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Starker Anstieg der Geflügelfleischexporte aus Deutschland nach Afrika verschärft Probleme

Der zunehmende Export von Geflügelfleisch nach Afrika vernichtet dort Arbeitsplätze und verursacht gesundheitliche Risiken. Für den Agrarhandelsexperten Francisco Mari von Brot für die Welt steht fest: „Diese Exporte müssten verboten werden.“ Stattdessen haben sich die Geflügelfleischexporte aus Deutschland nach Afrika im letzten Jahr aber mehr als verdoppelt.

Berlin (csr-news) – Der zunehmende Export von Geflügelfleisch nach Afrika vernichtet dort Arbeitsplätze und verursacht gesundheitliche Risiken. Für den Agrarhandelsexperten Francisco Mari von Brot für die Welt steht fest: „Diese Exporte müssten verboten werden.“ Stattdessen haben sich die Geflügelfleischexporte aus Deutschland nach Afrika im letzten Jahr aber mehr als verdoppelt.

Der Hähnchenfleischkonsum in der westlichen Welt ist selektiv: Auch die Deutschen essen bevorzugt Hähnchenbrust. In der Vergangenheit wurden andere Geflügelteile gemahlen und dem Tierfutter beigefügt, was nach dem Ausbruch von BSE verboten wurde. Seit diesem Verbot stiegen die Exporte europäischer Geflügelreste nach Afrika. Betroffen sind insbesondere westafrikanische Länder, dort führen die Routen europäischer Kühlschiffe entlang. Und die Exporte steigen weiter: Gelangten im Jahr 2011 noch 411.000 Tonnen Geflügelfleisch aus der Europäischen Union nach Afrika, so waren es 2012 bereits 464.000 Tonnen. Exportiert wurde beispielsweise nach Ghana (67.000 t), Benin (134.000 t) und in die Demokratische Republik Kongo (33.000 t), recherchierte Mari. Auffällig: Die Geflügelexporte aus Deutschland nach Afrika haben sich von 2011 (19.000 t) nach 2012 (43.000 t) mehr als verdoppelt.

Nicht nur die Europäer exportieren nach Afrika, auch die Brasilianer und die Nordamerikaner tun es. Mit teilweise verheerenden Folgen: Bei Fleischpreisen von 40 bis 50 Cent pro Kilogramm kann kein lokaler Mäster mithalten. Die Folgen erlebte Mari in Kamerun mit: Dort waren – auch mit Geldern aus der deutschen Entwicklungshilfe – Frauen zu Hühnerzüchtern ausgebildet worden, angesichts der Billigimporte brach dieses Gewerbe ein. Kamerun war dann eines der ersten afrikanischen Länder, das ein Importverbot für Hähnchenteile aus der EU erließ – bereits 2006. Inzwischen folgten der Senegal, die Elfenbeinküste und Nigeria. Nach Nigeria allerdings wird das Hähnchenfleisch aus dem benachbarten Benin eingeschmuggelt.

Der Verzehr des europäischen Geflügelfleisches ist zudem mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Traditionell werden Hühner in Afrika lebend verkauft und dann sofort nach der Schlachtung verarbeitet. Bei der europäischen Ware endet die Kühlkette mit der Anlandung und dem Verlassen der Kühlcontainer. Und der Käufer kann nicht erkennen, wie lange das Fleisch bereits ungekühlt blieb.

Zu diesem Problem habe Brot für die Welt den Dialog mit Unternehmen gesucht und dabei „Verständnis, aber keine Lösungsangebote“ erhalten, so Mali. Enttäuscht zeigt sich der Agrarhandelsexperte auch von der deutschen Politik, die den Fleischexport eher fördere als begrenze.

Foto: Masthähnchen in Deutschland im Alter von 14 Tagen

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