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Zeugen berichten von chaotischen Szenen bei Brand in Schlachthof

Peking (afp) – Nach dem verheerenden Brand in einem chinesischen Geflügelschlachthof mit rund 120 Toten haben Überlebende von chaotischen Szenen berichtet. „Es war ein komplettes Durcheinander, alle rannten“, sagte der Arbeiter Chen Hengwu der Zeitung „China Daily“ vom Dienstag. Ein Verantwortlicher des Unternehmens, in dem während des Unglücks Türen verschlossen waren, wurde festgenommen.

„Als ich hinausrannte, fiel mir ein, dass meine Frau noch im Produktionsraum war“, sagte Chen. „Da war Feuer und Rauch, es war unmöglich zurückzulaufen und sie zu suchen.“ Seine Frau Pan Xijie kam mit leichten Verbrennungen davon.

Arbeiterin Guo Yan berichtete derselben Zeitung, sie habe erst eine Explosion gehört, dann habe jemand „Feuer“ gerufen. Die Fabrik sei ein „Meer aus Flammen“ gewesen. Das Licht sei ausgegangen, die Menschen seien gerannt. Die Tür ihres Raumes sei verschlossen gewesen, also sei sie zu einer anderen Tür gelaufen. „Alle liefen in dieselben Richtung“, sagte Guo. Viele hätten sich gegenseitig umgerannt.

Die Explosion ereignete sich offenbar durch den Austritt von Ammoniak. Nach offiziellen Angaben starben bei dem Unglück 119 Menschen. Zwischenzeitlich hatten die Behörden von 120 Toten gesprochen. Etwa 70 Menschen wurden verletzt. Wütende Angehörige der Opfer umstellten Polizeiautos und warfen den Beamten ineffiziente Rettungsmaßnahmen vor, wie die Zeitung „Southern Metropolis“ berichtete.

Ein Verantwortlicher der Firma sei in Gewahrsam genommen worden, sagte ein örtlicher Vertreter der Kommunistischen Partei in der Provinzhauptstadt Changchun der Nachrichtenagentur AFP. Zudem seien die Konten des Unternehmens eingefroren worden.

Der betroffene Schlachthof in Dehui in der nordöstlichen Provinz Jilin gehört der Jilin Baoyuanfeng Poultry Company. Diese beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter und stellt laut der Nachrichtenagentur Xinhua jährlich rund 67.000 Tonnen Geflügelprodukte her.

Laut Xinhua befanden sich mehr als 300 Arbeiter in dem Werk, als das Feuer ausbrach. Die Fabriktore waren demnach zum Zeitpunkt des Unglücks verschlossen. Es war der verheerendste Brand in China seit zwölf Jahren. Damals starben durch ein Feuer in einem Einkaufszentrum 309 Menschen.

In China gibt es immer wieder schwere Unglücke in Fabriken und Bergwerken. Kritiker machen Versäumnisse bei der Einhaltung von Vorschriften zur Arbeitssicherheit verantwortlich. Xinhua verwies auf Sicherheitsmängel verbunden mit Profitgier: „Solche Unfälle sind auch das Ergebnis davon, dass Unternehmen auf Kosten der Sicherheit Gewinn machen wollen, sowie von der Faulheit von Behördenvertretern, die ihre Verantwortung nicht wahrnehmen“, kommentierte Xinhua am Montagabend.

Chinas Präsident Xi Jinping, der sich auf einer Lateinamerika-Reise befand, ordnete laut offiziellen Medien umfassende Rettungsmaßnahmen an. Im Internet-Kurznachrichtendienst Sina Weibo wurde Kritik am Staatschef laut: „Wäre das Unglück in anderen Ländern passiert, hätten deren Staatschefs ihre Auslandsreisen abgebrochen und wären zurückgekehrt“, schrieb ein Nutzer.

Ein Parteivertreter in Jilin, Wang Rulin, kündigte unterdessen eine stärkere Kontrolle des Internets an, um der Verbreitung von „Übertreibungen“ und „Gerüchten“ Einhalt zu gebieten. Außerdem wies er die Behörden an, „Massenveranstaltungen“ zu unterbinden, was in China für soziale Unruhen steht.