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EU-Staaten beraten über Zulassung von Monsanto-Genmais

Von Jan Dörner. Brüssel (afp) – Wenn sich die Mitglieder des EU-Expertengremiums für Lebensmittel und Tiergesundheit am Montag in Brüssel treffen, befassen sie sich mit einem alten Bekannten: Monsanto. Es geht um die Import-Zulassung von zwei Genmais-Sorten des US-Agrarkonzerns. Dabei hatte das Unternehmen erst kürzlich bei Gentechnik-Gegnern die Hoffnung geweckt, der Europäischen Union den Rücken zu kehren.

„Es ist kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen“, hatte der Sprecher von Monsanto Europa, Brandon Mitchener, angesichts des heftigen Widerstands in Europa gegen Genprodukte kürzlich in einem Interview gesagt. „Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa.“ Derzeit plane sein Unternehmen auch nicht, die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Pflanzen zu beantragen. Aber: Anderswo angebauten Mais will Monsanto durchaus noch zur Verarbeitung in Lebens- und Futtermitteln in der Europäischen Union registrieren.

Über einen solchen Antrag beraten die Experten der EU-Staaten nun am Montag. Laut Tagesordnung des Treffens kann es dabei auch schon zu einer Abstimmung kommen – allerdings wohl noch nicht zu einer Entscheidung. Denn wahrscheinlich ist EU-Kreisen zufolge, dass es wie in früheren Fällen keine ausreichende Mehrheit unter den Mitgliedstaaten für oder gegen den Monsanto-Antrag gibt. Am Ende wird daher wohl die EU-Kommission über die Zulassung entscheiden und die beiden Genmaissorten zulassen.

Denn die Kommission stützt sich bei ihrer Entscheidung auf eine Bewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die keine Bedenken gegen die Maissorten geäußert hat. Und das lässt die Alarmglocken bei Christoph Then von der gentechnikkritischen Organisation Testbiotech schrillen. Denn eins der am Montag auf der Tagesordnung stehenden Monsanto-Produkte ist Testbiotech zufolge der Genmais Smartstax, der sechs verschiedene Insektengifte produziere und gegenüber zwei Unkrautvernichtungsmitteln resistent sei.

„Smartstax wurde 2010 von EFSA positiv bewertet, obwohl die Dossiers der Industrie erhebliche Mängel aufweisen“, warnt die Organisation. „So wurden Kombinationswirkungen der Toxine und der Spritzmittelrückstände nicht untersucht.“ Eine drohende Zulassung durch die EU-Kommission sei somit ein „gravierender Verstoß gegen die Interessen der Verbraucher“, sagt Then. Das Verfahren für eine Einfuhrerlaubnis dieser „Giftpflanzen“ in die EU müsse deswegen gestoppt werden.