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Insektenvernichtungsmittel: Greenpeace kontra Baumärkte

Greenpeace fordert von Baumärkten einen Verkaufstop für Insektenvernichtungsmittel. Sie sollen für das Bienensterben mitverantwortlich sein. Deshalb protestierten Aktivisten am Samstag in fünfzig deutschen Städten vor Filialen von Obi, Praktiker und toom – von denen die meisten inzwischen reagiert haben. An wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Gefährdung der Bienen fehlt es allerdings.

Hamburg (csr-news) – Greenpeace fordert von Baumärkten einen Verkaufstop für Insektenvernichtungsmittel. Sie sollen für das Bienensterben mitverantwortlich sein. Deshalb protestierten Aktivisten am Samstag in fünfzig deutschen Städten vor Filialen von Obi, Praktiker und toom – von denen die meisten inzwischen reagiert haben. An wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Gefährdung der Bienen fehlt es allerdings.

Als für Bienen gefährliche Pestizide nennt Greenpeace Lizetan von Bayer oder Axoris von Compo. Die zur Bekämpfung von Insekten und Beikräutern eingesetzten Mittel stören den Orientierungssinn und das Gedächtnis der Bienen, sodass diese keine Nahrung finden und nicht in den Bienenstock zurückkehren können. Dies habe zum Kollaps ganzer Bienenvölker führen, so Greenpeace. Die Naturschutzorganisation empfiehlt natürliche Alternativen: Gegen Läuse könne Brennesseljauche und gegen Schnecken Lavendel eingesetzt werden.

Der Hintergrund: Im Mai hatte die EU-Kommission ein Verbot von drei Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonicotinoide beschlossen. Ab 1. Dezember dürfen Pestizide, die Clothianidin, Imidacloprid oder Thiametoxam enthalten, in weiten Bereichen nicht mehr eingesetzt werden, weil sie Bienen gefährden können. Das Verbot soll in zwei Jahren überprüft werden.

Industrieverband Agrar wehrt sich

Zu der Greenpeace-Kampagne nimmt der Industrieverband Agrar (IVA) Stellung, der die agrochemische Industrie und damit die Hersteller der Schädlingsbekämpfungsmittel vertritt. „Genau wie der Landwirt steht aber auch der Freizeitgärtner immer wieder vor der Frage, wie er seine Pflanzen vor Schädlingen oder Pilzbefall schützt. Wenn mechanische oder biologische Verfahren versagen, ist sachgerecht angewendeter chemischer Pflanzenschutz oft die letzte Rettung für den mit Liebe gepflegten Kleingarten“, so IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler in einem Pressestatement. Pflanzenschutzmittel unterlägen – insbesondere in Deutschland – strengen Eignungskriterien und könnten sicher angewendet werden.

Baumärkte reagieren

Während der Herstellerverband die Greenpeace-Kampagne kritisiert, haben die Baumärkte bereits reagiert. „In unserem Hause stand das Thema bienengefährdender Pestizide längst vor der Greenpeace-Aktion auf der Agenda“, so eine Sprecherin der Praktiker-Baumärkte gegenüber CSR NEWS. Seit Montag gebe es keine Insektizide mit den Inhaltsstoffen Imidacloprid und Thiamethoxam mehr im Sortiment bei Praktiker und Max Bahr. Obi will die genannten Substanzen bis zum Juli aus den Regalen nehmen und mit Fachleuten über eine weitere Greenpeace-Forderung diskutieren: nur noch Pestizide anzubieten, die für den Ökolandbau zugelassen sind. Die toom Baumärkte kündigten an, die von der EU-Kommission als bienengefährlich eingestuften Insektizide deutlich vor der gesetzlichen Frist Ende November nicht mehr anzubieten. Bauhaus will solche Pestizide ab September nicht mehr verkaufen.

Wissen über Bienen fehlt

„Wer Bienenkiller verkauft, ist mitverantwortlich für das Bienensterben“, so die Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff in einem Pressestatement. Jährlich sterbe ein Drittel der Bienenvölker in Deutschland, so Greenpeace. Das sieht Stephan Härtel vom Biozentrum der Universität Würzburg anders: Die Entwicklung der Bienenvölker sei weltweit sehr unterschiedlich, in Deutschland sei kein verstärktes Bienensterben zu beobachten. Dass manche Pestizide den Bienen schaden, sei unstrittig. Unbekannt sei aber, inwieweit die Insekten mit diesen Pestiziden in Kontakt kommen und sie in ihre Brut hineintragen. Härtel weiter: „Man weiß nicht, wie Bienen sich in der Landschaft verhalten.“ Hier bestehe ein hoher Forschungsbedarf.