerzeugnissen wir bei anderen Lebensmitteln von einem auf 7 Prozent reduzierten Mehrwertsteuersatz – anstatt des vollen Satzes von 19 Prozent. Das hat den Sinn, die Preise für Basisprodukte auch für wirtschaftlich arme Menschen erschwinglich zu halten. Und davon gibt es – etwa unter den Rentenbeziehern – zunehmend mehr. Und wenn die Kasse beim Staat stärker klingelt, hat der Landwirt nichts davon.

Weniger Konsum bei höherer Qualität der konsumierten Produkte – das ist in vielen Branchen die Voraussetzung einer nachhaltigen Umgestaltung des Wirtschaftens. Steuererhöhungen sind auf diesem Weg ein untaugliches Mittel.

Lesen Sie mehr zum Thema „Nachhaltigkeit und Transparenz in der Lebensmittellieferkette >> in der kommenden Ausgabe des CSR MAGAZIN.

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