Nachrichten

UN Women’s Empowerment Principles: in Deutschland weitgehend unbeachtet

Der Versicherungskonzern AXA Winterthur hat am Dienstag die Women’s Empowerment Principles (WEP) unterzeichnet. Damit haben sich 17 Schweizer Unternehmen auf die „sieben Grundsätze für die Stärkung der Frauen in Unternehmen“ – aus Deutschland sind es dagegen nur drei. Möglicherweise haben deutsche Unternehmen Angst vor einer „Initiativitis“, so der Koordinator des Deutschen Global Compact Netzwerkes, Jürgen Janssen.

Winterthur (csr-news) – Der Versicherungskonzern AXA Winterthur hat am Dienstag die Women’s Empowerment Principles (WEP) unterzeichnet. Damit haben sich 17 Schweizer Unternehmen auf die „sieben Grundsätze für die Stärkung der Frauen in Unternehmen“ – aus Deutschland sind es dagegen nur drei. Möglicherweise haben deutsche Unternehmen Angst vor einer „Initiativitis“, so der Koordinator des Deutschen Global Compact Netzwerkes, Jürgen Janssen.

Das Schweizer Versicherungsunternehmen AXA will mit dem Beitritt zu den WEP sein langjähriges Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben bekräftigen. „Das Zusammenbringen von unterschiedlichen weiblichen und männlichen Sichtweisen führt zu besseren und überlegteren Lösungen. Davon profitieren die Mitarbeitenden, die Firma und schlussendlich auch die Kunden“, so Egger gegenüber der Presse. Unter den AXA-Mitarbeitern sind 45 Prozent Frauen; in der Geschäftsleitung ist eine Frau und im Verwaltungsrat sind zwei Frauen vertreten.

Die „Women’s Empowerment Principles – Equality Means Business“ wurden im März 2010 von den Vereinten Nationen (UN) verabschiedet. Entwickelt wurden sie in Kooperation von dem UN Development Fund for Women (UNIFEM) und dem UN Global Compact. Sie sollen Unternehmen als ein Werkzeug dienen, um dem dritten der zehn UN Millennium Development Goals gerecht zu werden: der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Rolle der Frauen. Weltweit haben über 590 CEOs die Erklärung unterzeichnet. In Deutschland sind die Prinzipien wenig populär: lediglich drei Unternehmen haben sie unterzeichnet, darunter als einziger Konzern Daimler. Aus Österreich sind es dagegen neun und aus der Schweiz sogar 17 Unternehmen. Die deutsche Fassung der WEP wurde im letzten Herbst gelauncht.

Nach den Erfahrungen des deutschen UN Global Compact-Koordinators Jürgen Janssen sind manche deutsche Unternehmen überzeugt, dass die in den WEP genannten Kriterien bereits in anderen Arbeitsnormen oder Menschenrechtsverpflichtungen enthalten sind, etwa dem UN „Protect, Respect and Remedy“ Framework. Zudem halte die Debatte um eine Frauenquote deutsche Unternehmen ab: die Prinzipien und eine solche Quote seien zwar „zwei Paar Schuhe“, aber das sei schwer zu vermitteln. Dennoch böten die „sieben Grundsätze für die Stärkung der Frauen in Unternehmen“ einen echten Mehrwert, so Janssen. Bei den Katastrophen in der Textilindustrie Bangladeschs seien Frauen die Hauptbetroffenen; die Stärkung ihrer Position in den Unternehmen könne solchen Ereignissen entgegenwirken.

Die sieben „Women’s Empowerment Principles“ heißen:

  • Etablierung einer gleichstellungsfreundlichen Führungskultur;
  • Faire Behandlung aller Männer und Frauen im Erwerbsleben – Einhaltung und Förderung der Menschenrechte und der Nichtdiskriminierung;
  • Gewährleistung der Gesundheit, der Sicherheit und des Wohlergehens aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer;
  • Förderung der Bildung, der Ausbildung und der beruflichen Entwicklung von Frauen;
  • Förderung des Unternehmertums von Frauen, Stärkung ihrer Rolle im Beschaffungsmarkt, Respektierung ihrer Würde bei allen Marketingmaßnahmen;
  • Förderung der Gleichstellung durch gemeinschaftliche Initiativen und Lobbyarbeit;
  • Messung und Veröffentlichung der Fortschritte im Bereich der Gleichstellung von Frau und Mann.

Die „Grundsätze zur Stärkung der Frauen im Unternehmen“ mit Anleitung >> als PDF zum Download (deutsch)

Die Website zu den Prinzipien:
www.weprinciples.org