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DNWE-Jahrestagung: Nachhaltigkeit nicht Kapitalmarkt überlassen

Die Bilanz der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, eine Analyse des Kapitalmarkts als Nachhaltigkeitstreiber und das Wertemanagement im Mittelstand: Die Themen der Jahrestagung des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) sind vielfältig und prominent besetzt, die Teilnehmerzahl blieb hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück.

Berlin (csr-news) – Die Bilanz der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, eine Analyse des Kapitalmarkts als Nachhaltigkeitstreiber und das Wertemanagement im Mittelstand: Die Themen der Jahrestagung des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) sind vielfältig und prominent besetzt, die Teilnehmerzahl blieb hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück.

Am Freitag zog die Vorsitzende der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestages, Daniela Kolbe (SPD), vor den Teilnehmern der DNWE-Veranstaltung Bilanz. In der Kommission habe es zu vielen Fragen fraktionsübergreifende Einigkeit gegeben, etwa zu der Erkenntnis: „Wir müssen nicht nur effizienter wirtschaften, sondern wir brauchen eine absolute Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch.“ Jedoch sei diese Einigkeit bei „ideologisch hoch aufgeladenen“ Themen wie der Bedeutung und den Grenzen des Wirtschaftswachstums nicht gelungen und bei den Handlungsempfehlungen habe es große Unterschiede gegeben. Die Enquete-Kommission habe wenig in die Öffentlichkeit hinein gewirkt, jedoch innerhalb der Politik und der Parteien einiges bewegt. Manche Parteien hätten Positionen aus der Kommissionsarbeit inzwischen in ihren Wahlprogrammen aufgegriffen. Und manche Enquetemitglieder plädierten für eine ähnliche Kommission in der nächsten Legislaturperiode und sagten angesichts der Breite des Themas: „Wir haben gerade erst angefangen“, so Kolbe.

Ob nachhaltigkeitsorientierte Anleger die Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen verändern, diese Frage ist aus wissenschaftlicher Sicht ungeklärt. Weiter sagte Henry Schäfer, Professor an der Universität Stuttgart: „Sie brauchen eine enorme Schlagkraft, eine enorme Feuerkraft“. Wenn etwa durch den Verkauf von Aktien nicht nachhaltiger Unternehmen deren Aktienkurs unter Druck gesetzt werden solle, sei nach unterschiedlichen Untersuchungen ein Anteil von 20 bis 40 Prozent am Kapital erforderlich. Unentschieden sei auch die Frage, ob Unternehmen eine bessere Performance aufweisen, weil sie nachhaltig orientiert sind – oder ob sie sich nachhaltig orientieren können, weil sie eine bessere Performance aufweisen.

Schäfer plädierte dafür, eine nachhaltige Gestaltung der Wirtschaft nicht dem Kapitalmarkt zu überlassen: „Finanzmärkte haben in der Vergangenheit genau das Gegenteil von sozialer Verantwortung gezeigt“. Regierungen seien gefordert, gesetzliche Maßnahmen zu prüfen. „Es ist auch eine Frage des Gütermarktes, da sind die Konsumenten gefragt.“ Schäfer weiter: „Es ist auch eine Frage des Arbeitsmarktes.“ Arbeitsuchende könnten nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen bevorzugen.

Über die werteorientierte Führung mittelständischer Unternehmen sprach der Unternehmensberater Friedrich Glauner in einer Arbeitsgruppe. Solche Firmen brauchten nach seinen Worten eine offene Unternehmenskultur, die sich an zwei Prinzipien ausrichten: Nutzenstiftung und Offenheit. Nur so könnten die Unternehmen einerseits ein ausreichendes Maß an Einheitlichkeit erreichen und andererseits flexibel bleiben. Werte sollten in offenen Diskussionen auf konkret wahrnehmbare Erfüllungsbedingungen heruntergebrochen werden. Als Beispiel sagte Glauner: „Jeder bis hin zum Pförtner muss wissen, was Integrität konkret heißt.“

Heute endet die zweitägige Veranstaltung für die 80 Teilnehmer mit Plenardiskussionen und Workshops. Das im Mai 1993 gegründete Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik vereinigt etwa 500 persönliche und institutionelle Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verbänden und Kirchen. Es will den Austausch über ethische Fragen des Wirtschaftens fördern und zu einer ethischen Orientierung wirtschaftlichen Handeln beitragen. Vorsitzender ist der Wirtschaftsethiker Prof. Josef Wieland (Friedrichshafen).

Weitere Informationen im Internet:
www.dnwe.de

Foto: Daniela Kolbe MdB und DNWE-Moderator Christian Bacher