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Fairer Handel setzt auf Transparenz

Der faire Handel boomt, alleine in Deutschland wurden im vergangenen Jahr für über 500 Millionen Euro Waren verkauft, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet waren. Doch der Boom bringt auch Verwirrung mit sich. Internationale Standards sollen für Transparenz sorgen, teilte der Dachverband der Weltläden auf seiner Jahrestagung mit.

Bad Hersfeld (csr-news) > Der faire Handel boomt, alleine in Deutschland wurden im vergangenen Jahr für über 500 Millionen Euro Waren verkauft, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet waren. Doch der Boom bringt auch Verwirrung mit sich. Internationale Standards sollen für Transparenz sorgen, teilte der Dachverband der Weltläden auf seiner Jahrestagung mit.

Die über 450 Weltläden in Deutschland gehören zu den Pionieren des fairen Handels. Seit über 40 Jahren bieten sie in ihren Läden fair gehandelte Lebensmittel sowie Kunsthandwerk und Textilien an. „Die Glaubwürdigkeit der Weltläden begründet sich im ethischen Anspruch der am Fairen Handel Beteiligten und in der Transparenz, die durch verschiedene Überprüfungsinstrumente garantiert wird“, so Klaus Wöldecke, Geschäftsführer des Weltladen-Dachverbandes. Auch wenn die Bereitschaft der Verbraucher zunimmt, fair gehandelte Produkte zu kaufen, so hat auf der anderen Seite die Verwirrung ebenso zugenommen. Die Konsumenten brauchen und wollen Orientierung, davon betroffen sind auch die Weltläden. „Für Weltläden als Pioniere des Fairen Handels wird es immer bedeutsamer, die hohen Ansprüche an die eigene Arbeit nachzuweisen und zu kommunizieren“, so Wöldecke. Der Weltladen-Dachverband biete seinen Mitgliedern deswegen gleich zwei neue Instrumente zur Sicherstellung der Glaubwürdigkeit: das weiter entwickelte „Weltladen Monitoring“ sowie den „Katalog anerkannter Weltladen-Lieferanten“.

Das Weltladen-Monitoring wird ab Sommer 2013 im Rahmen des ‚WFTO Guarantee System‘ der World Fair Trade Organization stattfinden. Es wurde in der aktuellen Form erst vor wenigen Wochen während der WFTO-Tagung in Rio de Janeiro verabschiedet. Es erleichtert vor allem die, bisher kaum mögliche, Bewertung fairer Handwerksarbeit. „Das System bietet ein Höchstmaß an Sicherheit dafür, dass Weltläden als Fachgeschäfte des Fairen Handels die hohen internationalen Ansprüche an ihre Arbeit erfüllen“, betont Wöldecke. Den wichtigsten Unterschied zu anderen Zertifizierungsmodellen im Fairen Handel erklärt der WFTO-Vorsitzender Rudi Dalvai: „Fairtrade Siegelinitiativen siegeln das einzelne Produkt und achten vor allem darauf, dass z.B. beim Anbau von Kaffee die Fair-Handels-Kriterien in Zusammenhang mit dem entsprechenden Produkt eingehalten werden. Die WFTO und ihre Mitglieder verfolgen einen integrierten Ansatz. Das bedeutet, alle an der Wertschöpfungskette Beteiligte haben sich dem Fairen Handel verschrieben und sind Akteure des Fairen Handels“. Da die Glaubwürdigkeit des Fairen Handels das wichtigste Kapital darstelle, freue er sich, dass die Weltläden in Deutschland als eines der ersten europäischen Weltladen-Netzwerke am neuen WFTO-Garantiesystem teilnehmen“.

Das zweite Instrument ist der sogenannte Katalog anerkannter Weltladen-Lieferanten. Er wurde bereits 1999 eingeführt und soll den Weltläden helfen, ihre Lieferanten, vor allem neue und unbekannte, besser beurteilen zu können. Inzwischen enthält der Katalog fast 50 Einträge. Die Kriterien, anhand derer die Lieferanten bewertet werden, umfassen aller Aspekte des fairen Handels wie Arbeitsbedingungen, Handelspraktiken und Transparenz, aber auch Umweltschutz und Öffentlichkeitsarbeit. In einem ersten Schritt machen die Lieferanten im Rahmen einer Selbstauskunft Angaben zu den einzelnen Punkten. Fällt diese erste Bewertung positiv aus, so werden die Angaben von einem externen Auditor vor Ort überprüft. Auf Grundlage des Audits wird über die Aufnahme in den Lieferantenkatalog entschieden. Ein Unternehmen, das bereits seit vielen Jahren dabei ist, ist Globo. Deren Geschäftsführer Manfred Winkler: „Wir haben seit 40 Jahren sehr enge Kontakte zu unseren Partnerwerkstätten in Afrika, Lateinamerika und Asien aufgebaut“. In dieser Zeit seien die Anforderungen an alle Akteure des Fairen Handels gestiegen: „Zu dem intensiven und auf Vertrauen basierenden Kontakt kommt nun die Chance hinzu, dies gegenüber Dritten überprüfbar darzulegen“, so Winkler.

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